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14.10.2014

16:10 Uhr

Dax auf Talfahrt

„Die Börsenspekulation ist wie eine Skatpartie“

VonJessica Schwarzer

Eine Pokerpartie gewinnt in der Regel, der das beste Blatt hat oder geschickt blufft. Auch an der Börse haben Anleger mal gute und mal schlechte Karten. Wie sie ihr Blatt optimal spielen – eine Börsenweisheit.

Die Börse ein Skatspiel? Was ist dran an Kostolanys Vergleich? ap

Die Börse ein Skatspiel? Was ist dran an Kostolanys Vergleich?

DüsseldorfDie vergangenen Tage haben viele Anleger sehr viel Geld gekostet. Der deutsche Aktienindex ist seit Anfang Oktober immerhin um 600 Punkte abgestürzt. Ein Minus von mehr als sechs Prozent in nur acht Handelstagen, da werden Erinnerungen an schlimmste Krisenzeiten wach. Einige Einzelwerte hat es sogar noch viel heftiger getroffen als den Index. Beispielsweise Infineon, Thyssen-Krupp, RWE, die Deutsche Lufthansa oder auch Thyssen-Krupp, die mehr als zehn Prozent verloren haben. In der allgemeinen Panik rauschten die Aktien in den Keller. Ähnlich hohe Verluste mussten die Aktionäre der Deutschen Bank und von Siemens verkraften.  

Wer hingegen Linde, Fresenius oder Henkel im Depot hat, der ist glimpflich durch die turbulenten Börsentage gekommen. Ein Plus lies sich allerdings auch mit diesen Titeln nicht einfahren. Mit Verlusten von 1,5 bis 2,5 Prozent hielt sich der Schaden aber in Grenzen. Wer also in den vergangenen beiden Wochen die Dax-Schlusslichter im Depot hatte, der hatte schlechte Karten. Wer hingegen Werte besitzt, die glimpflich den Crash überstanden haben, der hatte das bessere Blatt.

Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre

Entwicklung der Zahl der direkten Aktionäre in Deutschland

2013: 4.855 Millionen

2012: 4.534 Millionen

2011: 3.891 Millionen

Quelle: Deutsche Post DHL/Deutsches Aktieninstitut

Anlageziele der Aktionäre

Welche Bedeutung haben Anlageziele bei Aktionären?

Für 81 Prozent hat der langfristige Vermögensaufbau eine hohe Bedeutung.

67 Prozent stellen den Schutz vor Inflation in den Vordergrund.

Bei der Frage, welche Bedeutung das regelmäßige Einkommen aus Dividenden und Verkauf haben, gaben 44 Prozent an, dass es für sie sehr wichtig sei.

Lediglich 12 Prozent setzen ihre Priorität auf kurzfristige Gewinne.

Anteil des in Aktien investierten Vermögens

Wie viel Prozent des Vermögens legen Investoren in Aktien an (Durchschnittswert)?

2013: 26,8 Prozent

2008: 25,2 Prozent

2004: 23,9 Prozent

Bedeutung von Dividende und Aktienrückkauf

Wie beurteilen Anleger die Ausschüttungen durch Aktienrückkäufe im Verhältnis zu Dividendenzahlungen?

Gleich: 37 Prozent

Eher schlechter: 34 Prozent

Eher besser: 20 Prozent

Viel schlechter: sechs Prozent

Viel besser: drei Prozent

Bedeutung von Dividende und Kurssteigerungen

Würde die Rendite sich aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen zusammensetzen, dann würden...

... 43 Prozent eine mittlere Dividende und mittlere Kurssteigerung bevorzugen;

... 33 Prozent eine hohe Dividende und eine geringe Kurssteigerung wählen;

... 13 Prozent eine geringe Dividende und eine hohe Kurssteigerung sich aussuchen.

Orientierung an fundamentalen bzw. technischen Daten

Woran orientieren sich Anleger beim Ankauf oder Verkauf von Aktien?

Sowohl an der wirtschaftlichen Entwicklung als auch an der Kursentwicklung: 60 Prozent

Eher an der Kursentwicklung: 16 Prozent

Eher an der wirtschaftlichen Tätigkeit: 14 Prozent

Ich treffe meine Entscheidungen nicht selbst, vertraue jemand anderem. Acht Prozent

Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen für Privatanleger

Anteil der Anleger, die auf Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen vertrauen.

2013: 69 Prozent

2008: 65 Prozent

2004: 65 Prozent

Anteil der Anleger, die Beratern der Bank, Sparkasse oder Broker Vertrauen schenken.

2013: 39 Prozent

2008: 49 Prozent

200446 Prozent

Und darauf kommt es an der Börse an. Der längst verstorbene Anlageguru André Kostolany sagte einst: „Die Börsenspekulation ist wie eine Skatpartie.“ Natürlich meinte der überzeugte Aktionär damit nicht, dass die Börse ein Casino oder gar eine Spielhölle ist. Mit seiner Metapher spielte er vielmehr  auf die Gesamtentwicklung des Depots an, in dem ja leider selten alle Aktien gleichzeitig gut laufen – und hoffentlich auch nicht alle zeitgleich abstürzen. Er ergänzte seinen Skat-Spruch deshalb noch. „Man muss mit guten Karten mehr gewinnen als man mit schlechten Karten verliert.“ Nur so kann schließlich die Gesamtentwicklung stimmen.

André Kostolany war ohne Zweifel ein Meister der allegorischen Sprache. Viele seiner blumigen Sprüche sind längst Börsenweisheiten, auf die viele Anleger auch heute noch viel geben. Das gilt auch für den Vergleich mit dem Kartenspiel. „Ganz treffend hat er die Börse mit dem Skatspiel verglichen, indem er die zwei Szenarien Hausse und Baisse und den Umgang damit andeutet“, sagt Fondsmanager Christoph Bruns. Wer nämlich langfristig Erfolg an der Börse haben wolle, der werde feststellen, dass Outperformance durch die hohe Partizipation an der Hausse und noch mehr durch die Vermeidung der größten Fehler während der Baisse zustande komme.

Es gilt also, in guten Börsenphasen möglichst hohe Renditen einzufahren und in schwachen Phasen tunlichst geringe Verluste zu erleiden. „Ganz ähnlich wie im Kartenspiel, wo das Glück guter Karten ja kein Dauerzustand sein kann, kommt es darauf an, was wir aus der Situation machen“, sagt der Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys.

Kommentare (1)

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Herr Dr. Peter Lustig

15.10.2014, 10:44 Uhr

Könnten Sie uns bitte noch die "Gewinner" der nächsten 12-36 Monate nennen.

Die "Experten" kennen diese sicherlich schon. Danke.

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