Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.08.2015

18:02 Uhr

Dax, Euro Stoxx 50 und Dow Jones

Von wegen 1929...

Rund um den Globus stürzen die Aktienmärkte massiv ab. Das weckt böse Erinnerungen an 2008 oder sogar 1929. Aber kommt es wirklich so schlimm? Ein Kommentar von Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse.

Als die Börse 1929 abstürzte, brach auch auf den Straßen Panik aus. IMAGO

Wall Street 1929

Als die Börse 1929 abstürzte, brach auch auf den Straßen Panik aus.

Was für ein Börsentag! Der Dax rauschte zum Börsenstart deutlich unter die Marke von 10.000 Punkten und beschleunigte seine Rutschpartie noch, als die New Yorker Wall Street den Handel aufnahm. Die Bilanz eines ziemlich schwarzen Börsentages sieht so aus: Dax minus 4,7 Prozent, Euro Stoxx 50 minus 5,5 Prozent, Dow Jones minus 2,3 Prozent und so weiter und so fort. Zwischenzeitlich waren die Verluste sogar noch viel höher. Bis auf 9.338 Punkte war der Dax abgeschmiert.

Für Anleger ist das ein ganz schwieriger Tag. Zugegeben, ich habe nicht damit gerechnet, dass es nach den Kursverlusten der vergangenen Tage noch einmal so stark abwärts gehen würde. Trotzdem bin ich weiterhin überzeugt, dass wir hier eine zwar extrem heftige Korrektur erleben, aber nicht das Ende des Bullenmarktes. Und schon gar keinen Crash wie 2008/2009 oder gar im Jahr 1929.

Die Kurse waren einfach zu heiß gelaufen. Damit steigt natürlich immer auch die Nervosität. Wie lange kann das noch gut gehen? Auch ich stelle mir solche Fragen natürlich immer wieder. Meine Antwort: Die Korrektur war überfällig. Je länger sie ausblieb, umso brutaler fällt sie nun aus.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Was wir heute erlebt haben, sind fast schon panikartige Verkäufe. Es gibt Börsenphasen, in denen verlieren selbst die Hartgesottensten unter uns die Nerven. Wenn an den Märkten Panik ausbricht, ist es schwierig, der eigenen langfristigen Strategie treu zu bleiben. Doch genau das sollten Sie tun. Zu Tiefstkursen zu verkaufen, der Herde hinterherzurennen, ist die falsche Strategie. Bewahren Sie Ruhe, schlafen Sie über Ihre Anlageentscheidungen.

Dax unter 10.000 : Schmerzhafter Absturz

Dax unter 10.000

Schmerzhafter Absturz

Der Dax ist im freien Fall, bis auf 9.760 Punkte sackte das Börsenbarometer am Morgen ab. Damit ist die Marke von 10.000 Punkten gerissen: Ist das nur eine psychologische Marke oder ein dramatisches Signal?

Lassen Sie sich nicht von Ihren Emotionen leiten. Wer hochemotional handelt, macht an der Börse Fehler. Und die kosten zwangsläufig Geld. Panik ist so eine Emotion. Und panikartige Verkaufswellen sind nur leider gar nicht so selten. Wenn Sie bereits seit Ende der 1990er-Jahre an der Börse aktiv sind, haben Sie drei massive Crashs und diverse extreme Kursausschläge samt schneller Gegenbewegung miterlebt.

Natürlich fällt die Vorstellung schwer, dass es vielleicht schon in wenigen Tagen wieder aufwärts geht, wenn es heute gerade so kräftig kracht. Auch ich bekomme dabei ein mulmiges Gefühl. Die Situation erinnert mich stark an den Herbst vergangenen Jahres. Damals gab der Dax ebenfalls um fast 20 Prozent nach. Damals war der Auslöser Russland, heute ist es China. Damals setzen die Kurse übrigens nach der kurzen und heftigen Korrektur zu einer wahren Rally an. Und stiegen bis auf gut 12.400 Punkte im April.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ingo Tietz

24.08.2015, 18:13 Uhr

Es gibt Börsenphasen, in denen verlieren selbst die Hartgesottensten unter uns die Nerven.
---
Seit wann haben Glasfaserkabel und Siliziumchips Nerven geschweige denn, verstehen etwas von Massenpsychologie, werte Frau Schwarzer?
Ich würde eher sagen, ihr Nachname ist auch die nächsten Tage und Wochen Programm!
Ich gehe gleich an den See, die „schwarzen Schwäne“ füttern.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.

Herr Ralf Becker

24.08.2015, 18:35 Uhr

Einfach nicht der Hammelherde hinterlaufen. Es gibt immer noch viele Werte die ein KGV von unter 5 haben und Dividende zahlen. Nicht alle chinesichen Werte sind überbewertet. Es wird sich hier die Spreu vom Weizen trennen.

Da ist ein Screener mit dem man Aktien suchen kann die unterhalb eines bestimmten KGV's (P/E) notieren und z.B eine bestimmte Dividende zahlen. Man kann nach allem sortieren:
http://finviz.com/screener.ashx?v=111&f=fa_div_o3,geo_china&o=ticker

Herr Peter Spiegel

24.08.2015, 18:41 Uhr

Oh, fast wieder 10000 Punkte, die armen Puten sind tot.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×