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11.08.2017

13:52 Uhr

Dax, Gold und Anleihen

Die Rückkehr der Angst

VonJürgen Röder, Ilias Stampoulis, Katharina Schneider

Die Eskalation in der Krise zwischen Nordkorea und USA wirbelt die Finanzmärkte durcheinander. Allein der Dax hat mehr als 300 Punkte in drei Tagen verloren. Ist es an der Zeit, die Geldanlage neu zu justieren?

Vermeintlich sicherer Hafen

„Wo bleibt die Vernunft beim Goldpreis?“

Vermeintlich sicherer Hafen : „Wo bleibt die Vernunft beim Goldpreis?“

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FrankfurtTurbulente Tage für Börsianer: Die Wall Street beendet jäh ihre Rekordjagd. Nach zehn Gewinntagen in Folge ging es für den Dow Jones nun drei Mal hintereinander runter – und das nicht knapp. Dem Dax misslingen die Befreiungsschläge, er fällt unter die 12.000-Punkte-Marke. Steht nach Monaten der Rally eine Wende bevor? Zumindest klopft ein alter Bekannter an die Tür: Die Unsicherheit darüber, wie es weiter geht.

Wie aufgescheucht Anleger reagieren, zeigt einmal mal mehr der Blick auf die sicheren Häfen. Gold, die klassische Krisenwährung, kletterte innerhalb weniger Tage um mehr als zwei Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1287,97 Dollar. Aber auch die Bundesanleihe bot wie üblich Zuflucht vor den Bären. Seit Montag fiel die Rendite zehnjähriger Schuldscheine von 0,47 auf 0,38 Prozent. Fazit: Die Märkte sind wieder im Risikomodus.

„Die gute Stimmung der vergangenen drei Wochen ist mit der jüngsten Eskalation in der schwelenden Krise zwischen den USA und Nordkorea fast schon zwangsläufig verschwunden“, kommentierte Marktanalyst Joachim Goldberg. Zwar gebe es den Konflikt schon länger, doch habe die jüngste Rhetorik von US-Präsident Donald Trump für viele Investoren etwas Bedrohliches.

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Ähnlich bewertete auch Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Onlinebrokers CMC Markets, die Situation: „Die Unsicherheit über die geopolitische Frage zerstört gerade jegliche Risikolust der Anleger.“ Mehrere große Marktteilnehmer würden bereits Verkaufsempfehlungen für Aktien aussprechen und über die nächsten Wochen Potenzial für Gold und Sachwerte sehen. „Hier machen sich einige Marktteilnehmer bereit für eine größere Korrektur.“

Doch soweit ist es noch nicht – auch wenn der Dax-Rutsch unter die Marke von 12.000 Punkten aus charttechnischer Sicht ein wichtiger Schlag ins Kontor war. Mehrmals hat der deutsche Leitindex den Bereich bei 12.091 Zählern getestet und ist danach wieder gestiegen. Charttechniker nennen so etwas einen wichtigen Widerstand. Bis am gestrigen Handelstag dieser erneute Test anders ausging: Der Index fiel auf 11.934 Punkte – den tiefsten Stand seit April 2017.

Um das Risiko weiterer Kursverluste besser einschätzen zu können, eine langfristige Einordnung: Der Dax ist seit 2009 in einem Aufwärtstrend. Vor mehr als acht Jahren rutschte der deutsche Leitindex auf 3588 Punkte ab und stieg danach ohne Unterlass - im Juni sogar auf das neue derzeit gültige Allzeithoch bei 12.952 Zählern.

Solch ein langjähriger Anstieg verläuft nie gradlinig, sondern wird immer unterbrochen von mehr oder weniger längeren Korrekturen. So wie zum Beispiel 2011, als der Dax von 7500 Zählern auf 5000 Punkte rutschte. Oder wie 2015, als die Frankfurter Benchmark von 12.390 auf 8700 fiel. Von derartigen großen Korrekturen ist das deutsche Börsenbarometer noch weit entfernt.

Kommentare (6)

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Frau Edelgard Kah

11.08.2017, 14:28 Uhr

Sehr geehrter Herr Röder,

lustig zu lesen, wie tief der DAX noch fallen kann. Ihre Zahlen:
- 11 900
- 11 800
- 10 800
- 10 400
- 10 300
Haben Ihre Charttechniker nicht mehr Zahlen? Ein anderes Thema. Vielleicht können Sie mir bei Gelegenheit einmal erklären, warum der EURO/DOLLAR-Kurs den DAX in starkem Maße bewegt. Nehmen wir als Beispiel einmal einen Anstieg des EURO-Kurses. Er setzt voraus, dass Ausländer EUROs gekauft haben. Ich stelle mir vor, dass sie nun mit den neu erworbenen EUROs etwas vorhaben. Vielleicht europäische Aktien kaufen? Oder lieber Renten? Beides ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Europäische Aktien werden sogar verkauft.

Herr Jürgen Röder

11.08.2017, 14:36 Uhr

Sehr geehrte Frau Kah,

vielen Dank für Ihre Anmerkung. Das Verhältnis zwischen Euro und Dax ist schnell erklärt: Ein anhaltend stärkerer Euro wirkt sich massiv auf die Firmengewinne und das Wachstum in Europa aus. Ein zehnprozentiger Anstieg des Euros dürfte die Firmengewinne um fünf bis acht Prozent schmälern, rechnet Morgan Stanley vor. Also werden bei steigendem Euro europäische Aktien allen voran die exportstarken deutschen Aktien. Natürlich bieten Charttechniker noch weitere Zahlen. Das aber sind die wichtgsten, die man beachten sollte.
Beste Grüsse
Jürgen Röder

Frau Edelgard Kah

11.08.2017, 15:02 Uhr

Sehr geehrter Herr Röder,

vielen Dank für Ihre Erläuterung. Ihre Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Nicht eingegangen sind Sie auf die Beobachtung, dass EUROs gekauft und danach gehortet werden. Ist das nicht sehr seltsam?

Die realwirtschaftlichen Auswirkungen einer EURO-Aufwertung betreffen nur jenen kleinen Teil der deutschen Exporte, der in den Dollar-Raum geht. Hinzu kommt, dass unsere DAX-Firmen die zu erwartenden Dollar-Erlöse für Zeiträume von 1 bis 2 Jahren gegen Währungsschwankungen absichern. Morgan Stanly in allen Ehren. Aber die vorgelegten Berechnungen halte ich für blanken Unsinn.

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