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05.10.2017

16:43 Uhr

Dax im Rekordfieber

Wie lange dauert die Party noch?

Es ist die längste Rally aller Zeiten am deutschen Aktienmarkt. Viele warnen bereits vor Spekulationsblasen, andere wiederum raten zum Einstieg. Was für und was gegen weiter steigende Aktienkurse spricht.

Dax und Euro Stoxx steigen bereits das sechste Jahr in Folge dpa

Partylaune auf dem Parkett

Wann kommt die Ernüchterung?

FrankfurtDie längste Rally in der Geschichte der europäischen Aktienmärkte nährt bei Börsianern die Furcht vor einer Überhitzung. Dax und Euro Stoxx steigen bereits das sechste Jahr in Folge, so lange wie nie zuvor. Seit Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex rund zwölf Prozent zugelegt und steht nun kurz vor dem Sprung durch die Schallmauer von 13.000 Punkten. Zuletzt trennten ihn lediglich rund 30 Pünktchen von der Rekordmarke.

Immer mehr Analysten raten dazu, die Kurssprünge mit Vorsicht zu genießen. Vor allem die Wall Street, die den Dax mit nach oben gezogen hat, scheint heißgelaufen. Auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan sieht in Folge der jahrelangen Niedrigzins-Politik der Notenbanken Anzeichen von Spekulationsblasen bei Aktien, Anleihen und Immobilien. Die europäische Finanzmarktaufsicht (ESMA) warnte ebenfalls vor Risiken.

Dax: Die Tops und Flops im September

Dax

Die Tops und Flops im September

Die Energieriesen haben im September teils kräftige Kursverluste verkraften müssen. Ganz anders bei den Autobauern, deren Papiere satte Kursgewinne verbuchten. Die Tops und Flops in der Übersicht.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sieht vor allem am US-Aktienmarkt eine erhöhte Gefahr für Abstürze, eine generelle Überbewertung an Europas Börsen sei noch nicht in Sicht. Auch EZB-Chef Mario Draghi gibt sich diesbezüglich gelassen. Erstklassige Gewerbeimmobilien seien der einzige Bereich mit überdehnten Preisen, meinte er kürzlich.

Fakt ist: Die Zinspolitik der Notenbanken hat in zahlreichen Anlageklassen zu kräftigen Preisschüben geführt. Seit 2009 sind die Geldhähne weit geöffnet. Die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank und die Notenbanken Großbritanniens und Japans pumpten seither Billionen in den Geldkreislauf.

Aktienanleger fragen sich, wie lange die Party an den Börsen noch anhält und ob der Zeitpunkt für einen Ausstieg nicht schon gekommen ist. Aus kurzfristiger Sicht mag es richtig sein, erst einmal Kasse zu machen, meint Martin Hüfner, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Assenagon. Langfristig hingegen seien die fundamentalen Faktoren nach wie vor gut. Die Konjunktur laufe rund, daran werde sich auf absehbare Zeit nichts ändern. „Die Überbewertungen in anderen Asset-Klassen, vor allem in Bonds sind viel größer“, betont Hüfner.

Neben dem zuletzt wieder etwas schwächeren Euro setzen die Anleger vor allem auf eine starke US-Konjunktur. „Geopolitische Risiken werden immer stärker ignoriert“, sagt Anlagestratege Tobias Basse von der NordLB. Das könnte sich jedoch ändern, sollten die Krisen in Nordkorea und Katalonien eskalieren. Störfeuer könnten auch von der Fed kommen, die mit höheren Zinsen auf das von den Börsen momentan gespielte Szenario eines stärkeren Wachstums in den USA reagieren könnte. „Damit scheinen vor allem nordamerikanische Aktien inzwischen recht ambitioniert bewertet zu sein.“

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Vergleicht man das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen den Kontinenten, bleibt dem Dax noch Luft nach oben. Nach Reuters-Daten liegt sein KGV derzeit bei knapp 14 – der Kurs der 30 im deutschen Leitindex gelisteten Unternehmens-Papiere übertrifft also den Gewinn je Aktie um das 14-fache. Das ist sogar unter dem langjährigen Mittel von rund 15. Zum Vergleich: In Zeiten der Internet-Blase zur Jahrtausendwende lag das KGV etwa doppelt so hoch.
Und auch aus Sicht der Anlegerstimmung spricht vieles für weitere Kursgewinne – trotz der mehr als 1000 Punkte, die das deutsche Börsenbarometer seit Ende August zugelegt hat. „Die Rally könnte noch am Anfang stehen“, sagte Börsenexperte Stephan Heibel Anfang dieser Woche. Damit ist allerdings nicht der Beginn von steigenden Kursen von mehreren Jahren, sondern über Wochen oder einigen Monaten gemeint. Basis für seine Einschätzung ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2600 Anlegern.

Kommentare (13)

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Herr Helmut Metz

05.10.2017, 16:54 Uhr

Ganz einfach: die Dauer der Party hängt vom GRAD DES WAHNSINNS der EU-Zentralbanker ab.
Bei unendlichem Wahnsinn (wie zu befürchten), können wir auch einen Aktienindex sehen, der gegen unendlich geht - wie 1923:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Aktienindex_des_Statistischen_Reichsamtes_in_Papiermark.png

Herr Toni Ebert

05.10.2017, 17:00 Uhr

Ganz einfach, die Party wird so lange dauern, wie Mr. Trump die Wirtschaft weiter fördern kann.

Darum sind Unternehmen und erfolgreiche Menschen ja auch alle so für Mr. Trump.

Herr Helmut Metz

05.10.2017, 17:17 Uhr

@ Toni Ebert

Die entscheidende Frage ist in der Tat, wie lange der "Trump-Effekt" anhält. Dass er überhaupt bis jetzt angehalten hat, beweist, dass der Mann ein Genie ist. Tatächlich weiß nämlich auch Trump, was Sache ist - und hat das auch glasklar formuliert: "We are in a big, fat, ugly bubble."
Wer allerdings nur darauf brennt, Trump die Schuld zu geben (statt den eigentlichen Verursachern von den ZB´s), steht nämlich auch bereits fest:
"The Deep State’s next move is to pin the coming stock market collapse on Trump. When people think “Greater Depression,” they’ll think “Donald Trump."
http://www.zerohedge.com/news/2017-01-22/one-big-fat-ugly-bubble

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