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23.10.2015

10:41 Uhr

Dax legt weiter zu

Die Börsenparty geht in die nächste Runde

VonJessica Schwarzer

Mario Draghi holt die Bazooka raus und löst damit ein Kursfeuerwerk an den Märkten aus. Es könnte der Startschuss zur Jahresendrally sein und 2015 doch noch zu einem Aktienjahr werden lassen. Experten sind optimistisch.

Knallen erneut die Sektkorken? IMAGO

Draghis QE-Programm sorgte schon zum Jahresbeginn für Partystimmung

Knallen erneut die Sektkorken?

DüsseldorfEs war nur ein Satz, doch der hatte es in sich. „Der EZB-Rat ist gewillt und in der Lage zu handeln, indem er alle Instrumente nutzt”, sagte Notenbank-Chef Mario Draghi auf der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Damit öffnet Europas oberster Währungshüter die Tür für eine mögliche Ausweitung des ohnehin schon großzügig angelegten Anleihekaufprogramms.

Das Programm solle bis September 2016 laufen, notfalls auch länger. Am Leitzins, der schon länger auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent liegt, rüttelt die EZB unterdessen nicht.

Die Dax-Anleger reagierten beschwingt: Binnen weniger Minuten schoss der Dax nach oben und legte ein sattes Plus von 2,5 Prozent aufs Parkett.

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Auch am Freitag legt der Dax weiter zu und überspringt die Marke von 10.600 Punkten. Hat Draghi den Startschuss für die Jahresendrally gegeben? Es sieht fast so aus. „Die Zentralbank wird noch mehr Geld und noch länger Geld – wohl bis 2017 – in die europäische Wirtschaft pumpen“, sagt Michael Dutz, Vorstand der Vermögensverwaltung Adlatus. Er rechnet damit, dass die EZB die Wirtschaft statt mit der bisher beschlossenen eine Billion sogar zwei Billion Euro stützt.

„Dies wird die Zinsen noch weiter drücken, den Euro schwächen und Aktienmärkten den notwendigen Rückenwind geben“, ist der Experte überzeugt. Er erwartet, dass der Dax bis Dezember in einen Bereich zwischen 11.000 bis 12.000 Punkten zurückkehrt. „Je nachdem, wie schnell und wie viel Geld die Zentralbank in den nächsten Monaten druckt, sollte der Dax im Frühjahr 2016 wieder die Höchststände erreichen“, ergänzt er. „Aus aktueller Sicht bestünde so ein Kurspotential von 20 Prozent.“

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Dutz tritt beim Depot-Contest der Münchener DAB Bank in der Kategorie Chance an. Auch seine Mitstreiter sind optimistisch, dass die Aktienkurse in den kommenden Wochen weiter steigen. Frank Zaydowicz von PDB Anlagemanagement sieht vor allem in Europa und besonders in Deutschland Erholungspotenzial. Vor allem die Politik der Notenbanken wird die Börsianer umtreiben. Neben der EZB ist da natürlich noch die amerikanische Fed, die in absehbarer Zeit die Zinsen erhöhen dürfte. Nur wann das geschieht, ist das große Rätsel.

Sechs Monate Massenkauf von Staatsanleihen – Ist die EZB mit QE erfolgreich?

Kauf von Staatsanleihen

Die Notenpresse der Europäischen Zentralbank (EZB) läuft auf Hochtouren. Vor fast einem halben Jahr (9.3.) haben Europas Währungshüter im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche die Geldschleusen geöffnet. Seither kaufen sie Monat für Monat für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere (Quantitative Easing). Erzielt das viele Geld die erhoffte Wirkung? (Quelle: dpa)

Warum hat die EZB QE gestartet?

Ziel der Notenbank sind stabile Preise. Darunter verstehen die Währungshüter eine Inflationsrate knapp unter zwei Prozent. Von diesem Wert ist der Euroraum allerdings seit Monaten weit entfernt. Zu Jahresbeginn sanken die Verbraucherpreise sogar. Deshalb befürchteten die Währungshüter eine Deflation, also einen anhaltenden Preisrückgang quer durch die Warengruppen. Mit dem Kauf von Vermögenswerten stemmt sich die EZB dagegen, dass Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen in Erwartung weiterer Preissenkungen verschieben und die Wirtschaft erlahmen könnte. EZB-Vize-Präsident Vítor Constâncio ist überzeugt: „Die volle Umsetzung unserer Wertpapierkäufe wird die Inflation wieder auf ein Niveau zurückführen, das mit dem Ziel der EZB im Einklang steht.“

Hat die EZB keine anderen Mittel?

Im Prinzip schon, doch sie hat ihr Pulver weitgehend verschossen. Das gilt vor allem für den Leitzins, das wichtigste Instrument der Geldpolitiker: Eine Zinssenkung verbilligt Kredite und soll Konjunktur wie Inflation antreiben. Doch die EZB hat den Leitzins schon auf 0,05 Prozent gesenkt, also quasi abgeschafft.

Wie soll das Kaufprogramm funktionieren?

Die EZB kauft Wertpapiere bei Banken oder Versicherern. So wird Geld ins Finanzsystem geschleust. Die EZB erwartet, dass das Programm Unternehmen und Verbrauchern hilft, leichter Kredite zu bekommen. Das soll die Investitionstätigkeit steigern, Jobs schaffen und das Wirtschaftswachstum stützen. Dafür druckt sich die EZB quasi selbst Geld, die Menge (Quantität) des Zentralbankgeldes nimmt zu, daher der Begriff „Quantitative Lockerung“ (QE).

Wie viel Geld hat die EZB dafür bereits ausgegeben?

Bisher liegt das Volumen der gekauften öffentlichen Papiere bei knapp 290 Milliarden Euro. Zudem kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS).

Hat sich die Kreditvergabe verbessert?

Ja. Im Juli stieg die Kreditvergabe an den privaten Sektor um 1,4 Prozent, nachdem sie im Vormonat um 0,9 Prozent gewachsen war. Damit zeichnet sich ab, dass die lange Phase mit sinkender Kreditvergabe vorbei sein dürfte. Aus Sicht von BayernLB-Experte Johannes Mayr wächst die Hoffnung, dass der Kreditimpuls die Konjunktur künftig etwas stärker beflügeln wird.

Wirkt sich das bereits auf die Inflation aus?

Nein, jedenfalls nicht spürbar. Im August verharrte die jährliche Inflationsrate bei 0,2 Prozent – vor allem, weil die Energiepreise wieder kräftig gefallen sind. Erst kürzlich hatte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet eingeräumt, dass das Risiko gestiegen sei, das Inflationsziel noch länger als vermutet zu verfehlen. Praet betonte aber, dass die EZB nachlegen könnte: „Es sollte keine Zweifel geben bezüglich des Willens und der Fähigkeit des EZB-Rates zu handeln, falls es nötig wird.“ Das Anleihenkaufprogramm weise sowohl beim Volumen als auch bei der Dauer genug Spielraum auf.

Was sagen Experten?

Angesichts des Ölpreisverfalls schließen Ökonomen in den kommenden Monaten sinkende Verbraucherpreise nicht aus. Die Allianz hält fest: „Obwohl die EZB bereits seit März dieses Jahres jeden Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere [...] mit dem erklärten Ziel kauft, so das Risiko einer Deflation abzuwenden, ist die Inflationsrate in den letzten sechs Monaten kaum gestiegen und notiert weiterhin nahe Null.“ Die Teuerung zeige sich unbeeindruckt von den geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der EZB. Trotzdem sei eine Ausweitung des Kaufprogramms nicht ratsam: „Die Verabreichung einer höheren Dosis der falschen Medizin dürfte kaum die Erfolgsaussichten der EZB-Strategie verbessern.“

Hat QE die Konjunktur befeuert?

Die Wirtschaft im Euroraum wuchs im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. „Die Frühindikatoren signalisieren, dass das Expansionstempo auch im Sommer – trotz der zwischenzeitlichen Eskalation in Griechenland und der Sorgen um die chinesische Wirtschaft – in dieser Größenordnung liegt“, betonte Mayr. Ein Wachstumstreiber hat zuletzt aber an Zugkraft verloren, wie Commerzbank-Experte Michael Schubert betont: „Die Anleihenkäufe haben den Euro-Außenwert nicht wie von der EZB erhofft gedämpft.“ Seit April hat der Euro spürbar aufgewertet – das verteuert Exporte in Märkte wie China oder die USA. Anna Stupnytska von Fidelity Worldwide Investment warnt, dass könne der Erholung im Export das Wasser abgraben.

Was heißt das alles für Sparer?

Die Anleihekäufe haben keine direkte Auswirkung auf die Zinsen auf Sparbuch und Co. Doch die EZB wird die Leitzinsen nicht erhöhen, solange das Programm läuft. Die Zeiten bleiben also hart für Sparer. Aktionäre profitieren hingegen tendenziell von der Geldschwemme – auch wenn die jüngsten Börsen-Turbulenzen im Zusammenhang mit der China-Flaute die Kurse gedrückt haben. Auch Hausbesitzer können sich freuen, weil ihre Immobilien zuletzt an Wert gewonnen haben. Experten warnen allerdings vor Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten.

Zaydowicz ist überzeugt, dass der Zinsschritt eher positive Auswirkungen haben wird, weil er Unsicherheit aus dem Markt nimmt. „Vermutlich wird die Zinserhöhung jedoch frühestens im Dezember erfolgen, wir erwarten eher 2016“, sagt der PDB-Experte. „Damit dürfte die Wall Street weiterhin im Wartemodus bleiben und das Erholungspotenzial ist auf circa fünf Prozent begrenzt.“ Der Dax könnte bis auf 11.000 Punkte steigen. „Würde die Zinserhöhung Mitte Dezember kommen, können wir uns schnell weitere fünf bis zehn Prozent in den letzten Tagen des Jahres vorstellen.“

Kommentare (27)

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Herr Jürgen Mücke

23.10.2015, 11:03 Uhr

Wenn Experten optimistisch sind, dann wir es Zeit jetzt zu verkaufen!!

Herr Jordache Gehrli

23.10.2015, 11:05 Uhr

"SUPER-MARIO" schlägt wieder zu! Man könnte dies aber auch im höchsten Maße als asozial bezeichnen. Damit werden auch weiterhin REICHE reicher und ARME ärmer.
Ich freue mich, dass die Börsianer jubeln und sehe dabei aber auch die vielen, vielen Menschen, denen weiterhin ihre Altersversorgung gnadenlos mit dieser Bazooka zerschossen wird!

Herr Jürgen Mücke

23.10.2015, 11:08 Uhr

Bis Ende 2016 wird Dax garantiert die 7.000 Punkte testen. Da ziehe ich charttechnik, Ellito-wellen und permanent steigenden aufwärtstrend Votalitätsindex heran

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