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17.02.2012

14:34 Uhr

Dax-Pensionen

Teure Versprechen

VonJörg Hackhausen

Dax-Konzerne haben ihren Mitarbeitern großzügige Pensionen versprochen. Doch was den Pensionären zugute kommt, macht Aktionäre misstrauisch. Sie meiden Firmen, die hohe Pensionslasten in den Büchern stehen haben.

Dax-Konzerne: Anleger schauen genau hin, welche Firmen hohe Pensionslasten in den Büchern stehen haben. dpa

Dax-Konzerne: Anleger schauen genau hin, welche Firmen hohe Pensionslasten in den Büchern stehen haben.

DüsseldorfWer schlau ist, legt in guten Zeiten etwas Geld zurück. Doch das ist leichter gesagt als getan. Nicht nur dem kleinen Sparer fällt es schwer, für das Alter vorzusorgen - die großen Konzerne sind nicht besser dran. Sie müssen zusehen, dass sie die Pensionen, die sie ihren Mitarbeitern versprochen haben, auszahlen können.

Allein die 30 Unternehmen im Dax haben Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund 250 Milliarden Euro angehäuft, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten fällig werden. Das ist schön für die Arbeitnehmer. Nur woher soll das Geld kommen?

Das Problem: Ein erheblicher Teil der Pensionsverpflichtungen von Dax-Unternehmen – etwa ein Drittel – ist nicht gedeckt. Wenn das Planvermögen nicht reicht, müssen die Unternehmen das Loch aus dem laufenden Gewinn stopfen. Brenzlig wird es, wenn „ein Großteil des operativen Cash Flows für Rentenzahlungen“ aufgewendet werden muss, sagt Herwig Kinzler, Leiter Investment Consulting der Unternehmensberatung Mercer.

Das hat der Kapitalmarkt längst erkannt: Anleger schauen genau hin, welche Firmen hohe Pensionslasten in den Büchern stehen haben. „Investoren möchten gerne in das reine Businessmodell des Unternehmens investieren“, sagt Nigel Cresswell von der Beratungsgesellschaft Towers Watson. Risiken, die nichts mit dem eigentlichen Geschäft zu tun haben, schrecken Aktionäre ab.

Wie viel Geld Dax-Konzerne in Betriebsrenten stecken

Thyssen-Krupp

Börsenwert: 8.919 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 7.708 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 86,4

Quelle: Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen, jeweils zuletzt verfügbarer Jahresabschluss, Bloomberg, Flossbach von Storch Research; Stand: Dezember 2012

Deutsche Lufthansa

Börsenwert: 6.143 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 2.165 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 35,2

Deutsche Post

Börsenwert: 19.864 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 4.445 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 22,4

Volkswagen

Börsenwert: 75.945 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 16.787 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 22,1

RWE

Börsenwert: 19.499 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 3.846 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 19,7

Siemens

Börsenwert: 72.154 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 9.926 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 13,8

Bayer

Börsenwert: 59.648 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 7.870 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 13,2

Lanxess

Börsenwert: 5.691 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 679 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 11,9

Deutsche Telekom

Börsenwert: 36.511 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 6.095 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 11,4

HeidelbergCement

Börsenwert: 8.048 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 833 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 10,3

Continental

Börsenwert: 17.075 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 1.432 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 8,4

Allianz

Börsenwert: 46.963 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 3.754 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 8,0

Daimler

Börsenwert: 41.933 Mio. EUR
Pensionskassendefizit: 3.184 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 7,6

Muenchener Rueck

Börsenwert: 23.996 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 1.691 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 7,0

Deutsche Bank

Börsenwert: 31.817 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 1.716 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 5,4

Für den Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach sind die Pensionen der Dax-Konzerne ein entscheidendes Anlagekriterium. Bei der Bewertung einer Aktie behandelt er ungedeckte Pensionsverbindlichkeiten wie Finanzschulden. Flossbach hat sämtliche Bilanzen der Konzerne im Dax und Dow Jones danach ausgewertet, wie hoch die ungedeckten Pensionsverbindlichkeiten gemessen am Börsenwert ausfallen. „Pensionskassenlöcher, die wie im Falle Thyssen-Krupp, Lufthansa oder Alcoa die Hälfte des Börsenwerts ausmachen, sind ein K.o.-Kriterium“, sagt Flossbach.

Wobei man die Ertragskraft eines Unternehmens nicht ganz außer Acht lassen darf: Der Pharmakonzern Bayer könne ein vergleichsweise hohes Defizit aus dem Vorsteuergewinn von 18 Monaten begleichen, so Flossbach. Thyssen-Krupp und Lufthansa würden dagegen sechs Jahresgewinne benötigen.

Das könnte ein Grund dafür sein, warum Thyssen-Krupp und Lufthansa in den vergangenen Jahren zu den schwächsten Aktien im Dax zählten. Die Aktien des Stahlherstellers verloren 40 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, die der Fluglinie mehr als 50 Prozent.

Kommentare (7)

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17.02.2012, 15:25 Uhr

Performance und Konkurrenzfähigkeit einer Firma hängen weitestgehend von der Qualität und der Qualifikation des Personals ab, besonders natürlich von den Führungskräften. Weiß Herr Flossbach nicht, dass man zuletzt an den Personalkosten sparen sollte?

Account gelöscht!

17.02.2012, 15:31 Uhr

Sobald die Schweine an den Schweinetrog können, wird fleißig der Rüssel reingesteckt. Mit fremdem Geld, das schlecht kontrolliert wird ist leicht wirtschaften, hahahahahahaha!!!!!!!!!!!!!!
Deswegen wollen die "Topmanager" auch nicht zu Familienunternehmen, dort wird zuviel kontrolliert.

Account gelöscht!

17.02.2012, 15:41 Uhr

Absolut richtig, Nur: die Firma sollte auch nicht auf dem firmenfremden Gelände "soziale Sicherung" spielen. Diese fälschlicherweise angemasste Nebentätigkeit sollte niemanden anders als dem Arbeitnehmer verbleiben.

Also nicht dem Staat, auch der kann Geld veruntreuen.
Auch nicht der Firma für die er arbeitet, aus ähnlichen Gründen.

Soziale Sicherung (Alters, wie Krankenversorgung) darf es nur in Eigenverantwortung geben. Auch das schützt nicht vor Missbrauch, aber immerhin kann man sich darüber dann nicht bei anderen (beim Staat oder der Firma) beschweren.
Es kann doch so einfach sein:
Die Firma zahlt ein faires Entgeld.
Und der Arbeitnehmer sorgt selber für seine Altersversorgung.

Wenn ich das gemacht hätte, und nicht auf den Staat (bzw. die Firma) vertraut, wären meine Alterbezüge dreimal so hoch!

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