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16.03.2012

13:01 Uhr

Dax-Rally

Die Bullen sind los

VonChristian Panster

Der Dax ist mit Leichtigkeit über 7.000 Punkte geklettert. Die Aktienkurse könnten noch weiter steigen, weil die EZB Geschenke verteilt und mit anderen Anlagen wenig zu holen ist. Wie Anleger von der Rally profitieren.

Frankfurter Börse: Der Dax steigt. dpa

Frankfurter Börse: Der Dax steigt.

FrankfurtHoch oben, in der 30. Etage des „Gallileo“-Turmes, blickt Gustav Holtkemper über Frankfurt. Die Sicht ist klar an diesem Morgen, die Sonne scheint durch große Fenster in sein Büro herein. Heute ist ein guter Tag für Holtkemper, den Bereichsvorstand für das Geschäft mit der besonders vermögenden Kundschaft bei der Commerzbank. Nicht nur wegen des Wetters, sondern vor allem wegen des Dax. Denn der steigt. Und wenn die Aktienkurse zulegen, sind die Kunden des Bankers zufrieden. Im Moment dürften viele sogar sehr zufrieden sein.

Denn eine solche Rally hat es lange nicht mehr gegeben an der Frankfurter Börse; noch nie ist der Dax seit seinem Bestehen in den ersten Monaten so stark gestiegen. Rund 20 Prozent sind es bislang; aus 5900 Punkten Anfang Januar wurden mehr als 7000 Zähler. Am Freitag stieg der Index zeitweise auf 7194 Punkte. Auch an der New Yorker Wall Street sind die Kurse zuletzt geklettert. Der Dow Jones hat im selben Zeitraum um gut acht Prozent auf rund 13200 Punkte zugelegt. In Tokio stieg der Nikkei um 19 Prozent – und knackte damit die 10.000er-Marke.

Wenn alles ruhig bleibe, die Schuldenkrise in Europa sich also nicht verschlimmere, sagt Holtkemper, dann könnte 2012 ein gutes Aktienjahr werden. Ein bisschen unheimlich scheint ihm die rasante Rally aber doch zu sein; auf eine konkrete Prognose lässt sich der Banker nicht ein. So etwas sei nicht seriös – es gäbe zu viele Unwägbarkeiten.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Andere sind da sehr viel aussagefreudiger. Stefan Scheurer etwa, Kapitalmarktexperte bei Allianz Global Investors. Er könne sich durchaus vorstellen, dass der Dax zumindest noch Potenzial hat bis 7500 Punkte; das wäre gemessen am aktuellen Niveau immerhin ein Kursplus von etwa sieben Prozent. Max Otte, Finanzprofessor und Fondsmanager, sieht den Leitindex auch bei 7400 Punkten noch fair bewertet.

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„Es ist durchaus möglich, dass der Dax zwischenzeitlich sogar deutlich darüber steigt; wenn die Investoren entdecken, dass sie zu wenig Aktien haben und in den Markt drängen. Bei über 8000 Punkten solle man dann aber eher ans Verkaufen als ans Kaufen denken, sagt Otte.

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