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29.03.2012

09:38 Uhr

Dax-Rally

„Seid gierig, wenn andere ängstlich sind!“

VonJessica Schwarzer

Der Dax hat in diesem Jahr rasant zugelegt. Die Stimmung der Anleger ist gut - fast schon zu gut. Wer es mit Warren Buffett hält, fragt sich: Ist die Gier bereits zu groß? Und ist es an der Zeit, ängstlich zu werden?

Milliardär und weltbekannter Investor: Börsianer lauschen gebannt, wenn Warren Buffett spricht. dapd

Milliardär und weltbekannter Investor: Börsianer lauschen gebannt, wenn Warren Buffett spricht.

DüsseldorfAn der Börse läuft es in diesem Jahr wie geschmiert: Gut 20 Prozent hat der Deutsche Aktienindex Dax seit 1. Januar zugelegt. Ist noch mehr zu holen, geht die Rally weiter? „Seid gierig, wenn andere ängstlich sind, und seid ängstlich, wenn andere gierig sind“, empfiehlt Warren Buffett. Der bekannte Milliardär muss es wissen, zählt er doch zu den erfolgreichsten Investoren der Welt.

Simon Klein ist überzeugt, dass Buffetts Aussage nach wie vor gilt. „Antizyklisches Verhalten kann sich oftmals auszahlen“, sagt der Europa-Chef von Lyxor, der Indexfonds-Tochter der französischen Société Générale. Das sieht Markus Zschaber genauso. „Die Börsenweisheit mahnt deutlich zur Vorsicht, eine fundamental ausgelegte Investitionsstrategie zu vernachlässigen und sich dem emotionalen Herdentrieb an den Börsen anzuschließen“, sagt der Vermögensverwalter aus Köln. Die Worte Buffetts seien zwar sehr plakativ und auch überspitzt, hätten aber definitiv weiterhin ihre Gültigkeit.  

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Doch was bedeutet das in der Praxis? Sollten Anleger nach der Jahresanfangsrally nun doch lieber Gewinne mitnehmen? Oder anders ausgedrückt: Ist an der Zeit, ängstlich zu werden? Nein, meint Simon Klein. „Eine Gier erkenne ich derzeit nicht“, sagt der Lyxor-Chef. „Es besteht also kein Grund, ängstlich zu werden.“ Er wertet den derzeitigen Anstieg als eine technische Erholung. Die Märkte hätten sich nach der Euro-Krise stabilisiert. „Marktteilnehmer sind also nicht so optimistisch oder gierig, wie es der kurzfristige Anstieg vermuten ließe“, so Klein. „Zudem scheint es so, dass viele Anleger nicht investiert sind.“ Seine Prognose: Kurzfristig wird es noch steigende Kurse geben, aber die langfristigen Aussichten sind generell negativ. Es wird zu einer Kurskorrektur kommen – nur eben noch nicht jetzt.

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Sich an der Börsen von Gefühlen leiten zu lassen, ist nicht ungefährlich, wissen die Experten. „Angst und Gier sind überaus schlechte Ratgeber bei der Geldanlage“ sagt Vermögensverwalter Zschaber. Fakt sei, dass der heimische Dax in den vergangenen Handelswochen eine sehr starke Entwicklung gezeigt hat. „Doch darf man nicht vergessen, dass die emotionale Steigerung der Angst, nämlich die schlichte Panik, im Spätsommer des vergangenen Jahres dazu geführt hat, dass der Dax binnen weniger Handelstage von über 7.300 auf zeitweise unter 5.000 Punkte, in dieser starken Dynamik und Ausprägung fundamental unberechtigt, fiel.“ Wer damals, als die Panik am größten war, antizyklisch gehandelt hat und eingestiegen ist, der hat bis heute satte Gewinne eingefahren.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

29.03.2012, 10:05 Uhr

Wenn man berücksichtigt, dass die Dax-Rendite der letzten 10 Jahre durchschnittlich nur 3,1% p.a. beträgt, sollte man langsam die Gier abschalten und ängstlich werden.
Es weiß doch jeder, woher der in keiner Weise gerechtfertigte Zuwachs von 20% kommt: Von der inflationären Geldschwemme, die die Bad Bank EZB veranlasst hat.
QE spendiert vom Anführer des Club Med!

Lurchi

29.03.2012, 10:14 Uhr

"Es weiß doch jeder, woher der in keiner Weise gerechtfertigte Zuwachs von 20% kommt: Von der inflationären Geldschwemme, die die Bad Bank EZB veranlasst hat."

Das ist doch genau der Grund, wieso man Aktien haben sollte.

nik

29.03.2012, 10:20 Uhr

Kein Grund ängstlich zu sein!! ( so lange Herr Klein noch long positioniert ist );D
20% Dax Zuwachs innerhalb 3 Monate ist ganz natürliches Wachstum!!

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