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21.09.2011

10:11 Uhr

Dax-Schlussverkauf

Alles muss raus! Aktien im Sonderangebot

VonUlf Sommer

Deutschlands Firmen verdienen so viel wie noch nie. Doch an der Börse sind sie so preiswert wie selten. BMW, Deutsche Bank, BASF gibt es zu Schnäppchenpreisen. Sollten Anleger die niedrigen Kurse zum Kauf nutzen?

Unfassbar! Die Unternehmen verdienen prächtig, die Aktien stürzen ab. Reuters

Unfassbar! Die Unternehmen verdienen prächtig, die Aktien stürzen ab.

DüsseldorfDer Kursrutsch an den Börsen hat Milliarden vernichtet. Die 30 Unternehmen im Dax sind 200 Milliarden Euro oder ein Drittel weniger wert als Ende Juli. Einen so heftigen Einbruch in so einem kurzen Zeitraum gab zuvor nur einmal in der deutschen Börsengeschichte: zu Beginn des Jahres 2008.

Vor drei Jahren hatte die Immobilienkrise die Finanzwelt erfasst. Doch die Realwirtschaft schien zunächst immun. Immer noch trieben die Exporte die Gewinne deutscher Firmen. Immer noch blickten sie optimistisch in die Zukunft. Lediglich die weltweiten konjunkturellen Frühindikatoren fielen – und mit ihnen die Börse.

So wie Anfang 2008 erscheint Anlegern die Welt im Spätsommer 2011. Diesmal trübt die Schuldenkrise zwar die Stimmung, und die konjunkturellen Frühindikatoren gehen auf Talfahrt. Doch die Firmen verdienen prächtig, weil die Nachfrage vor allem aus den Schwellenländern boomt.

15 der 30 Dax-Konzerne werden in diesem Jahr voraussichtlich Rekordgewinne erwirtschaften – darunter die Autobauer BMW und VW, der Chemiehersteller BASF, der Softwareriese SAP und der Markenartikel-Hersteller Henkel. Rekordgewinne auf der einen und einbrechende Aktienkurse auf der anderen Seite machen die Unternehmen an der Börse so billig wie noch nie. Gemessen am Aktienkurs im Verhältnis zum Nettogewinn – das ist die maßgebliche Einheit an den Finanzmärkten – sind die Dax-Konzerne derzeit um 45 Prozent niedriger bewertet als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahrzehnte.

Die wichtigsten Kennzahlen für Anleger

Der Gewinn

Die wohl bekannteste und beliebteste Bewertungskennziffer für Anleger ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Verhältnis von Aktienkurs zu Unternehmensgewinnen. Als Faustregel gilt: Je niedriger das KGV umso besser. Aber Vorsicht: Es gibt kaum eine Größe, bei der die Unternehmen besser tricksen können als beim Gewinn. Schauen Sie nicht nur auf die Gewinne eines einzigen Jahres. Ein gutes Unternehmen sollte über viele Jahre bewiesen haben, dass es profitabel arbeitet. Ein einziger Ausreißer nach oben ist noch lange kein Qualitätssiegel. Außerdem kommt es darauf an, welcher Gewinn gemeint ist. Im Folgenden stellen wir verschiedene Gewinn-Kennziffern vor.

EBIT

EBIT steht für "Earnings before interest and taxes". In den USA wird die Kennzahl EBIT als Operating Income bezeichnet. Dieses operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird gewöhnlich für die Beurteilung der Ertragssituation des Unternehmens, insbesondere im internationalen Vergleich herangezogen. Jedoch ist das EBIT nicht nur das reine Ergebnis vor Zinsen und Steuern, wie es weitläufig bezeichnet wird, sondern genauer gesagt das operative Ergebnis vor dem Finanz- und damit Beteiligungsergebnis, was je nach Unternehmen großen Einfluss auf den Gewinn vor Steuern haben kann. Das EBIT kann alternativ auch berechnet werden, indem von Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen werden.

EBITDA

Das EBITDA steht für "Earnings before interest, taxes, depreciation und amortization" aus dem Englischen. Dieses Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation von immateriellen Wirtschaftsgütern hat Cash-Flow-Charakter, da die liquiditätsunwirksamen Abschreibungen ähnlich wie bei der indirekten Cash-Flow-Berechnung zum Jahresüberschuss hinzu addiert werden. Das EBITDA wird häufig für junge, wachstumsstarke Unternehmen oder Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Abschreibungsbedarf als Kennzahl verwendet, die gegebenenfalls negative Jahresüberschüsse erwirtschaften. Das EBITDA lässt sich auch berechnen, indem von den Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen und Abschreibungen addiert werden.

Der Cash-Flow

Der Cash-Flow ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um die Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen. Der Cash-Flow aus dem operativen Geschäft zeigt das Saldo aus Mittelzufluss und -abfluss an, lässt also Rückschlüsse auf frei verfügbare Mittel eines Unternehmens zu. Im Gegensatz zu den verschiedenen Gewinnkennziffern lässt sich der Cash Flow kaum durch Bilanztricks schön rechnen. Er eignet sich besonders gut, um Unternehmen innerhalb einer Branche zu vergleichen. Nachteil: Der Cash Flow schwankt stark. Vergleiche über mehrere Jahre sind schwierig. Ein niedriges Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) deutet darauf hin, dass der Kurs im Vergleich zum Cash-Flow günstig ist.

Die Marktkapitalisierung

Für manch konservativen Anleger ist Größe entscheidend. Je höher die Marktkapitalisierung, also der aktuelle Börsenwert eines Unternehmens, umso geringer die Kursschwankungen. Soweit die Theorie. Zwar schwankt der Aktienkurs großer Konzerne im langfristigen Durchschnitt weniger stark als der von kleineren Unternehmen. Eine Garantie gegen Kursverluste ist das aber nicht. Während der Finanzkrise verloren auch so hochkapitalisierte Dax-Aktien wie Eon oder Siemens kräftig an Wert. Aber die Kurschancen nach oben sind wesentlich kleiner als bei den Kleinen.

Der Umsatz

Eine von Anlegern meist vernachlässigte Größe ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens in Beziehung zu den Umsätzen. Dabei liefert das KUV sehr verlässliche Hinweise darauf, ob eine Aktie möglicherweise interessant sein könnte - oder nicht. Denn anders als der Gewinn lassen sich die Umsätze nicht so leicht manipulieren. Wie bei den anderen Verhältnis-Kennziffern gilt auch beim KUV: Je niedriger der Wert desto besser. Besonders wichtig ist diese Zahl bei sehr jungen Unternehmen, die noch keine oder nur sehr geringe Gewinne erwirtschaften.

Die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ergibt sich aus dem Verhältnis aus der Dividende und dem aktuellen Aktienkurs. Gerade in unsicheren Zeiten gibt die Kennziffer aber einen recht guten Hinweis auf die Qualität einer Aktie. Allgemein gilt: Je höher die Dividendenrendite, desto rentabler ist eine Aktie. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Dividendenrendite vor allem im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie etwa Anleihen. Bei einigen Aktien liegt die Dividendenrendite sogar höher als die Rendite für Anleihen desselben Unternehmens. Aber: Während der Zins bei Anleihen fest ist, kann die Höhe der Dividenden schwanken.

Der Buchwert

Eine wichtige Größe, um zu erkennen, ob ein Unternehmen an der Börse günstig bewertet ist oder nicht, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Dabei werden die Vermögenswerte eines Unternehmens in Relation zum aktuellen Aktienkurs gesetzt. Das KBV spielt für Value-Investoren wie Warren Buffett eine große Rolle. Sie glauben, dass der Buchwert den "wahren" Wert eines Unternehmens widerspiegelt. Wird ein Unternehmen an der Börse unter seinem Buchwert gehandelt, schließt der Value-Investor darauf, dass der Markt den eigentlichen Wert unterschätzt. Die grobe Regel lautet: Je niedriger das KBV, desto größer das Kurspotenzial - vorausgesetzt, dem Unternehmen drohen in absehbarer Zukunft keine heftigen Abschreibungen oder gar die Pleite.

Das Eigenkapital

Wichtig ist es für Anleger zu wissen, wie rentabel das Eigenkapital eines Unternehmens arbeitet. Die Eigenkapitalrendite berechnet sich aus dem Verhältnis des Gewinns zum Eigenkapital. Je höher der Wert desto besser. Allerdings gibt es - wie beim KGV - auch hier ein definitorisches Problem. Welcher Gewinn ist gemeint, was wird als Eigenkapital gezählt? Je nach Rechnungslegung kann es so zu großen Unterschieden kommen.

Beta

Das Beta misst die Schwankungsintensität (Volatilität) einer Aktie im Vergleich zu einem Index während eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit. Je höher das Beta eines Unternehmens ist, desto höher ist folglich die Volatilität und damit das Risiko für den Investor. Ziel der Investor Relations ist es unter anderem, dieses Beta durch zeitnahe und ausführliche Kommunikation möglichst gering zu halten. Das Beta wiederum hat wichtige Bedeutung für die Berechnung der Eigenkapitalkosten oder Optionsscheinprämien. Denn je höher die Kapitalkosten eines Unternehmens sind, desto niedriger ist nach dem DCF-Modell der Unternehmenswert.

Grundlage für diese Rechnung sind die erwarteten Erträge im Geschäftsjahr 2011. Angesichts des weit fortgeschrittenen Jahres sind die Gewinnprognosen relativ sicher. Die Unternehmen haben schließlich ihre Halbjahresergebnisse längst geliefert.

Die größten Bewertungsabschläge gibt es bei den  Banken. Die Commerzbank etwa kostet bei einem Aktienkurs von 1,70 Euro nur noch fünfmal so viel, wie sie voraussichtlich in diesem Jahr netto verdienen wird. Die Deutsche Bank kommt auf den historisch günstigen Faktor vier. Doch angesichts höherer Eigenkapitalanforderungen und möglicher Abschreibungen auf verlustreiche Staatsanleihen bezweifeln Anleger, dass die Banken ihr Ergebnis in den nächsten Jahren wiederholen können.

Kommentare (8)

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donolli

21.09.2011, 10:37 Uhr

Man sollte sich vor Augen halten, dass die Gewinne vergangenheitsbezogen sind und somit auch die KGV´s.Ob diese gehalten werden können, daran zweifelt derzeit die Börse. Daher können die KGV´s einen auf die falsche Fährte führen. Insbesondere die Banken. Die stehen vor einem Systemwechsel! Zurück zur alten volkswirtschasftl. Funktion der Allokationsfunktion von Kapital für Produktion! Wenn da eine Bank noch eine Rendite von 5-7 % macht ist sie gut und effizient. Vorher sind aber noch enorme Anpasssungskosten über 2-3 Jahre fällig. Vorraussetung wird aber sein dass die "synt. Geldmaschine Investmentbanking" weltweit auf Ihre Ursprungsfunktion vor 30 Jahren zurückgetregelt wird. Kaum möglich, da es gesamte Volkswirtschaften gibt die davon wesentlich leben (siehe GB). Also folglich nichts ist günstig! Bitte unterschätzt nicht den Verstasnd der Leser!

Account gelöscht!

21.09.2011, 11:46 Uhr

Systemwechsel hin oder her, auch wenn man in zehn Jahren den Kaufpreis wieder reinbekommen würde wäre es ein Bombengeschäft die Deutsche Bank zu kaufen ... danach verdient man nämlich nur noch und das aller vorraussicht nach garnicht schlecht!

Account gelöscht!

21.09.2011, 11:56 Uhr

haste den artikel ganz gelesen donolli?

denn er enthält durchaus deinen kritischen aspekt im zweiten teil ;-)

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