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06.01.2015

15:04 Uhr

Dax-Umfrage 2015

Fehlstart – und nun?

VonJürgen Röder

ExklusivTrotz eines bescheidenen Börsenjahrs 2014 und eines miserablen Jahresauftakts sind die Anleger optimistisch für 2015. Das zeigt die exklusive Handelsblatt-Dax-Umfrage. Doch dieser Optimismus ist eher ein Kontraindikator.

Der Blick in die Glaskugel zeigt, welche Aktien noch Kurspotenzial haben. Getty Images

Der Blick in die Glaskugel zeigt, welche Aktien noch Kurspotenzial haben.

DüsseldorfDas neue Börsenjahr begann mit einem Paukenschlag: Der Ölpreis rutschte unter 50 Dollar pro Fass (159 Liter). Das sind knapp zehn Dollar weniger als noch im alten Jahr. Anleger reagierten wegen des drastischen Einbruchs verschreckt und verkauften ihre Aktien. Der Dax verlor am vergangenen Montag zwischenzeitlich drei Prozent.

Ein Szenario, das Anleger im vergangenen Jahr mehrfach erlebten: Ein fallender Ölpreis schürt Ängste um eine schwache Weltwirtschaft und führt zu breiten Aktienverkäufen. Nach wenigen Tagen erkannten die Investoren aber die positiven Effekte eines niedrigen Ölpreises als eine Stimulation der Konjunktur. Die Folge: Aktien machten den verlorenen Boden wieder gut während sich der Ölpreis auf niedrigerem Niveau stabilisierte.

„Mit den fallenden Energiepreisen sind Sorgen um Russland und um einen nicht unerheblichen Anteil von Hochzinsanleihen in den USA verbunden. Dies führt zu Sorgen zur weiteren konjunkturellen Entwicklung insgesamt“, meint Markus Schön Geschäftsführer Deutsche Vorsorge Asset Management (DVAM). Er erwartet, dass es im zweiten Halbjahr 2015 durch die anhaltend niedrigen Ölpreise zu erheblichen Marktverwerfungen kommen wird und der Dax mit 7.700 Punkten auf ein Mehrjahrestief zwischenzeitlich zurückfallen wird.

Stephan Heibel vom Analysehaus Animusx sieht das gelassener: „Ich würde diesen Fehlstart noch nicht als Signal für einen Ausbruch aus den durchschnittlichen Erwartungen für das Jahr 2015 betrachten“. Er hat die Ergebnisse der großen Dax-Umfrage 2015 auf Handelsblatt Online analysiert und interpretiert. Bei dieser Umfrage wurden Anleger unter anderem nach den Höchst- und Tiefpunkten im Jahr 2015 befragt, wie hoch der Dax am Jahresende steht und nach Ihrer Einschätzung über andere Anlagemöglichkeit wie Anleihen und Rohstoffe.

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Das wichtigste Ergebnis: Das durchschnittliche Dax-Kursziel aller Teilnehmer für das Jahresende 2015 lautet 10.650 Punkte. Das entspricht einem Kursplus von 8,5 Prozent und spiegelt die große Zuversicht der Anleger wider. Dann nach den Haussejahren 2012 (Dax +29 Prozent) und 2013 (Das +26 Prozent) schnitt das Jahr 2014 verhältnismäßig bescheiden mit einem Plus von nur 2,7 Prozent ab.

Die nunmehr erwarteten plus 8,5 Prozent für das neue Jahr 2015 sehen da wie eine vernünftige Erwartung aus. „Doch Vernunft setzt sich nur langfristig an den Börsen durch, kurzfristig dominieren stets Übertreibungen“, meint Heibel.

Bei einer Umfrage zur Börsenstimmung liegt immer das Augenmerk auf das, was die Mehrheit erwartet. Ganz im Sinne der gegensätzlichen Meinung („Contrarian-Theory“). Diese Theorie geht davon aus, dass die allgemeine Meinungsbildung über Markttendenzen falsch ist. „Sollte der Dax aus dem mehrheitlich erwarteten Verhaltensmuster ausbrechen, dann müssen wir mit heftigen Übertreibungen rechnen“, erläutert Heibel.

Kommentare (1)

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Herr Uwe Warschkow

08.01.2015, 16:31 Uhr

Man kann in der ersten vollen Woche nichts für den Jahresverlauf ableiten.
Erinnern wir uns an 2000 .Da ging es am ersten Handelstag erst deutlich hoch,dann drehte er mittags nach unten und am dritten Handelstag hatten wir vom Top des ersten Tages fast 750 Punkte verloren.Trotzdem startete der DAX da seine Rally bis 8136 im März.

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