Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.09.2015

13:28 Uhr

Dax-Umfrage

Anleger lassen sich Zuversicht nicht nehmen

VonJürgen Röder

Sorgen um die Fed-Politik, Atomausstieg und VW-Dieselgate – die Liste schlechter Nachrichten wird immer länger. Doch die Anleger kümmert das wenig. Was das für die Börsenwoche bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Getty Images

Dax-Umfrage

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern.

DüsseldorfDer VW-Skandal hat den Dax in der vergangenen Woche um 2,3 Prozent einbrechen lassen. Eine Entwicklung, die für die Teilnehmer des Handelsblatt-Dax-Sentiments nicht überraschend kam. Noch am vergangenen Montag (21.9.) empfahl der Börsenexperte Stephan Heibel, der die Umfrageergebnisse auswertet und interpretiert, an starken Börsentagen zu verkaufen und an schwachen Tagen zu kaufen. Denn die große Zuversicht der Anleger, dass es in drei Monaten wieder aufwärts geht, ist ein Kontraindikator und dürfte bei diesem Niveau auch die weiteren Kursanstiege begrenzen, sagte er vor einer Woche unter der Überschrift „Die nächste Rally kommt – keine Frage“.
Um Anlegern eine Einschätzung zu geben, wie sich der Dax in den kommenden Tagen entwickeln könnte, befragt Handelsblatt Online jede Woche mehr als 2300 Anleger. Diese Umfrage ermittelt die Börsenstimmung, also ob Anleger euphorisch oder pessimistisch eingestellt sind. Daraus leitet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, Prognosen ab. Prognosen der Vergangenheit, die bislang eine sehr hohe Trefferquote haben, finden Sie unter dem Vergleich des Dax-Sentiment und der Indexentwicklung.

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Hat sich in der aktuellen Umfrage nun die Stimmung verändert? Offensichtlich nicht, „Angst und Panik, die wir seitens der Sentimentanalyse seit Wochen einfordern, um einen tragfähigen Boden für die Korrektur zu erzeugen, hat sich auch nach diesem Einbruch noch immer nicht breit gemacht“, analysiert Heibel. Stattdessen steige der mittelfristige Optimismus unter den Anlegern wieder an. Was Heibel ratlos macht.

„Was muss denn noch alles passieren, um endlich die für eine Bodenbildung am Aktienmarkt erforderliche Angst und Panik zu erzeugen?“, fragt sich Heibel. Die US-Notenbank belässt den Leitzins auf einem niedrigen Niveau und begründe den Schritt mit Sorgen über die weltweite Konjunkturentwicklung. VW verliert ein Drittel seines Börsenwertes und zieht die gesamte deutsche Automobilbranche mit in den Abgrund.

Allein im deutschen Leitindex verloren die Aktien aus dieser Branche in der vergangenen Woche deutlich: BMW minus acht Prozent, Daimler minus neun Prozent. Ein ähnliches Bild bei den Zulieferern: Thyssen-Krupp minus sieben Prozent, Infineon minus 2,4 Prozent und Continental minus fünf Prozent. Zudem belastet der Atomausstieg die Energiewerte Eon (minus 4,3 Prozent) und RWE (minus zwölf Prozent). „Ich hätte nach solch einer Woche Verständnis für jeden deutschen Anleger, der das Handtuch wirft, denn diese Aktien bilden für viele die Basis ihrer Altersvorsorge“, meint Heibel

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×