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01.06.2015

14:58 Uhr

Dax-Umfrage

Anleger scheuen das Risiko

VonJürgen Röder

Nach dem Verlust von mehr als drei Prozent in der Vorwoche stehen nun die Zeichen auf Erholung beim deutschen Leitindex. Allerdings fehlt dafür eine wichtige Zutat, wie eine exklusive Analyse zeigt.

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

Dax-Anleger brauchen Geduld

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

DüsseldorfDer deutliche Verlust in der Vorwoche mit einem Minus von 3,4 Prozent beim Dax zeigt seine Wirkung. Die aktuelle Börsenstimmung ist eingebrochen und notiert mit einem Wert von minus 1,5 Prozent im moderat pessimistischen Bereich. Das zeigt die Auswertung des Handelsblatt-Dax-Sentiments, einer wöchentlichen Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2200 Anlegern. Die Abstimmungsergebnisse werden vom Analysehaus Animusx ausgewertet und interpretiert.

Wie groß der Einfluss der Börsenstimmung auf die Kursentwicklung ist, zeigt sich im Rückblick: Am vergangenen Montag hatte Stephan Heibel, Inhaber von Animusx, unter der Überschrift „Anleger stehen an der Seitenlinie“ eine Handelsspanne von 11.800 bis 11.400 Punkten prognostiziert. Hintergrund war die neutrale Stimmung unter den Anlegern. Das Ergebnis: Der deutsche Leitindex verlor 3,4 Prozent und fiel von rund 11.800 Zählern am Montag auf 11.413 Punkten am Freitag. Auch die anderen Prognosen in den Vorwochen und -monaten von Heibel können sich sehen lassen (siehe auch Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf).

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Aus der neutralen Stimmung der Vorwoche ist nun eine pessimistische geworden. Nur noch sieben Prozent der Umfrageteilnehmer erkennen in der aktuellen Lage einen Aufwärtsimpuls, 14 Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Ein Großteil derer ist in das Bärenlager gewechselt. Denn jeder Fünfte sieht aktuell einen Abwärtsimpuls, elf Prozentpunkte mehr als eine Woche zuvor. Mehr als die Hälfte der Anleger sieht aber die aktuelle Börsensituation als übergeordnete Seitwärtsbewegung an.

Und die Anleger sind auf dem Weg zu einer extremen Verunsicherung. Denn der Indikator für die Selbstgefälligkeit (Antwort auf die Frage: „Haben Sie die Börsenentwicklung der vergangenen Woche so erwartet?) ist deutlich gesunken. In der Vergangenheit war dieser Indikator sehr hoch. Doch nun hatte fast jeder zweite Anleger diesen Abwärtsrutsch in der vergangenen Woche überhaupt nicht erwartet.

Vor dem Hintergrund der Verunsicherung und der schwachen Kursentwicklung an den Börsen flüchten sich Anleger in die Zuversicht, dass es in einigen Monaten deutlich besser aussehen werde. Nur noch knapp jeder Vierte fürchtet in drei Monaten einen Abwärtsimpuls, während jeder Dritte einen Aufwärtsimpuls erwartet.

Doch diese positive Erwartungshaltung könnte sich als Lippenbekenntnis herausstellen, denn die Investitionsbereitschaft ist rückläufig. Nur noch jeder fünfte Anleger will in den nächsten zwei Wochen kaufen. Das Lager derer, die noch nicht wissen, wie sie sich verhalten werden, ist mit 63 Prozent (plus drei Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) auf einem Rekordniveau.

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