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20.07.2015

10:34 Uhr

Dax-Umfrage

Anleger schwimmen auf der Euphoriewelle

VonJürgen Röder

Die Sommerrally in der vergangenen Woche hat viele Anleger überrascht. In der Folge entwickelte sich an der Börse ein ungesundes Klima, wie eine exklusive Analyse zeigt. Welche Kursziele für den Dax nun gültig sind.

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

Dax-Anleger brauchen Geduld

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

DüsseldorfVor einer Woche hatte Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, prognostiziert, dass das „Stimmungsbild eine solide Grundlage für eine Sommerrally bildet“. Was sich im Nachhinein als richtig erwies. Der Dax legte weiter zu und erkämpfte sich in der vergangenen Woche ein Plus von 3,2 Prozent. Ist die Sommerrally nun zu Ende? Oder legt der deutsche Leitindex nur eine kleine Verschnaufpause ein, um anschließend wieder durchzustarten?

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Grundlage für Heibels Prognosen ist das Handelsblatt Dax-Sentiment, eine wöchentliche Umfrage unter mehr als 2200 Anlegern. Aufgrund der Antworten ermittelt der Experte die Börsenstimmung, also ob Anleger im Bezug auf die aktuelle und die künftige Entwicklung an den Aktienmärkten optimistisch oder pessimistisch eingestellt sind – was jeweils ein Kontraindikator ist. Weitere Prognosen finden Sie unter Vergleich Dax-Sentiment und Indexentwicklung.

Die aktuelle Stimmung kann mit einem Wort beschrieben werden: Euphorie! „Genau das, wovor die meisten Sentiment-Analysten Angst haben“, erläutert Heibel. Denn bei sehr großer Euphorie sind – vereinfacht beschrieben – die meisten Anleger schon investiert und fallen bei anschließenden Kursrückschlägen als Käufer aus. Dies gilt als Indiz für bald fallende Kurse.

Der Stand der Euphorie ist ablesbar an den Antworten auf die erste Dax-Sentiment-Frage: Wie schätzen Sie die aktuelle Börsenentwicklung ein? Vor einer Woche herrschte unter den Teilnehmern des Dax-Sentiments noch ein Gefühl der Niedergeschlagenheit. Doch nun haben die beiden aktuell „bullishen“ Einschätzungen („Aufwärtsimpuls“ und „Topbildung“) um 53 Prozentpunkte auf 71 Prozent zugelegt. „Bearish“ gestimmt sind nur noch sieben Prozent der Umfrageteilnehmer – 38 Prozentpunkte weniger als vor einer Woche

In der Sentimentanalyse unterscheidet man zwischen gerechtfertigter und trügerischer Selbstgefälligkeit. „Heute sehen wir eine trügerische Selbstgefälligkeit auf hohem Niveau“, erläutert Heibel. Anleger fühlen sich in ihrer Erwartung steigender Kurse bestätigt, obwohl sie vor einer Woche noch verwirrt waren und kaum eine konkrete Erwartung für die Börsenwoche hatten. „Dieser offensichtliche Widerspruch zwischen der Erwartung von vor einer Woche und der heutigen Selbstgefälligkeit ist nicht gesund für die Rally“, so der Börsenexperte.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

20.07.2015, 17:33 Uhr

Weil deutsche Anleger nicht mal ein Viertel des Volumens ausmachen im DAX, ist diese Umfragetechnik nicht sehr aussagefähig.
Lange bereits sind die Ausländer, meist US oder GB resp. Asien, sehr stark vertreten und überwiegend tonangebend, was die Grundtrends angeht.
Diese folgen Befindlichkeiten in den betreffenden Lagern, die in Deutschland kaum vertreten sind.
Voraussagen für den DAX sind daher vor allem an die US-Märkte zu koppeln, deren Trends sie regelmäßig folgen.
Ausnahmen bestätigen diese Regel, sofern Sonderentwicklungen stattfinden, deren Gewicht nicht immer leicht zu schätzen sind.
Immerhin sollte feststehen, daß die Märkte global ausgereizt und überkauft sind. Die prinzipielle Richtung ist daher Süden.

Account gelöscht!

20.07.2015, 18:11 Uhr

Warum schreiben Sie immer so lange Kommentare ?

Herr Marc Otto

20.07.2015, 18:51 Uhr

wie es aussieht, kommt nun eine Korrektur inn den Weltmärkten. So jedenfalls die Charttechnik. Bestimmt werden die benötigten Nachrichtgen nach gereicht.

Machen die Charts eigentlich die Wirklichkeit,
oder macht die Wirklichkeit die Charts?

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