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20.06.2016

09:40 Uhr

Dax-Umfrage

Anleger sind in Kauflaune

VonJürgen Röder

Weil der EU-Verbleib der Briten wahrscheinlicher geworden ist, legt der Dax heute eine Rally hin. Doch sind diese Kursgewinne nachhaltig? Laut einer exklusiven Analyse sind viele Investoren verunsichert.

Investieren wenn der Dax strauchelt

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In der abgelaufenen Woche hat der Dax zum dritten Mal in Folge mehr als zwei Prozent nachgegeben und schloss am vergangenen Freitag bei 9.631 Zählern. Brexit-Sorgen kochten hoch und Absicherungsgeschäfte internationaler Anleger führten zu heftigen Kursverlusten. Zudem fand am vergangenen Freitag der dreifache Optionsverfalltag statt, der einmal pro Quartal für hohe Volatilität sorgt.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Statt eines Minus in Höhe von zwei Prozent hatte Börsenexperte Stephan Heibel am vergangenen Montag Pluszeichen für den Dax in der vergangenen Woche vorausgesagt. „Da ich dem Brexit geringe Chancen einräume …., erwarte ich für die kommenden Tage steigende Kurse“, sagte er am vergangenen Montag.

Diese Prognose trat - etwas verspätet - dann am heutigen Montag ein: Der Dax kletterte in den ersten Handelsminuten auf 9.900 Punkte und machte die Verluste der Vorwoche mehr als wett.

Für seine Prognosen wertet der Inhaber des Analysehauses Animusx die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung, Sentiment genannt, unter mehr als 2.300 Anlegern aus.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Von dem Minus der Vorwoche in Höhe von zwei Prozent waren auch die Teilnehmer an der aktuellen Umfrage überrascht. Denn jeder Fünfte betrachtet inzwischen diese Entwicklung opportunistisch als Bodenbildung – ein Plus von 16 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche.

Mit knapp der Hälfte der Teilnehmer geht die Mehrzahl jedoch nach wie vor von einem Abwärtsimpuls aus (plus vier Prozentpunkte auf 49 Prozent.) Sahen vor einer Woche noch 42 Prozent eine Seitwärtsbewegung im Dax, so sind diese Woche 18 Prozent davon ins Lager der Bodenbildung übergesiedelt.

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