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18.07.2016

15:47 Uhr

Dax-Umfrage

Anleger sind in Partylaune

VonJürgen Röder

Die Börsenstimmung hat sich in der vergangenen Woche aufgehellt. Ist das ein Signal zum Verkauf oder zum Einstieg? Einer exklusiven Umfrage zufolge sollten Investoren für eine Antwort auf diese Frage ins Ausland schauen.

Händler stoßen im Handelssaal der Börse mit Sekt an. Auch bei den Anlegern hat das achtprozentige Plus beim Dax innerhalb weniger zu einer freudigen Stimmung geführt. dpa

Börse Frankfurt/Main

Händler stoßen im Handelssaal der Börse mit Sekt an. Auch bei den Anlegern hat das achtprozentige Plus beim Dax innerhalb weniger zu einer freudigen Stimmung geführt.

DüsseldorfEs war schon etwas britisches Unterstatement vom Börsenexperte Stephan Heibel am vergangenen Montag. Unter der Überschrift „Ein neuer Ausverkauf ist nicht in Sicht“ hielt er den Dax nach unten bei 9.400 Punkten als relativ gut abgesichert und einen Ausbruch über 9.800 Punkte für möglich. Die Realität sieht aber anders aus: Der deutsche Leitindex schoss mit einem Wochenplus von 4,5 Prozent weit über das Ziel hinaus und erklomm wieder die Marke von 10.000 Punkten.

Basis für die Prognosen ist das Handelsblatt-Dax-Sentiment, eine wöchentlichen Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern. Die Erhebung wird von Heibel ausgewertet und interpretiert. In den vergangenen acht Tagen konnte die Frankfurter Benchmark mehr als acht Prozent zulegen. Die Frage, die sich viele Anleger stellen: Ist nun Zeit für eine Pause? Oder ist es vielleicht sogar bereits gefährlich und es droht eine Baisse?

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Indizien für eine Antwort auf diese Fragen bieten die Ergebnisse der aktuellen Umfrage. Die Teilnehmer sind scharenweise in Partylaune: Mehr als jeder Dritte sieht den Dax nun in einem Aufwärtsimpuls – ein Plus von 24 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche. Weitere 14 Prozent (plus 13 Prozentpunkte ) betrachten den Impuls als Topbildung.

Hingegen sehen nur noch neun Prozent (minus 23 Prozentpunkte) die aktuelle Bewegung als übergeordnete Abwärtsbewegung, nur noch fünf Prozent (minus zehn Prozentpunkte) halten dies für eine Bodenbildung. Das größte Einzellager ist jedoch nach wie vor das Lager der Neutralen: 37 Prozent (minus vier Prozentpunkte) sehen den Dax in einer Seitwärtsbewegung.

„Vor dem Hintergrund der extrem guten Dax-Performance ist es verständlich, dass die Stimmung sprunghaft angestiegen ist. Isoliert betrachtet ist es noch kein Warnsignal“, meint Börsenexperte Heibel. Vereinfacht gesagt: Wenn die Anleger zu euphorisch sind, ist dies ein Indiz für bald fallende Kurse. Seiner Meinung nach müsse sich Euphorie erst über mehrere Wochen aufbauen, um einen auslaufenden Kaufrausch zu signalisieren. „Das haben wir noch nicht“.

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