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06.07.2015

14:08 Uhr

Dax-Umfrage

„Anleger sollten die turbulenten Tage nutzen“

VonJürgen Röder

Laut der exklusiven Handelsblatt-Umfrage hatten Anleger sich offensichtlich ein „Ja“ aus Griechenland gewünscht. Doch der heutige Ausverkauf zum Auftakt dürfte nicht lang anhalten, zeigt eine exklusive Analyse.

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Getty Images

Dax-Umfrage

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern.

DüsseldorfWas für ein rasanter Börsenauftakt am heutigen Montag: Der deutsche Leitindex rutschte vorbörslich auf 10744 Punkten – ein Minus von mehr 300 Punkten gegenüber dem Handelsschluss am vergangenen Freitag. „Anleger hatten sich offensichtlich ein 'Ja' aus Griechenland gewünscht, deswegen mit kurzzeitigen Turbulenzen am Markt gerechnet und wollten sich in dieser Phase dann mit Aktien für die kommenden Monate eindecken“, meint Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Doch das gestrige „Nein“ der Griechen erfüllte diese Erwartungen nicht. Deswegen das dicke Minus zum Handelsauftakt.

Heibel hat das Handelsblatt Dax-Sentiment, eine wöchentliche Umfrage unter mehr als 2200 Anlegern, ausgewertet. Aufgrund der Antworten ermittelt der Experte die Börsenstimmung, also ob Anleger zur aktuellen und zur künftigen Entwicklung an den Aktienmärkten optimistisch oder pessimistisch eingestellt sind – was jeweils ein Kontraindikator ist. Weitere Prognosen finden Sie unter Vergleich Dax-Sentiment und Indexentwicklung.

Heibel gibt gleichzeitig Entwarnung. „Da sich nur wenige Anleger im Vorfeld des Referendums klar positioniert hatten, erwarte ich keine Beschleunigung des Ausverkaufs.“ Er empfiehlt langfristig orientierten Anlegern diese turbulenten Tage nutzen, um Positionen aufzubauen. „Rechnen Sie jedoch nicht damit, dass Ihre Positionen bereits nächste Woche dick im Plus notieren, gegebenenfalls kann das einige Wochen auf sich warten lassen“, meint der Animusx-Inhaber.

Zwar hat offenbar der Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis am heutigen Montag die Börsen wieder beflügelt und den Dax über 10-900 Punkte gehievt. Doch ob diese Kursgewinne einfach so weitergehen?

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

„Italien hat schon verlauten lassen, dass eine neue Lösung für Griechenland gesucht werden müsse. Aus Deutschland kommen eher Stimmen, die einen Grexit als unausweichlich sehen“, erläutert der Börsenexperte. In diesem ungewissen Stimmungsumfeld lasse sich eine künftige Richtung für den Dax kaum ableiten. „Was sich aus dem Umfrageergebnis allerdings deutlich ablesen lässt ist, dass ein Crash oder ein sich beschleunigender Ausverkauf nicht zu fürchten ist“, so Heibel.

Dazu sei die Stimmung der Anleger zu verhalten, also nicht zu optimistisch, was ein Indiz für bald fallende Kurse wäre. Denn bei hohem Optimismus haben viele Anleger bereits gekauft und scheiden als Käufer aus, sollten die Kurse fallen. Und die Anleger sind derzeit neutral positioniert. Das bedeutet, dass sie je nach Börsenentwicklung wieder in den Markt einstiegen können und damit einen Crash verhindern.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.07.2015, 19:41 Uhr

Die großartige Ohrfeige ins Gesicht der Euro-Nomenklatura aus der Umfrage in Griechenland ist zwar in der Sache nutzlos, aber ein Wahrzeichen zum Ende des siechen Euro.

Nun in die Märkte zu gehen und zu kaufen, ist selbstmörderisch - wird aber immer wieder empfohlen von Leuten, die entweder ahnungslos oder böswillig agieren (möchten).

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