Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2016

16:30 Uhr

Dax-Umfrage

Anleger verlieren das Vertrauen

VonJürgen Röder

Der Ausverkauf in der vergangenen Handelswoche hat die Börsenstimmung deutlich getrübt. Doch Börsenexperte Stephan Heibel ist überzeugt, dass Anleger einige wichtige Ereignisse falsch deuten.

Ein Händler telefoniert während des Börsenhandels: Panik herrscht noch nicht an den Börsen, doch die Zuversicht der Anleger ist gesunken. Reuters

Börsenhändler

Ein Händler telefoniert während des Börsenhandels: Panik herrscht noch nicht an den Börsen, doch die Zuversicht der Anleger ist gesunken.

DüsseldorfNoch am vergangenen Montag war Börsenexperte Stephan Heibel für die kommenden Handelstage vorsichtig optimistisch, hielt aber „aufgrund der Euphorie jederzeit einen Rückschlag für möglich“. Genau diesen Rücksetzer haben die Anleger mit einem Wochenminus beim Dax in Höhe von 3,2 Prozent erlebt. Heibel bleibt aber bei seiner Einschätzung, „dass der Mitte Februar eingeschlagene Aufwärtstrend noch intakt ist“. Damals erreichte das deutsche Börsenbarometer bei rund 8.700 Punkten sein bisheriges Jahrestief.

Für seine Prognosen wertet der Inhaber des Analysehauses Animusx die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung, Sentiment genannt, unter mehr als 2.300 Anlegern aus. Interessant ist nun die Antwort auf die Frage: Wie hat sich dieser mehr als dreiprozentige Rückschlag der Vorwoche auf die aktuelle Börsenstimmung ausgewirkt?

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Fast jeder dritte Umfrageteilnehmer ist aus dem Party-Lager geflüchtet, das noch in der aktuellen Situation einen Dax-Aufwärtstrend sieht. Die Hälfte davon sieht jetzt einen Abwärtstrend (insgesamt 22 Prozent). Die meisten erkennen beim Dax jedoch eine Seitwärtsbewegung (plus 18 Prozentpunkte auf 45 Prozent).

Nach den großen Kursgewinnen der Vorwochen war dieser Rückschlag von den meisten mehr oder weniger erwartet worden. Nur wenige wurden auf dem falschen Fuß erwischt, bei jedem Dritten wurden die Erwartungen kaum erfüllt. Voll und ganz erwartet haben die Korrektur nur neun Prozent der Umfrageteilnehmer.

Das Problem: Die Zuversicht der Anleger schwindet, für die kommenden drei Monate fällt das Grundvertrauen in weiter steigende Kurse. 22 Prozent erwarten dann weiterhin einen Aufwärtsimpuls, aber 29 Prozent fürchten eine Abwärtsbewegung. Die meisten gehen von einer langen Seitwärtsbewegung aus. Doch einen letzten Anstieg, um dann in drei Monaten einen Höchststand zu erreichen, erwarten nur noch fünf Prozent. Hingegen prognostizieren sieben Prozent (plus vier Prozentpunkte) keine nennenswert steigenden Kurse, sondern erst in drei Monaten eine Bodenbildung.

Aufgrund der geringeren Zuversicht fällt auch die Investitionsbereitschaft der Anleger. Mittlerweile 62 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen erst einmal abwarten und weder kaufen noch verkaufen (plus drei Prozentpunkte). Nur noch jeder Fünfte will in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen. Verkaufen wollen unverändert 18 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×