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15.08.2016

13:52 Uhr

Dax-Umfrage

„Das kann nicht lange gutgehen“

VonJürgen Röder

Der deutsche Leitindex erreicht in der Sommerpause ein Jahreshoch nach dem nächsten. Doch laut einer exklusiven Umfrage braut sich am deutschen Aktienmarkt derzeit eine gefährliche Mischung zusammen.

Dax startet durch

Jessica Schwarzer: „Solch ein Jahreshoch ist kaum von Bedeutung“

Dax startet durch: Jessica Schwarzer: „Solch ein Jahreshoch ist kaum von Bedeutung“

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DüsseldorfDer Dax hat eine grandiose Woche hinter sich. Das deutsche Börsenbarometer stieg um 3,3 Prozent und markierte mehrfach neue Jahreshoch – am heutigen Montag ein neues bei 10.802 Punkten. Für Leser des Dax-Sentiments keine sehr große Überraschung. „Vor dem Hintergrund des dünnen Handelsvolumens in diesen Sommerwochen ist es durchaus möglich, dass diese Stimmungslage bereits für höhere Notierungen ausreicht“, sagte Börsenexperte Stephan Heibel vor einer Woche.

Und da sich laut den Zahlen der Stuttgarter Börsen Euwax von vor einer Woche extrem viele Anleger gegen fallende Kurse abgesichert hatten, kam es es an einem Handelstag zu einem rasanten Kursanstieg von mehr als 260 Punkte. Denn angesichts steigender Kurse standen diese Anleger unter Druck, ihre Absicherungspositionen aufzulösen. Das beflügelte die Kurse deutlich. Ein weiterer Grund für das große Wochenplus: Es gab vor einer Woche nur noch wenig Verkäufer. Da reichten wenige verbliebene Käufer für höhere Kurse.

Basis für Heibels Prognosen zur künftigen Dax-Entwicklung ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern zur Ihrer Einschätzung der aktuellen Börsenlage. Die Ergebnisse bewertet anschließend der Inhaber des Analysehauses Animusx und bietet Anlegern dadurch Orientierung für die Geldanlage.

Nun hat sich die Lage komplett verändert. Mit der Rally ist gleichzeitig auch die Anlegerstimmung fast explodiert: Fast jeder zweite Umfrageteilnehmer sieht die aktuelle Börsenlage als Aufwärtstrend an – ein Plus von 31 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche. Das Lager der Pessimisten ist auf der anderen Seite deutlich kleiner geworden: Abwärtsimpuls (nur noch vier Prozent), Bodenbildung (zwei Prozent) und Seitwärtsbewegung (minus 37 Prozentpunkte auf nur noch 17 Prozent) erkennen nur noch wenige. Angesichts der Rally sieht nun jeder Dritte (plus 15 Prozentpunkte) eine Topbildung, also ein Niveau, von dem aus die Kurse fallen werden.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Bei der Selbstgefälligkeit der Anleger gilt die Formel: Sie steigt mit steigenden Aktienkursen. Auf die Frage, ob sie den Börsenverlauf der vergangenen Woche so erwartet haben, antworteten 26 Prozent mit „voll und ganz“ – ein Plus von 16 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche. Anders ausgedrückt: Mehr als jeder vierte Umfrageteilnehmer hat einen Anstieg von mehr als drei Prozent in vollem Umfang erwartet. „Eine menschliche Reaktion“, erläutert Heibel das Ergebnis. Schließlich würden sich die Anleger über steigende Kurse freuen. Entsprechend hält sich die Zahl derer, die von der Rally enttäuscht wurden, in Grenzen. Nur noch 31 Prozent insgesamt waren von Verlauf der vergangenen Woche enttäuscht.

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