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07.12.2015

14:28 Uhr

Dax-Umfrage

„Das war der bislang stärkste Umschwung“

VonJürgen Röder

Teilnehmer an der wöchentlichen Handelsblatt-Dax-Umfrage konnte der Kurseinbruch am Donnerstag nicht überraschen. Doch nun hat sich die Stimmung komplett gedreht und lässt für Anleger nur eine Schlussfolgerung zu.

Bei den Teilnehmern der Handelsblatt-Dax-Umfrage ist die Jubelstimmung der Vorwoche verflogen. Reuters

Dax-Tafel im Börsensaal in Frankfurt

Bei den Teilnehmern der Handelsblatt-Dax-Umfrage ist die Jubelstimmung der Vorwoche verflogen.

DüsseldorfDie Jubelstimmung der Vorwoche kommentierte Börsenexperte Stephan Heibel mit den Worten „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“. Das Pulverfass erhielt diese Woche einen Namen: Mario Draghi. Er schürte im Vorfeld der EZB-Sitzung vom vergangenen Donnerstag hohe Erwartungen an eine weitere geldpolitische Lockerung, scheiterte dann einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge am Widerstand anderer Notenbankmitglieder.

Der Dax brach entsprechend im Wochenvergleich um 4,8 Prozent ein. Die aktuelle Sentiment-Umfrage beantwortet die Frage: Bahnt sich ein Trendwechsel an? Oder ist das Minus nur eine technische Reaktion, bei der das Minus schnell wieder aufgeholt wird?

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Woche für Woche analysiert Stephan Heibel vom Analysehaus Animusx die Dax-Umfrage des Handelsblatts zur aktuellen Börsenstimmung unter mehr als 2.300 Anlegern. Dabei achtet er vor allem auf Kontraindikatoren. Sind zu viele Anleger euphorisch, signalisiert das tendenziell eher fallende Kurse und umgekehrt. Das beste Beispiel bietet die vergangene Woche, als die euphorische Stimmung einen neuen Rekordwert erreichte und das deutsche Börsenbarometer anschließend um fast fünf Prozent einbrach. Weitere Prognosen unter Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf.

Das Ergebnis der aktuellen Umfrage zeigt: Die Jubelstimmung der Vorwoche ist verflogen. Mehr als jeder Dritte und damit 25 Prozent weniger als gegenüber der Vorwoche sieht in der aktuellen Dax-Bewegung einen Aufwärtsimpuls, weitere 15 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) gehen von einer Topbildung aus. Nur elf Prozentpunkte sind ins Lager der Neutralen gewandert, wo sich nunmehr rund jeder vierte Anleger aufhält.

War das Lager der Pessimisten vor gut einer Woche quasi nicht vorhanden, erkennen 18 Prozent nun einen Abwärtsimpuls. „Es ist der stärkste Stimmungsumschwung, den wir mit unserer Sentimentumfrage bislang gemessen haben“, erläutert Heibel.

Diese Ernüchterung hinterlässt auch bei der Selbstgefälligkeit der Anleger Spuren. Das Lager derer, die sich in ihren Erwartungen bestätigt fühlen, schrumpfte um 23 Prozentpunkte auf nur noch 54 Prozent, während 46 Prozent (plus 23 Prozentpunkte) nicht mit diesem Rücksetzer gerechnet haben. Es ist kaum zu glauben, aber gehört offenbar zur Börsenwelt, dass mit immerhin noch 55 Prozent solch eine hohe Zahl von Anlegern mit diesem Rücksetzer gerechnet hat.

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