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02.05.2017

12:47 Uhr

Dax-Umfrage

„Die Gefahr für deutsche Anleger steigt“

VonJürgen Röder

Die Dax-Rally wird von internationalen Investoren getrieben. Sie nutzen das im Vergleich zu den USA niedrigere Bewertungsniveau. Die Anleger hierzulande warten auf günstigere Kaufchancen. Doch wird es die noch geben?

Dax-Umfrage

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Dax-Umfrage: Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

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DüsseldorfDie Wähler in Frankreich haben vor zehn Tagen den Sozialliberalen Emmanuel Macron und die rechtsextreme Kandidatin Marine le Pen in die Präsidentschafts-Stichwahl geschickt. In der Stichwahl geben Experten Le Pen wenige Chancen, gegen Macron zu bestehen. Aus Sicht der Finanzmarktteilnehmer ist die „Gefahr“ einer extrem rechten Regierung mit einem möglichen Abschied vom Euro und damit von der Euro-Zone vom Tisch. Das deutsche Börsenbarometer war als Folge am vergangenen Montag um 2,9 Prozent auf 12.438 Punkte gesprungen und hatte ein neues Allzeithoch erreicht.

Diese Rally wird nach Ansicht des Börsenexperten Stephan Heibel nicht von deutschen Anlegern getrieben. „Internationale Anleger haben ihre Furcht vor politischen Rückschlägen abgeworfen und nutzen das im Vergleich zu den USA günstige Bewertungsniveau vieler Dax-Unternehmen, während deutsche Anleger Gewinne mitnehmen und sich auf einen Rückschlag vorbereiten“, meint er.

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Basis für seine Markteinschätzungen ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2400 Anlegern. Die Ergebnisse bewertet der Inhaber des Analysehauses AnimusX anschließend. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung bieten Orientierung für die Geldanlage.

Seine aktuelle Argumentation: Kaufbereitschaft sei unter deutschen Anlegern kaum vorhanden, die Investitionsquote ebenfalls gering. „Die Gefahr für deutsche Anleger steigt, die Rally zu verpassen, sollte der Leitindex weiter ansteigen“, erläutert der Sentiment-Experte. Schließlich sei laut der aktuellen Umfrage die Erwartungshaltung überaus pessimistisch – Anleger halten sich zurück.

„Dieses Stimmungsmuster haben wir in den vergangenen Wochen bereits mehrfach gesehen“, erinnert Heibel. Kursanstiege im Dax werden seit Wochen für Gewinnmitnahmen genutzt, man freue sich über die erzielten Kursgewinne. Doch genug ist genug, denken sich die Anleger immer wieder, und warten nun auf günstigere Kaufgelegenheiten.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Doch die Rechnung könnte nicht aufgehen. Die hohe Absicherung bei gleichzeitig niedriger Investitionsquote offenbart das Risiko. „Hier werden keine Absicherungspositionen eingegangen, denn was soll noch abgesichert werden, wenn die wesentlichen Positionen schon verkauft wurden?“, fragt Heibel rhetorisch. Denn wenn Anleger nach einen Allzeithoch Gewinne mitnehmen: Welche Positionen werden dann noch abgesichert?

„Nein, diese vermeintlichen Absicherungspositionen sind in Wirklichkeit Spekulationen auf fallende Kurse“, so der Animusx-Inhaber. Doch genau das könnte zum Problem für die Bären werden, die auf fallende Kurse setzen. Denn sollten die Kurse wider Erwarten nicht abbröckeln, sondern weiter ansteigen, dann geraten sie in Zugzwang: Deckungskäufe müssen getätigt werden und würden eine Dax-Rally weiter anheizen.

Kommentare (11)

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G. Nampf

02.05.2017, 13:16 Uhr

"Günstige Anlagemöglichkeit " heißt für mich als Kleinst-Anleger:

DAX maximal 6500, vorher nicht.

Dazu muß allerdings das ganze fiktive EZB-Luftgeld aus den Märkten raus.

Ich glaube nicht, daß ich das noch erlebe.

Herr Old Harold

02.05.2017, 13:52 Uhr

"Auf und nieder, immer wieder..."

In meinem rund 50 Jahren als Kleinanleger habe ich noch nie erlebt, dass die Kurse nach einer langanhaltenden Hausse nicht wieder nach unten einbrechen.

Wer es nicht erwarten kann:

Reckitt Benckisser und GlaxoSmithKline stehen gerade günstig. Selbst nach dem Brexit werden die nicht an ihrem Substanzwert verlieren. Notfalls wird die Konzernzentrale per Federstrich eben ins Ausland verlegt.

Herr Lothar Bitschnau

02.05.2017, 14:22 Uhr

"DAX maximal 6500, vorher nicht."
.. Bei einem DAX von 6500 Pkt. wären die Aktienwerte unterhalb
von 1% der heutigen Werte, da seit 1988 soviel an Dividenden ausgeschüttet wurden, dass es ca. 6475 Pkt. entspricht. Dax Performance Index heute ca.12.470 Pkt.

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