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02.02.2015

16:26 Uhr

Dax-Umfrage

Die Rally ist noch nicht vorbei

VonJessica Schwarzer

Der Dax erklimmt immer neue Höhen, doch von Euphorie keine Spur. Anleger werden vorsichtiger, zu viele Krisen könnten jederzeit eskalieren. Warum die Rally trotz dieser Skepsis nicht vorbei ist. Eine exklusive Analyse.

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Getty Images

Dax-Umfrage

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern.

DüsseldorfDie Januar-Bilanz kann sich sehen lassen: Mehr als neun Prozent legte der Deutsche Aktienindex in den ersten Wochen des neuen Jahres zu. Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) ist mit immer neuen Dax-Rekorden ausreichend bejubelt worden. In der abgelaufenen Woche hatte der Dax bei 10.810 Punkten ein frisches Allzeithoch markiert.

Trotz dieser neuen Bestmarke hat der Dax in der vergangenen Woche aber nicht einmal ein halbes Prozent zugelegt. Eine Seitwärtsbewegung, die Stephan Heibel vom Analysehaus Animusx nicht überrascht hat. Nach Auswertung der Handelsblatt Dax-Umfrage, hatte er vorerst das Ende der Rally ausgerufen. Mit starken Rücksetzern hatte er allerdings nicht gerechnet, sondern eine moderate Konsolidierung erwartet. „Bröckelnde Kurse sollten sehr früh bereits wieder gekauft werden und so eine stärkere Korrektur verhindern“, sagte er.

Allerdings hatte er vor einer „gefährlichen Selbstüberschätzung“ der Anleger gewarnt. Doch die, so Heibel, sei in der aktuellen Umfrage verflogen. Animusx befragt Woche für Woche gemeinsam mit dem Handelsblatt Börsianer zu ihrer Markteinschätzung. Aus der Stimmung der Anleger – im Börsendeutsch Sentiment genannt – leitet Heibel ab, wie sich die Märkte in der kommenden Woche und danach entwickeln werden.

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Zuletzt habe sich die Stimmung „sehr konstruktiv entwickelt“, sagt der Experte. Jeder Dritte Umfrageteilnehmer sieht seine Erwartung für den Dax voll und ganz bestätigt. Das sind immerhin 13 Prozent weniger als in der Vorwoche. Von Selbstüberschätzung keine Spur mehr. Stattdessen sind immerhin 27 Prozent der Teilnehmer von der Seitwärtsbewegung überrascht worden.

Für den Sentiment-Experten ist das ein gutes Zeichen. „Nach wie vor gibt es kaum Euphorie unter den Anlegern – und das trotz EZB-Liquiditätsflutung und guten Konjunkturdaten aus Deutschland“, sagt er. „Zu viele Krisenherde könnten jederzeit eskalieren, und entsprechend vorsichtig agieren Anleger.“

Experten warnten zuletzt, die Luft am deutschen Aktienmarkt könnte in der neuen Börsenwoche erst einmal raus sein. „Jetzt könnte erst einmal die Kraft für größere Sprünge nach oben fehlen“, sagte ein Börsianer. Seit dem EZB-Beschluss zum Ankauf von Staatsanleihen vor anderthalb Wochen hat der Leitindex rund vier Prozent zugelegt. „Nun könnten wieder negative Faktoren wie die Leitzinswende der Fed, das sich abschwächende Wachstum in China, die Krise in Russland und die Warnstreiks in der deutschen Industrie in den Blickpunkt der Investoren rücken“, sagt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp.

Kommentare (5)

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Herr Helmut Metz

02.02.2015, 17:36 Uhr

An dieser Meldung sieht man wieder wunderschön, dass Realitätsverleugnung ZEITLOS ist.
"Die optimistische Stimmung hält weiter an, und in Wallstreet wird allerorts der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß die schwere Börsenkrise nunmehr definitiv überwunden sei und man nunmehr mit einer Hausseperiode rechnen könne."
Das ist eine Zeitungsmeldung vom 16.11.1929, also bereits NACH dem Schwarzen Freitag, der eigentlich ein Schwarzer Donnerstag war. Sie wissen vermutlich, was danach folgte...
Heute wird wiederum auf dem Oberdeck der Welt-Titanic noch wilde (rein liquiditätsgetriebene) Party gemacht, während der Weltwirtschafts-Dampfer schon gewaltig am Absaufen ist. Eigentlich nicht nur am Absaufen - er lotet bereits tiefste Unterssegräben aus, denn am heutigen Tag ist der Baltic Dry Index zum ersten Mal seit 1986 unter die 600 Punkte gefallen:
http://www.dryships.com/pages/report.php
Zum Vergleich der Vor-Lehman-Höchsstand von 2008: 11793 Punkte
Seit dem Lehman-Crash hat sich der BDI (als einer der wichtigsten Frühindikatoren des Welthandels überhaupt) nie mehr richtig erholt. Aber auch hier wurde selbstverständig Realitätsverleugnung betrieben - etwa, dass man gewaltige Überkapazitäten bei den Frachtschiffen, die erst abgenbaut werden müssen, ja auch berücksüchtigen müsse. Diese Leier war aber auch bereits 2011 und 2012 zu lesen gewesen.
Leute, es hilft also nichts, verschließt euch nicht länger der Wirklichkeit und macht die Augen auf: die Weltwirtschaft bricht brutal ein, und die Liquiditätsschwemmen der ZB´s generieren zwar monströse Blasen, aber KEINEN Wirtschatsaufschwung.
Und eine rein liquiditätsgetriebene Börsenhausse, bei immer schlechteren wirtschaftlichen Fundamentaldaten, steht - mit Verlaub - auf absolut tönernen Füßen...

Herr Stephan Heibel

02.02.2015, 18:35 Uhr

Den Baltic Dry Index bespreche ich in meinem Heibel-Ticker Börsenbrief Woche für Woche. Es ist tatsächlich noch immer so, das viele Schüttgut-Frachtschiffe (der Baltic Dry Index misst die Tagesraten für Schüttgut und nichts anderes) heute noch halb leer über die Weltmeere segeln. Ein Schiff zu bauen dauert viele Jahre, die Überkapazitäten abzubauen dauert noch länger. Nach einer Jahrhundert-Hausse braucht es halt ein wenig länger.

Herr Stephan Heibel

02.02.2015, 18:37 Uhr

...Zur Vorwurf, die Rallye sei "nur" liquiditätsgetrieben: Na und? Es gab noch keinen Börsenaufschwung, der auf einer gesunden Wirtschaft fußte. Im Gegenteil, die Börse haussierte immer zuerst, dann gesundete langsam die Wirtschaft. Ob durch einen Verband wir der Liquiditätsflutung, oder ob durch eine OP wie harte Umstrukturierungen ist da nur sekundär wichtig. Ich kann die Kritik also leider nicht nachvollziehen. Gruß, Stephan Heibel

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