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18.04.2017

16:25 Uhr

Dax-Umfrage

„Die Zeit spielt gegen die Optimisten“

VonJürgen Röder

Der Dax bleibt oberhalb von 12.000 Punkten, nicht weit vom Allzeithoch entfernt. Doch die Anleger sind extrem pessimistisch und fürchten einen deutlichen Ausverkauf. Diese Diskrepanz dürfte sich bald auflösen.

Dax-Umfrage

Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

Dax-Umfrage: Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

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DüsseldorfAm vergangenen Montag wagte Börsenexperte Stephan Heibel die Vorhersage: „Ich erwarte nicht mehr, dass der Dax in den kommenden Tagen unter die Marke von 12.000 Punkten rutscht. „Und wenn ja, dann wäre es eine Kaufgelegenheit.“ Doch zu dieser Kaufgelegenheit kam es nicht, der Dax legte zwar in der vergangenen Handelswoche eine Verschnaufpause ein, blieb aber oberhalb dieser Marke.

Woche für Woche prognostiziert Heibel, wie der Dax sich in den kommenden Handelstagen entwickeln dürfte. Basis dafür ist die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2400 Anlegern. Der Inhaber des Analysehauses Animusx betrachtet die Ergebnisse der Erhebung über die aktuelle und die künftige Börsenentwicklung vor allem als Kontraindikatoren. Vereinfacht gesagt: Sind Anleger beispielsweise zu pessimistisch, ist das eher ein Indiz für bald steigende Kurse. Weil dann viele ihre Aktien bereits verkauft haben und neue Käufe schnell zu höheren Kursen führen.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Schon die kleine Verschnaufpause in der Vorwoche hat zu einem heftigen Stimmungseinbruch gesorgt. Das Minus von ein Prozent im Dax mit einem Schlussstand am Freitag bei 12.109 Punkten hat jegliche gute Laune beendet. Knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer betrachtet den deutschen Leitindex nun niedergeschlagen in einer Seitwärtsbewegung (plus sieben Prozentpunkte auf 41 Prozent gegenüber der Vorwoche) oder bereits in einem Abwärtsimpuls (plus zwölf Prozentpunkte auf 22 Prozent). 23 Prozent (minus neun Prozentpunkte) gehen von einer Topbildung aus. Damit ist die Stimmung unter den Anlegern deutlich ins Minus gerutscht.

Diesen leichten Rückschlag im Dax haben 45 Prozent (minus acht Prozentpunkte) so zum größten Teil erwartet, neun Prozent (minus drei Prozentpunkte) haben sogar darauf spekuliert. Kaum erfüllt haben sich hingegen die Erwartungen für 36 Prozent der Umfrageteilnehmer (plus elf Prozentpunkte), jeder Zehnte (unverändert) wurde sogar auf dem falschen Fuß erwischt. Die Selbstzufriedenheit der Anleger war schon vor einer Woche ins Minus gerutscht, nun zeigt der große Zuwachs derer, die ihre Erwartungen „kaum erfüllt“ sehen, weitere Kratzer am Selbstbewusstsein der Anleger.

Die offensichtliche Überraschung im Gesicht vieler Anleger passt nun nicht gerade zur ansteigenden Zuversicht: Jeder Fünfte (plus sechs Prozentpunkte) erwarten für den Dax in drei Monaten steigende Kurse. Doch nach wie vor gehen die meisten Anleger von einem Abwärtsimpuls im Dax in drei Monaten aus (plus ein Prozentpunkte auf 39 Prozent) während nur noch 28 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) eine Seitwärtsbewegung erwarten. Der Pessimismus, der in den vergangenen zwei Wochen auf Rekordniveau notierte, ist diese Woche etwas verflogen, verbleibt aber mit minus 2,2 Prozent auf einem hohen Niveau.

Weiterhin 15 Prozent der Anleger wollen in den kommenden zwei Wochen nachkaufen, 23 Prozent (plus drei Prozentpunkte) wollen verkaufen. Weiterhin zwei von drei Anlegern wollen vorerst an der Seitenlinie bleiben. Die Investitionsbereitschaft ist damit weiterhin sehr gering.

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