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11.07.2016

14:08 Uhr

Dax-Umfrage

„Ein neuer Ausverkauf ist nicht in Sicht“

VonJürgen Röder

Der deutsche Leitindex hat am Freitag eine sehenswerte Rally hingelegt. Und doch herrscht Katerstimmung unter den verunsicherten Anlegern. Was das für diese Börsenwoche bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.

Ein Aktienhändler zeigt im Handelssaal der Börse auf einen seiner Monitore. Der deutsche Leitindex konnte sich von den deutlichen Kursverlusten Anfang der vergangenen Woche wieder deutlich erholen. dpa

Börse Frankfurt

Ein Aktienhändler zeigt im Handelssaal der Börse auf einen seiner Monitore. Der deutsche Leitindex konnte sich von den deutlichen Kursverlusten Anfang der vergangenen Woche wieder deutlich erholen.

DüsseldorfDie heftigen Turbulenzen hinterlassen Spuren bei der Stimmung unter den Anlegern. Die Panik von vor zwei Wochen wurde zu einem neutralen Abwarten in der Vorwoche. Laut der aktuellen Umfrage steigen bei den Umfrageteilnehmern trotz der zum Ende der Woche deutlich gestiegenen Kurse Katerstimmung, Niedergeschlagenheit und Verunsicherung wieder an.

Das lässt sich aus dem Handelsblatt-Dax-Sentiment ablesen, einer wöchentlichen Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern. Die Erhebung wird vom Börsenexperten Stephan Heibel ausgewertet und interpretiert. Für ihn ist das aktuelle Sentiment nach wie vor negativ und bietet daher wenig Anlass für einen heftigen Ausverkauf. Denn die Stimmung zur aktuellen Börsensituation ist in vielen Fällen ein Kontraindikator.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

„Im Sinne der Sentimentanalyse ist überschäumender Optimismus erst dann zu sehen, wenn alle Anleger investiert sind und somit nicht mehr als Käufer zur Verfügung stehen, fallende Kurse sind die Folge“ erläutert Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Umgekehrt diene Pessimismus als Indikator dafür, dass viele bereits verkauft haben und somit nicht mehr durch weitere Verkäufe die Kurse weiter in die Tiefe treiben können.

Ein Wendepunkt finde häufig bei extrem niedrigem Handelsvolumen (fehlendes Interesse, kaum jemand glaubt an die Wende) oder bei extrem hohem Handelsvolumen (Panikverkauf) statt. Das beste Beispiel dafür war der Oktober 2014, als laut der damaligen Handelsblatt-Umfrage Panik unter den Anlegern herrschte, der Dax auf fast 8.300 Zähler fiel und danach eine erneute Rally eingeleitet wurde. „Der Großteil der Korrektur liegt hinter uns“, schrieb damals Heibel.

„Diesmal würde ich auf extrem niedriges Handelsvolumen achten“, meint der Animusx-Inhaber. Denn das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Handeln möchten vorerst nur wenige. Nur 27 Prozent wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien kaufen, elf Prozent (unverändert) wollen verkaufen. Die meisten warten vorerst ab – plus drei Prozentpunkte auf 62 Prozent. Diese Zurückhaltung passe zum aktuell niedrigen Handelsvolumen. „Kaum jemand möchte auf dem niedrigen Kursniveau noch Aktien verkaufen, doch auch für beherzte Käufe ist die Situation noch zu unsicher“, erläutert der Sentimentexperte.

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