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19.10.2015

15:48 Uhr

Dax-Umfrage

Eine holprige Rally

VonJessica Schwarzer

Die gute Nachricht: Sie kommt, die ersehnte Jahresendrally an den Märkten. Die schlechte Nachricht: Sie wird ganz schön holperig werden. Warum das so ist, womit Anleger rechnen müssen und wie sich aufstellen sollten.

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Getty Images

Dax-Umfrage

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern.

DüsseldorfAlle Jahre wieder wird pünktlich zum Start des vierten Quartals orakelt, ob es denn nun in diesem speziellen Jahr eine Jahresendrally geben wird und warum. Was spricht für und was gegen einen Spurt zum Jahresende? Und wie heftig wird er ausfallen.

Experten wiegen noch die Argumente ab. Die Teilnehmer der wöchentlichen Dax-Umfrage haben sie bereits entschieden. Zwar haben sich die kurzfristigen Stimmungsindikatoren abgekühlt, auch die Investitionsbereitschaft verharrt auf einem mittleren Niveau. Doch die Zuversicht über die Entwicklung in drei Monaten bleibt unverändert auf einem hohen Niveau.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Die Mehrzahl der Anleger, nämlich 43 Prozent der Umfrageteilnehmer, ist auch weiterhin überzeugt, dass die Kurse in den kommenden drei Monaten steigen werden. Wer nicht optimistisch ist, der ist zumindest neutral gestimmt, denn 26 Prozent (plus drei Prozent) erwarten eine Seitwärtsbewegung. Einen Abwärtsimpuls fürchten nur noch zwölf Prozent.

„Es ist diese Zuversicht, vor der ich seit Wochen warne“, sagt Stephan Heibel vom Analysehaus AnimusX, der regelmäßig die wöchentliche Dax-Umfrage des Handelsblatts zur Stimmung unter den Anleger auswertet. „Diese hohe Zuversicht hat bislang noch verhindert, dass die seit diesem Frühjahr andauernde Korrektur durch einen finalen Ausverkauf, verbunden mit Angst und Panik, beendet wird.“

Natürlich kann eine Korrektur auch ohne diesen finalen Ausverkauf enden. „Doch das Ende wird dann nicht so plötzlich auftreten und die beginnende Rally wird dann, wie in der abgelaufenen Woche erlebt, von vielen Rücksetzern begleitet sein“, so Heibel.

Derzeit mehren sich die Anzeichen, die Europäische Zentralbank (EZB) könne schon bald ihre Liquiditätsschwemme nochmals ausweiten, denn die Konjunktur kommt nicht so richtig in Schwung. „Davon würde natürlich die Aktienbörse am meisten profitieren, daher ist das Szenario des langsamen Endes der Korrekturphase durchaus wahrscheinlich“, analysiert der Sentiment-Experte.

In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“, so Heibel. Der Rücksetzer sollte sich aber in Grenzen halten, bis auf 10.000 Punkte könnte es aber gehen, bevor Investoren wieder zugreifen und ihre Positionen für die mehrheitlich erwartete Jahresendrally aufstocken.

Die großen Vermögensverwalter sind laut Robert Halver, Kapitalmarktstrategie der Baader Bank, bereits dabei, die Finanzmärkte neu einzuschätzen. „Die Geldpolitik wird der Weltwirtschaft keine Schmerzen zufügen, sondern Antibiotikum einflößen“, ist der Experte überzeugt. „Die Anleger nehmen zur Kenntnis, dass China über ein großes Feuerwerk an Konjunkturprogrammen zukünftig alles, wirklich alles dafür tut, dass der Drache wieder faucht. Die chinesische Notenbank stellt hierfür den nötigen Brennstoff bereit.“ Dazu passt, dass sich die Märkte laut der Commerzbank auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche weitere Lockerungssignale erhoffen. „Die jüngste Stärke des Euro hat sogar Zinssenkungsspekulationen aufkommen lassen“, so Chefvolkswirt Jörg Krämer.

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