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22.02.2016

15:51 Uhr

Dax-Umfrage

„Kein Grund, überstürzt Aktien zu kaufen“

VonJürgen Röder

Der Dax notiert derzeit fast zehn Prozent über seinem bisherigen Jahrestief aus der vergangenen Woche. Eine exklusive Analyse zeigt, wie Anleger sich nun nach dieser heftigen Rally verhalten sollten.

Bulle und Schweine aus Plastik stehen auf einem Schreibtisch im Handelssaal der Frankfurt Börse. Derzeit hat der Bulle als Symbol für steigende Kurse die Oberhand am Aktienmarkt, doch es wird in der nächsten Zeit wieder zu Rückschlägen kommen. Reuters

Börse Frankfurt

Bulle und Schweine aus Plastik stehen auf einem Schreibtisch im Handelssaal der Frankfurt Börse. Derzeit hat der Bulle als Symbol für steigende Kurse die Oberhand am Aktienmarkt, doch es wird in der nächsten Zeit wieder zu Rückschlägen kommen.

DüsseldorfBereits am vergangenen Montag, als der Dax bei rund 9100 Punkten notierte, gab es nach der Auswertung des Dax-Sentiments Indizien für weiter steigende Kurse. „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“, lautete der Ratschlag des Börsenexperten Stephan Heibel. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Das brauchten Anleger aber nicht, denn der deutsche Leitindex legte in der vergangenen Woche um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Am heutigen Vormittag steht er fast zehn Prozent über seinem bisherigen Baisse-Tief vom Donnerstag vor einer Woche bei rund 8700 Punkten.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Doch bei den Anlegern herrscht noch immer keine Einigkeit darüber, ob die brutale Baisse, die viele zum Jahresbeginn reihenweise auf dem falschen Fuß erwischte, nun vorüber ist. Viele glauben, dass wir in den vergangenen Tagen lediglich eine heftige Gegenbewegung gesehen haben.

Das zeigt die aktuelle Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Das Abstimmungsverhalten wird wöchentlich vom Sentimentexperten Stephan Heibel ausgewertet und interpretiert.

Die neuen Ergebnisse zeigen: Das Lager derer, die in der aktuellen Entwicklung einen Abwärtsimpuls sehen, schrumpfte diese Woche um 37 Prozentpunkte auf 30 Prozent – angesichts der positiven Entwicklung ein normaler Vorgang. Viele Anleger gehen nun von einer Seitwärtsbewegung aus – plus 19 Prozentpunkte mehr gegenüber der Vorwoche auf 24 Prozent.

Mit 19 Prozent glauben einige bereits wieder an den Beginn eines neuen Aufwärtsimpulses. Mehr als jeder Fünfte betrachtet die Entwicklung als Bodenbildung. Doch bemerkenswert ist trotz des heftigen Stimmungsumschwungs ein anderer Aspekt: Mit 30 Prozent sieht die größte Gruppe den Dax immer noch in einem Abwärtsimpuls.

„Von der extremen Niedergeschlagenheit, die über mehrere Wochen herrschte, erfolgte nun aufgrund der Dax-Rally ein gigantischer Stimmungssprung“, stellt Heibel fest. Doch sei die Stimmung im Vergleich zu den mehrjährigen Umfrageergebnissen noch immer unterdurchschnittlich, von Euphorie sogar weit entfernt. Denn Euphorie ist ein Kontraindikator. Sind die Anleger zu euphorisch, gilt das als Indiz für künftig fallende Kurse, weil viele von ihnen bereits investiert sind. Als Käufer fallen diese dann, wenn wie Kurse plötzlich ins Rutschen kommen, aus.  

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