Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.08.2015

14:39 Uhr

Dax-Umfrage

Langsam bröckelt die Zuversicht

VonJürgen Röder

Chaos und Kapitulation regierten vor einer Woche die Börsen - doch Anleger glaubten weiter fest an steigende Kurse. Die Lage hat sich nun geändert. Was das für die Börsen bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

Dax-Anleger brauchen Geduld

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

DüsseldorfAm Montag vor einer Woche war Chaos bis hin zur Kapitulation an den Börsen weltweit zu sehen. Dennoch blieb die mittelfristige Zuversicht der Anleger auf einem hohen Niveau. Ein großer Teil glaubte unbeirrt an wieder steigende Kurse in den kommenden drei Monaten. „Panik sieht anders aus“, beschrieb Börsenexperte Stephan Heibel die Stimmung unter den Anlegern - ganz im Gegensatz zum panikartigen Verkauf an der Börse.

Aus Sentimentsicht ist diese hohe Zuversicht ein Kontraindikator. Erst wenn diese deutlich schwindet, ist die Grundlage für einen nachhaltigen Kursanstieg gegeben - weil, vereinfacht gesagt, erst nach Panik bzw. geringer Zuversicht genügend Anleger ihr Papiere verkauft haben, damit bereits wenige neue Käufer die Kurse wieder steigen lassen können. Auch die Sentiment-Sonderumfrage Mitte vergangener Woche ergab keine neuen Erkenntnisse. Im Gegenteil: Nach der Kurserholung stieg die Zuversicht sogar wieder an.

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Grundlage für derartige Einschätzungen ist die wöchentliche Umfrage Dax-Sentiment auf Handelsblatt Online unter mehr als 2300 Anlegern. Diese Umfrage ermittelt die Börsenstimmung, also ob Anleger euphorisch oder pessimistisch eingestellt sind. Dies sind oft Kontraindikatoren. Daraus leitet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, Prognosen ab, wie sich der Dax entwickeln könnte. Prognosen der Vergangenheit, die bislang eine sehr hohe Trefferquote haben, finden Sie unter Vergleich Dax-Sentiment und Indexentwicklung.

Wie sieht die aktuelle Börsenstimmung aus? Laut der neuesten Umfrage erwarten nur noch 40 Prozent der Anleger mittelfristig steigende Kurse – zwei Prozentpunkte weniger als vor einer Woche. Und die Zahl derer, die in drei Monaten einen Abwärtsimpuls fürchten, ist um drei Prozentpunkte auf 18 Prozent gestiegen. „Das ist eine kleine, aber deutlich sichtbare Eintrübung der Erwartungen für die künftige Entwicklung an den Aktienmärkten“, meint Heibel und fügt erleichtert hinzu: „Endlich!“

Der rückläufige Optimismus zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft der Anleger. 56 Prozent der Anleger wissen noch nicht, ob sie kaufen oder verkaufen wollen – sieben Prozentpunkte mehr gegenüber der Vorwoche. Immerhin wollen 28 Prozent (minus vier Prozentpunkte) kaufen und nur 16 Prozent verkaufen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

31.08.2015, 19:53 Uhr

Die angst der Spekulanten
----------------------
Sie haben in den Panikmodus geschaltet.
Nachts wachen sie schweißgebadet auf, haben Schnappatmung und sind nahe an einem Herzkasper.
Hier muss schnellstens ein "Rettungsschirm aufgespannt werden. Das "Steuervieh" muss uns retten! Es kann/darf doch nicht sein, dass wir Verluste schreiben. Wo bleibt die "Solidarität"?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×