Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.11.2015

15:37 Uhr

Dax-Umfrage

„Noch ist keine Trendwende erkennbar“

VonJürgen Röder

Die Rally läuft und läuft. Jeder Rücksetzer wird von den Anlegern als Kaufgelegenheit wahrgenommen. Doch bereits diese Handelswoche ist anfällig für plötzliche Enttäuschungen, zeigt eine exklusive Analyse.

Die große Dax-Anzeigetafel im Frankfurter Börsensaal: Aktuell sehen Anleger jeden Kursrückgang als Einstiegschance, die Rally ist noch ungefährdet. dpa

Dax-Kurve

Die große Dax-Anzeigetafel im Frankfurter Börsensaal: Aktuell sehen Anleger jeden Kursrückgang als Einstiegschance, die Rally ist noch ungefährdet.

Düsseldorf.Genau vor einer Woche hatte Börsenexperte Stephan Heibel in seiner Auswertung der Handelsblatt-Dax-Umfrage eher fallende Kurse erwartet, gleichzeitig aber angesichts der Hochstimmung der Anleger gesagt: „Die Euphorie wird zu einer Korrektur führen, die früh gekauft wird“.

Die Kurse fielen über die gesamte Woche gesehen nicht, die Korrektur kam aber schnell. Nach dem Abschuss eines russischen Kampffliegers durch die Türkei kam es am Dienstag vergangener Woche tatsächlich zu einem kleinen, kurzen Rücksetzer. Das deutsche Börsenbarometer verlor mehr als 200 Punkte und fiel kurzzeitig unter die Marke von 10.900 Zählern. Diesen Verlust holte der Dax jedoch schnell auf und beendete die Handelswoche mit einem Plus von 1,6 Prozent bei 11.294 Punkten.

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

„An den Aktienmärkten sorgte diese überraschend positive Kehrtwende für Jubelstimmung“, meint Heibel vom Analysehaus AnimusX, der regelmäßig die wöchentliche Dax-Umfrage des Handelsblatts zur Stimmung unter den Anleger auswertet. Die aktuelle Umfrage unter mehr als 2.300 Anlegern zeigt: Mit einem Wert von sechs Prozent hat das kurzfristige Stimmungs-Barometer einen neuen Höchststand erreicht.

Denn 82 Prozent der Teilnehmer sehen in der aktuellen Dax-Bewegung einen Aufwärtsimpuls oder eine so genannte Topbildung. Wer sich von der Euphorie noch nicht hat anstecken lassen, weilt im Lager der Neutralen, das mit einem Anteil von 15 Prozent gegenüber der Vorwoche fünf Prozentpunkte verloren hat. Schlechte Laune hat keiner mehr – einen Abwärtstrend sieht keiner der Befragten.

Nachdem in der Vorwoche die Euphorie bereits auf Rekordniveau notierte, fühlen sich diese Woche die meisten der Anleger auch in ihrer positiven Markteinschätzung bestätigt. 77 Prozent und damit weitere sieben Prozentpunkte mehr geben an, die Dax-Entwicklung so oder so ähnlich erwartet zu haben. Noch nicht einmal jeder vierte Umfrageteilnehmer sieht seine Erwartungen kaum oder gar nicht erfüllt.

Nachdenklich macht Heibel allerdings die schwindende Zuversicht. Nur gut jeder Fünfte erwartet beim Dax in drei Monaten steigende Kurse, nur noch 31 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau aus. Jeweils 23 Prozent hingegen fürchten eine Topbildung oder gar einen Abwärtsimpuls. „Diese Zuversicht ist damit auf das niedrigste Niveau seit Frühjahr 2015 gerutscht, als der Dax seine Sommerkorrektur startete", sagt Heibel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×