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15.08.2016

08:43 Uhr

Dax und Niedrigzinsen

„Der Markt ist kein DJ“

VonJessica Schwarzer

Börsensignale sind wie Musik: Wer auf dem Parkett erfolgreich sein will, muss den Rhythmus erkennen, so eine Weisheit. Doch welcher Hit wird gerade gespielt? Experten fahren ihre Antennen aus und wagen einen Ausblick.

Dax startet durch

Jessica Schwarzer: „Solch ein Jahreshoch ist kaum von Bedeutung“

Dax startet durch: Jessica Schwarzer: „Solch ein Jahreshoch ist kaum von Bedeutung“

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DüsseldorfZwei Schritte vor, zwei Schritte zurück – so recht kam der Dax in den vergangenen Monaten nicht vom Fleck. Auch wenn es einige heftiger Turbulenzen gab und die Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn und das „Ja“ der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union Ende Juni für teils heftige Kursrückgänge sorgten, folgte die Erholung doch schnell. Mittlerweile notiert der deutsche Aktienindex (Dax) sogar zeitweise über dem Jahresanfangsstand von 10.743 Punkten.

Im wilden Hin und Her an den Märkten hätten Anleger in den vergangenen Monaten viel Geld verdienen können. Nicht umsonst lautet eine alte Börsenweisheit: Börsensignale sind wie Musik, man benötigt eine Antenne, um sie zu empfangen und um dann den Rhythmus zu erkennen. Experten nehmen diese Musik und den Rhythmus sehr wohl war. „Börsensignale sind ein Feld, dem sich die technische Analyse widmet. Sie ist eine Möglichkeit, den Aktienmarkt zu interpretieren“ sagt beispielsweise Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity. „Möglicherweise stimmt die Börsenweisheit auch für die eher kurzfristige – durch Makroereignisse beeinflusste – Marktstimmung.“

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Auch Christoph Bruns, Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys, kann dieser Börsenweisheit einiges abgewinnen, schließlich impliziere sie doch, „dass Investment mehr als nur Handwerk ist, nämlich zu einem guten Teil Kunst“. Die Musik sei ohne Zweifel Kunst und ihr Rhythmus von einiger Bedeutung. Gerade in den Jahren nach der Finanzkrise sei die alte Börsenweisheit aktueller denn je, „weil die Finanzmärkte einen grundlegenden Rhythmuswechsel erfahren haben“. Allerdings fehle vielen Anlegern, institutionellen wie privaten, die richtige Antenne für diese großen Veränderungen.

Diese Meinung teilt Anja Welz, Vorstand der Laureus Privat Finanz. „Oftmals könnte man meinen, dass bereits leicht rockige Klänge als Death Metal interpretiert werden“, sagt sie mit Blick auf das Marktgeschehen der vergangenen Wochen und Monate. Hinzu komme, dass sich die Musikstile an der Börse auch ständig ändern würden. „Der Dauerbrenner ‚Riders on the storm‘ wurde Mitte Juni von ‚Should I stay or should I go now?‘ abgelöst und ehe man sich versieht läuft schon wieder ‚No Limit‘“, so Welz. „Mit solchen Stilbrüchen ist der Markt sicherlich kein DJ,  den man sich für seine Party wünscht.“

Doch wer auf die Musik hört und ständig versucht, den Rhythmus zu erkennen und ihn schon im Voraus zu fühlen, neigt zu übereilten Anlageentscheidungen. „Je öfter man auf das Portfolio schaut, desto öfter führt man Veränderungen durch, die gerade in volatilen Zeiten durch emotionale Entscheidungen geprägt sind – oftmals sind das die falschen“, sagt Volker Engelbert, Geschäftsführender Gesellschafter und Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter Lingohr & Partner. „Daher raten wir, die Musik, wenn es um den Markt geht, abzuschalten und die Antenne abzubauen“, so Engelbert. Übersetzt heißt das: Der Lingohr-Experte kann dieser Börsenweisehit nicht viel abgewinnen.

Ebenso wie Christian W. Röhl. Der Börsenexperte und Gründer der Internetplattform Dividenden-Adel hält von dem musikalischen Sprüchlein herzlich wenig, „denn weder gibt es an der Börse Signale noch braucht man eine Antenne“. Er ist überzeugt: „Der gesunde Menschenverstand und ein bisschen finanzielle Bildung reichen völlig aus.“ Viele Privatanleger tun sich aber im aktuellen Marktumfeld schwer. Nach den starken Kursanstiegen in den vergangenen Tagen könnte es jederzeit zu Gewinnmitnahmen, auch wenn die Stimmung sich insgesamt aufgehellt hat. Doch im Jahresverlauf stehen noch weitere wichtige Themen mit einigem Konfliktpotenzial an, darunter die Präsidentschaftswahlen in den USA, eine neu aufflammende Bankenkrise, Terrorgefahr, die weitere Geldpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks, neue und alte Krisenherde wie etwa die Ukraine und Russland oder aber Syrien. Diese Risikofaktoren können die Märkte kurzfristig immer wieder zurückwerfen.

Kommentare (4)

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Baron v. Fink

15.08.2016, 09:12 Uhr

Als einzig lebende Börsen-Legende sage ich "Börsensignale sind wie Musik"
ist unsinnig, dass wichtige sind die Dividenden, denn das hat die Finken reich gemach. Schiff-Aktien, natürlich von den Bermudas, sind der Renner und auch die ein oder andere Oase wie Monaco. Hauptsache fern von den Staats-Räten und Genossen und ihren unverschämt hohen Steuern. Ca 26% in Deutschland und anderen sozialistischen Ungeheuern haben schon manchen Aktionär aus dem Fenster springen lassen. Also gesund bleiben und kein Geld für die EU-Funktionäre.

Account gelöscht!

15.08.2016, 10:15 Uhr

Liebste Jessica, wer an der Börse erfolgreich sein Geld für sich arbeiten lassen will, setzt beim investieren nicht auf kurzfristige Modetrends und betreibt damit Spekulation oder Zockerei. Die Geldanlage in Aktien ist ein Marathonlauf über Jahre und kein kurzfristiger Sprint über Tage oder Monate.

M.E. sind Dividenden das Hauptkriterium für den langfristigen und seriösen Aktienanleger. Evtl. Kursgewinne nur ein zusätzliches Bonbon.

Frau Lana Ebsel

15.08.2016, 11:38 Uhr

Letztendlich wird der DJ gewinnen, der den Zeitpunkt zum rechtzeitigen Ausstieg zufällig gerade erwischt. Die Börse ist doch nur noch eine Notanlage nach dem Motto es wird schon gutgehen.

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