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07.01.2016

19:17 Uhr

Deka-Chefvolkswirt zum China-Crash

Günstige Bewertungen – hohe Risiken

Das Jahr beginnt für die chinesischen Finanzmärkte mit einem Fiasko. Tiefrote Kurse, Tag für Tag. Chinesische Aktien sind nun im weltweiten Vergleich ziemlich billig geworden. Aber sind sie auch ein Kauf?

Der Chefvolkswirt der Deka-Bank sieht Chinas wirtschaftliche Strukturschwäche als Krisenursache. IMAGO

Ulrich Kater

Der Chefvolkswirt der Deka-Bank sieht Chinas wirtschaftliche Strukturschwäche als Krisenursache.

Schlechte Daten aus der chinesischen Industrie lassen die ohnehin gebeutelten chinesischen Aktienmärkte weiter abstürzen, da helfen auch keine Handelsunterbrechungen. Chinesische Aktien sind nun im weltweiten Vergleich ziemlich billig geworden. Hierin spiegeln sich zum einen Zweifel an der chinesischen Wirtschaft wider. Zum anderen sind sie auch Ausdruck von Verunsicherungen über die Verlässlichkeit der chinesischen Politik an einem Aktienmarkt, von dem man nicht weiß, welche staatlichen Kräfte im Spiel sind und wo die Verkaufsmöglichkeiten stets durch die Marktschließung bedroht sind, wenn die Handelsentwicklung den Behörden nicht in den Kram passt.

Der realwirtschaftliche Hintergrund ist spätestens seit dem letzten Jahr klar an die Datenoberfläche getreten: Es sind nicht nur konjunkturelle, sondern strukturelle und damit längerfristige Ursachen, die das weltweite Wachstum in den kommenden Jahren geringer ausfallen und die gerade die chinesische Volkswirtschaft empfindlich treffen. Wir erleben gerade den Abschluss einer Entwicklungsphase der Weltwirtschaft. Diese hatte vor 40 Jahren mit der Senkung der weltweiten Transport- und Kommunikationskosten sowie Handelsschranken und der gleichzeitigen Öffnung von Schwellenländern für die wirtschaftliche Entwicklung begonnen, allen voran in China. Dieser Vorgang wurde unter dem Begriff der modernen wirtschaftlichen Globalisierung bekannt.

Das bedeutete eine gigantische Neuausrichtung der weltweiten Produktionsstruktur. Länder wie China nutzten ihre komparativen Vorteile, die insbesondere bei der Produktion einfacher Güter lagen. Dadurch nahm China den klassischen Entwicklungsweg über die Entwicklung des Industriesektors. Seit 1990 kamen über 400 Millionen Menschen vom Land und von der Landwirtschaft in die Städte und in die Industrie. Diese Phase ermöglichte zeitweilig zweistellige Wachstumsraten – und erzwang umgekehrt Strukturanpassungen im Westen. Es wurden die weltweiten Produktionsketten gelegt, die wir heute kennen: Vom „Made in Germany“ zum „Made in the World“.

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Diese Phase neigt sich bereits seit einigen Jahren dem Ende entgegen. Die Welt hat jetzt eine neue Produktionsstruktur. Kennzeichen dieser Zäsur ist etwa auch, dass der Welthandel nicht mehr wächst. Ohne Weiterentwicklung und eigene binnenwirtschaftliche Impulse würde China nur noch mit dem Tempo wachsen, in dem die weltweite Nachfrage nach einfachen Industriegütern zunimmt. Die Schwäche der Weltwirtschaft, die auch in diesem Jahr anhalten wird, ist eine Schwäche der chinesischen Wirtschaft und einiger anderer Schwellenländer.

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