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30.01.2013

13:21 Uhr

Depot-Contest

Auf Nummer sicher gehen, aber wie?

VonJessica Schwarzer

Sicherheit und Rendite, das schließt sich mittlerweile fast aus. Trotzdem meiden die Deutschen jegliches Risiko – aus Angst, sie könnten Geld verlieren. Wie Vermögensverwalter dieses Rendite-Dilemma lösen.

Eine Tresortür: Sicherheit in der Geldanlage wird heute anders definiert als vor einigen Jahren. dpa

Eine Tresortür: Sicherheit in der Geldanlage wird heute anders definiert als vor einigen Jahren.

DüsseldorfRisiko, das klingt nach Gefahr, selten nach Chancen. An der Börse sind Chancen und Risiko aber eng miteinander verbunden. Sicherheit und Rendite, das schließt sich mittlerweile fast aus. „Wer sicher anlegen will, sollte nicht zu viel erwarten“, sagt Thomas Retzlaff von Hallertauer Vermögensmanagement. Trotzdem wollen die Deutschen lieber auf Nummer sicher gehen. Aus Angst, sie könnten Geld verlieren, meiden sie jedes Risiko.

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld macht das den Job von Vermögensverwaltern nicht gerade einfacher. Sicherheitsorientiert – also konservativ – anzulegen, das funktioniert heute anders als noch vor ein paar Jahren. Wie, das demonstriert die Zunft beim Depot-Contest der DAB Bank. Insgesamt 32 Vermögensverwalter treten seit Jahresanfang in den Kategorien „Sicherheit“, „Ausgewogen“ und „Chance“ gegeneinander an.  An den Start gingen sie mit einer Million Euro Spielgeld, das es zu mehren gilt.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Wie „Sicherheit“ bei der Geldanlage heute definiert wird, zeigt der Blick in die Depots. Galten früher Staatsanleihen als solides Fundament eines jeden Depots, sind sie heute kaum noch in den Portfolios zu finden. „Sicherheit gleich Staatsanleihen, diese Gleichung geht nicht mehr auf“, sagt Burkhard Wagner von Partners Vermögensmanagement. „Die Basis eines sicherheitsorientieren Depots sind heute Unternehmensanleihen guter Bonität und immer weniger Staatsanleihen.“

Vor allem die Bonds der europäischen Schuldenstaaten werden gemieden. Doch auch Staatsanleihen, von Ländern mit guten oder sehr guten Ratings, sind aus den Depots mehr oder weniger verschwunden. „Wenn Sie die Kaufkraft erhalten wollen, dann geht das mit Anleihen solider Schuldner nicht mehr“, ergänzt Retzlaff.

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Das Gütezeichen „AAA“ hat also ausgedient, zumindest wenn es gilt, wenigstens die Inflation auszugleichen. Dabei fallen den meisten Anlegern doch beim Stichwort „sicher“ sofort Bundesanleihen ein. Die bringen allerdings so gut wie keine Rendite mehr. Schlimmer noch, der Realzins liegt sogar im negativen Bereich. Bei Schweizer Staatsanleihen oder US-Treasuries sieht es nicht besser aus. „Deshalb meiden wir auch Staatsanleihen aus den OECD-Anleihen“, sagt Stefan Grommer von der Münchener Vermögensverwaltung Plückthun Asset Management. „Stattdessen investieren wir lieber in Anleihen aus den aufstrebenden Schwellenländern.“

Kommentare (1)

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Numismatiker

30.01.2013, 14:00 Uhr

"Das Gütezeichen „AAA“ hat also ausgedient, zumindest wenn es gilt, wenigstens die Inflation auszugleichen."

Das Gütesiegel AAA hat auch sonst ausgedient, denn es wird willkürlich und nicht nachvollziehbar vergeben. Und aus AAA wird schnell B-, unabhängig davon, ob die EU versucht, die Ratingagenturen bei ihrer Arbeit zu behindern.

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