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28.10.2013

12:43 Uhr

Depot-Contest

Der Favoritenwechsel läuft

VonJessica Schwarzer

Vermögensverwalter erwarten, dass Anleger in den kommenden Monaten verstärkt auf europäische und weniger auf amerikanische Aktien setzen werden. Was für Europa und gegen die USA spricht.

Die Flaggen der USA und der EU: An der Börse kommt es zum Favoritenwechsel. dpa

Die Flaggen der USA und der EU: An der Börse kommt es zum Favoritenwechsel.

DüsseldorfNach dem US-Haushaltsstreit ist vor dem US-Haushaltsstreit und auch die staatliche Schuldengrenze wird schon bald das nächste Mal erreicht sein. Denn die Politiker in Washington haben die Probleme bekanntlich nur aufgeschoben, aber keinesfalls aufgehoben. Investoren stehen also früher oder später wieder vor der Entscheidung: Ignorieren oder Reagieren?

Das Drama in den ersten beiden Oktoberwochen hatte Anleger relativ kalt gelassen, die Ausschläge an den Kapitalmärkten waren gering. Doch das muss bei einer Neuauflage des Streits zwischen Demokraten und Republikanern nicht so bleiben. Stephan Albrech ist überzeugt: „Die erneute Debatte im Januar und Februar wird die Schwankungsbreite an den Märkten zeitweise wieder vergrößern“, sagt der Chef der Albrech & Cie. Für Gottfried Urban von Neue Vermögen ist die Haushaltskrise allerdings eine „politisch motivierte Krise und die haben bekanntlich kurze Beine“.

Ist es angesichts der dauernden Streitereien über den Haushalt und die immensen Schuldenberge der USA an der Zeit, die Favoriten zu wechseln? In diesem Jahr gehörten amerikanischen Aktien zu den Lieblingen vieler Experten. Auch die Kursentwicklung kann sich sehen lassen: Der Standardwerte-Index hat seit Anfang Januar – wie auch der Deutsche Aktienindex – mehr als 15 Prozent zugelegt, der breiter gefasste S&P 500 hat sich nur unwesentlich schwächer entwickelt. Trotzdem könnten Anleger den USA den Rücken kehren. „Der Favoritenwechsel läuft“, ist Gottfried Urban überzeugt.

Die aktuelle Situation sei für Geldverwalter so undankbar wie selten. „Wo ist der nächste schwarze Schwan“, fragt Urban. „Das Undenkbare, die Zahlungsunfähigkeit der USA wäre ein solcher Schwarzer Schwan.“ Aber anders als zum Beispiel Griechenland würden die USA bei politischer Genehmigung von neuen Krediten nahezu unbegrenzt weiter Schulden machen können. „Einen neuen schwarzen Schwan, ähnlich Lehman wird es nicht geben können und dürfen, da eine USA anders als Lehmann nicht pleitegehen kann.“

Trotzdem sei ihm ein Aktienportfolio mit unterbewerteten europäischen Titeln lieber als ein vermeintlich sicheres Zinspapier. „Eigentlich müsste man Vollgas in Aktien Europa investiert sein“, sagt er. Auch wenn die USA aufgrund der wohl über Jahre billigeren Energiekosten möglicherweise einen internationalen Wettbewerbsvorteil bekommen sollten, mache Europa aktuell die nachhaltigere Geldpolitik und werde in den kommenden zwölf Monaten wohl besser laufen.

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