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27.05.2015

08:10 Uhr

Depot-Contest

„Die Hausse in Japan geht weiter“

VonSara Zinnecker

Seit gut zwei Jahren pumpt Japans Premier Abe billiges Geld in den Markt. Mit Erfolg. Preise und Konjunktur ziehen an. Auch der Aktienmarkt erreicht einen Rekord nach dem anderen. Wo Vermögensverwalter jetzt investieren.

Der Nikkei ist im Aufwind. ap

Börsianer in Tokio

Der Nikkei ist im Aufwind.

DüsseldorfViele Investoren hierzulande dürften sich dessen kaum bewusst sein: Doch der japanische Aktienmarkt ist – ähnlich wie in Europa und in den USA – im Aufwind. Nach einer dreiwöchigen Durststrecke, hat der Nikkei wieder zum Spurt angesetzt und steht mit fast 20.500 Punkten so hoch wie seit 15 Jahren nicht. Gerade tourt der größte japanische Asset Manager des Landes, Sumi Trust, durch Europa – auf der Suche nach institutionellen Investoren für die eigenen japanischen Aktienfonds. Der Zeitpunkt dürfte nicht zufällig gewählt sein.

Auch die Teilnehmer des Depot-Contest der Münchner DAB Bank sind sich der wachsenden Chancen auf dem japanischen Börsenparkett bewusst. Gleich drei haben in ihrem Chancendepot japanische Aktienfonds aufgenommen. ICFB Investment Consulting und SX Capital halten den iShares MSCI Japan Euro Hedged ETF, Plückthun Asset Management den Aberdeen Global Japanese Equity. Die Vermögensverwalter sind überzeugt, dass der Aktienmarkt weiter anzieht – auch, aber nicht nur durch die ultralockere Geldpolitik, die Premier Shinzo Abe seit gut zwei Jahren kompromisslos betreibt.

Die drei Säulen der Abenomics

Säule 1: Geldpolitik (1)

Die Bank of Japan folgt dem Beispiel der Federal Reserve. Mit einem sogenannten „Quantitative Easing“ will die BoJ mittels Anleihenkäufen 80 Billionen Yen beziehungsweise 673 Milliarden Dollar pro Jahr in die Märkte pumpen. Ziel der Anleihenkäufe ist es, die Inflationsrate mittelfristig auf die als stabil geltende Zwei-Prozent-Marke zu treiben.

Geldpolitik (2)

Die Maßnahmen wirken sich auf die Teuerung aus, allerdings nur mit Verzögerungen. Jüngst erst musste Japans Regierung unter Shinzo Abe ihr Inflationsziel von zwei Prozent auf die erste Hälfte des Haushaltsjahres 2016/2017 verschieben. „Ausschlaggebend wird sein, ob die Erhöhung der Löhne den privaten Konsum antreiben kann und damit die Preise erhöht“, erklärt Daiju Aoki von der Schweizer Grioßbank UBS. „Wir sehen bisher eine klare Kluft zwischen dem optimistischen Ausblick der BoJ und den aktuellen Preisen.“

Säule 2: Fiskalische Maßnahmen (1)

Die Bank of Japan nimmt im Unterschied zur EZB und der Fed direkten Einfluss auf die öffentlichen Ausgaben. Mit kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen werden Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel der Bau von Brücken, Tunneln und erdbebensicheren Straßen unterstützt. An den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand in Höhe von 20,2 Billionen Yen beziehungsweise 210 Milliarden Dollar beteiligt sich die japanische Notenbank mit rund 10,3 Billionen Yen.

Fiskalische Maßnahmen (2)

Die Ausgaben sollen das Bruttoinlandsprodukt Japans 2015 auf 2,0 Prozent anheben. Allerdings wurde auch diese Prognose nach unten korrigiert. Ursprünglich ist die japanische Regierung von einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent ausgegangen. Die fiskalischen Maßnahmen sollen außerdem auf dem Arbeitsmarkt für frischen Wind sorgen. Schätzungen der Notenbank zufolge sollen die direkten Investitionshilfen mittelfristig circa 600.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Säule 3: Strukturreformen (1)

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe setzt sich für eine Liberalisierung der Märkte ein. Dafür wurden die Besteuerung der Unternehmen und die Regulierungen gesenkt. Um die geringen Einnahmen zu kompensieren und die Staatsverschuldung zu reduzieren, soll allerdings die Mehrwertsteuer von fünf auf zehn erhöht werden. Unklar ist, wie sich diese Erhöhung langfristig auf das Konsumverhalten der Japaner auswirken wird. Kurzfristig hatte die Anpassung auf acht Prozent die Konsumausgaben spürbar gesenkt.

Strukturreform (2)

Darüber hinaus soll es künftig flexiblere Beschäftigungsmodelle geben. Unter anderem verspricht sich die Regierung, so auch die Erwerbsquote der Frauen zu erhöhen. Außerdem soll die Attraktivität Japans als Finanzplatz erhöht werden. Dafür wird der Finanzsektor weiter liberalisiert. Hier geht Japan einen anderen Weg als die Europäische Union oder die USA.

„Nicht nur die Erwartungen an eine erfolgreiche ultralockere Geldpolitik untermauern die Hausse. Die Unternehmensgewinne aus dem ersten Quartal – das in Japan das vierte Quartal des Geschäftsjahres ist – zeigen eindeutig mehr positive Gewinnüberraschungen als negative Überraschungen“, sagt zum Beispiel Klaus Martini, Geschäftsführer bei Plückthun Asset Management. Er kann sich vorstellen, dass der Nikkei einen rund siebenprozentigen Zuwachs und damit bis zu 21.000 Punkte zum Jahresende schafft.

Zwar werde die Bank of Japan fürs Erste ihre Anleihekäufe nicht einschränken, glaubt Bert-Ardo Spelter, Geschäftsführer von ICFB Investment Consulting. Da das Inflationsziel von zwei Prozent der japanischen Notenbank nicht in Sicht sei, hält er gar eine Verstärkung des „Quantitative Easing“ für möglich. Allerdings seien Japans Unternehmen auch „in vielen Sektoren technologisch führend, weltweit gut aufgestellt und damit äußerst wettbewerbsfähig.“ Insofern also stützen auch die anziehenden Gewinne japanischer Unternehmen den Aktienboom.

„In erster Linie führen wir die Hausse auf die geldpolitischen Maßnahmen zurück“, betont auch Dirk Fahrmeyer, Vorstand von SX Capital, bei der Begründung der Aktien-Hausse. Doch räumt der Anlageprofi auch ein, dass die exportorientierten Unternehmen durch den schwächeren Yen profitiert hätten. In der Tat: Dass der schwache Yen der japanischen Wirtschaft geholfen hat, ist unbestritten. Doch glaubt man Branchenexperten, wird dies schon bald nicht mehr der Fall sein. Denn unter anderem macht die schwächer werdende Währung wichtige Energieimporte teurer.

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