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18.12.2013

16:42 Uhr

Depot-Contest

„Die meistgehasste Hausse aller Zeiten“

VonJessica Schwarzer

Mit jedem guten Börsentag wächst die Hoffnung, dass der Dax noch einmal Fahrt aufnimmt und zur Jahresendrally ansetzt. Doch immer mehr Marktteilnehmer rechnen mit einer Korrektur – und zwar schon bald.

Wann kommt die Dax-Korrektur? dpa

Wann kommt die Dax-Korrektur?

DüsseldorfGeht dem Dax doch noch die Luft aus? Nach seinem Allzeithoch bei gut 9400 Punkten vor einigen Wochen kommt der Standardwerteindex nicht mehr so recht vom Fleck. Im Gegenteil. Immer wieder müssen Anleger Rückschläge verdauen, sogar die Marke von 9000 Punkten war zeitweise in Gefahr, wie zuletzt Anfang der Woche.

Bei jedem Test dieser Marke wächst die Nervosität und Anleger stellen sich die Frage: Ist die Rally vorbei, droht eine vielleicht sogar größere Korrektur? Die Meinungen gehen weit auseinander, auch bei den Teilnehmern der Depot-Contests der Münchener DAB-Bank. Optimistisch ist beispielsweise Johann Dewina: „Ich erwarte einen Dax-Stand von 9200 per Jahresende und rechne nicht mit einem starken Rückgang in 2014“, sagt der Experte der DKS Vermögensverwalter.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Damit würde der Dax nicht allzu weit von seinem Allzeithoch notieren. Trotzdem ist die Stimmung nicht wirklich gut, die Zweifel an der Rally wachsen. „Eins ist nicht zu unterschätzen: Es handelt sich um die meistgehasste Hausse aller Zeiten“, sagt Burkhard Wagner von Partners Vermögensmanagement. „Es gab wohl noch nie so viele Marktteilnehmer, die den rasenden Börsenzug verpasst haben.“

Generell sei das Marktumfeld zwar immer noch recht attraktiv, eine Korrektur werde zu Jahresbeginn aber wahrscheinlicher. Enttäuschende Unternehmenszahlen könnten diesen Rücksetzer dann noch verstärken. „Der Rest des Jahres sollte eher noch recht freundlich laufen“, ergänzt Wagner. Sogar Tests der alten Höchststände seien nochmals möglich.

Kommentare (1)

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Cassandra

18.12.2013, 18:06 Uhr

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