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03.06.2015

06:14 Uhr

Depot-Contest

„Die Rally konnte nicht so weitergehen“

VonJessica Schwarzer

Der Dax hat zuletzt kräftig nachgegeben. Doch eine Trendwende sehen Experten noch nicht. Im Gegenteil. Sie sehen sogar Luft nach oben. Welche Branchen jetzt einen Blick wert sind und welche Anleger besser meiden sollten.

Steht Anlegern ein heißer Börsen-Sommer bevor? AFP

Dax-Tafel an der Frankfurter Börse

Steht Anlegern ein heißer Börsen-Sommer bevor?

DüsseldorfEs ist ein Drama in vielen, vielen Akten. Die Griechenland-Krise hält Anleger weiter in Atem. Die Kurse an den europäischen Börsen schwanken immer wieder kräftig. Nach einem fulminanten ersten Quartal geht es mit dem Deutschen Aktienindex (Dax) seit April mehr oder weniger seitwärts. Auf jede kleine Erholung folgt der Rücksetzer. Ein paar hundert Punkte hoch oder runter an nur einem Handelstag – keine Seltenheit.

Von seinem Hoch bei gut 12.400 Punkten ist der Dax rund 1.000 Punkte entfernt. Für viele Experten – auch für die Teilnehmer des Depot-Contests der Münchener DAB Bank – ist der Kursrückgang wenig überraschend. „Nachdem der Dax in den ersten Monaten dieses Jahres in der Spitze um rund dreißig Prozent zugelegt hat, war vor dem Hintergrund der nach wie vor anhaltenden Unsicherheit rund um Griechenland und die Ukraine durchaus mit Rückschlägen zu rechnen“, sagt Bernd Linke von der Hoppe Vermögensbetreuung. „Viele Anleger haben Gewinne realisiert, um die weitere Entwicklung an den Krisenherden abzuwarten.“

So sparen die Deutschen

Der Durchschnitt

Ich spare regelmäßig: 64 Prozent
gelegentlich: 26 Prozent
gar nicht: 9 Prozent
keine Angabe: 1 Prozent
Quelle: Forsa-Umfrage „Sparerkompass 2015“

Nach Geschlecht

Regelmäßige Sparer:

Männer: 65 Prozent
Frauen: 62 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Männer: 22 Prozent
Frauen: 30 Prozent

Nicht-Sparer:
Männer: 11 Prozent
Frauen: 7 Prozent

Nach Alter

Regelmäßige Sparer:

18-29 Jahre: 63 Prozent
30-39 Jahre: 68 Prozent
40-49 Jahre: 62 Prozent
50-59 Jahre: 62 Prozent
60-69 Jahre: 65 Prozent

Nach Familienstand

Regelmäßige Sparer:
Mit einem Partner lebend: 68 Prozent
Allein lebend: 56 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Mit einem Partner lebend: 24 Prozent
Allein lebend: 31 Prozent

Nicht-Sparer:
Mit einem Partner lebend: 8 Prozent
Allein lebend: 11 Prozent

Nach Erwerbstätigkeit

Regelmäßige Sparer:
Erwerbstätig: 68 Prozent
Arbeiter: 66 Prozent
Angestellte: 71 Prozent
Beamte: 69 Prozent
Selbständig: 74 Prozent
Nicht erwerbstätig: 57 Prozent
Hausfrau: 65 Prozent
Rentner: 73 Prozent
Schüler/Student: 42 Prozent
Arbeitslos: 16 Prozent

Nach Ortsgröße

Regelmäßige Sparer:
Unter 20.000 Einwohner: 67 Prozent
20.000 bis 100.000 Einwohner: 64 Prozent
100.000 bis 500.000 Einwohner: 71 Prozent
500.000 Einwohner und mehr: 50 Prozent

Nach Bundesländern

Regelmäßige Sparer:
Berlin: 45 Prozent
Sachsen: 47 Prozent
Brandenburg: 53 Prozent
Niedersachsen: 53 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern: 56 Prozent
Hamburg: 61 Prozent
Schleswig-Holstein: 61 Prozent
Saarland: 65 Prozent
Sachsen-Anhalt: 66 Prozent
Baden-Württemberg: 66 Prozent
Hessen: 67 Prozent
Thüringen: 67 Prozent
Bremen: 68 Prozent
NRW: 68 Prozent
Rheinland-Pfalz: 68 Prozent
Bayern: 74 Prozent

Nach Summen

So viel spart der Durchschnittsdeutsche pro Monat:
Weniger als 50 Euro: 10 Prozent
50 bis unter 100 Euro: 22 Prozent
100 bis unter 200 Euro: 25 Prozent
200 bis unter 300 Euro: 15 Prozent
300 bis unter 400 Euro: 9 Prozent
400 bis unter 500 Euro: 5 Prozent
500 Euro und mehr: 10 Prozent

Und es sieht nicht unbedingt so aus, dass der Börsen-Sommer sehr viel ruhiger wird. „Die Volatilität wird in den nächsten Wochen möglicherweise hoch bleiben“, sagt Max Schott von der Vermögensverwaltung Sand und Schott. „Die Situation um Griechenland wird weiter sortiert werden müssen und Zinssteigerungen in den USA deuten sich an.“

Diese zwei Themen werden die Märkte in den kommenden Monaten beschäftigen. Den Griechen läuft die Zeit davon. Sie brauchen dringend ein weiteres Hilfspaket, doch die Verhandlungen darüber stocken. Ob sie doch noch aus dem Euro-Raum fliegen oder austreten, ist längst nicht klar. Auch wenn die meisten Marktteilnehmer mit einem Verbleib der Griechen in der Euro-Zone rechnen. Und natürlich sorgt auch die erwartete Zinsentscheidung in den USA für Nervosität an der Börse. „Beide Entscheidungen werden die Finanzmärkte mit starken Schwankungen in beide Richtungen beantworten“, ist Robert Bauer von Mademann & Kollegen überzeugt.

Gottfried Urban hingegen erwartet etwas ruhigere Monate als zuletzt. „Der Sommer ist traditionell nicht so spannend, die Dividendensaison ist vorbei. Die Nachrichtenlage wird spärlicher“, sagt der Chef der Bayerische Vermögen. „Wichtig ist, dass die Notenbanken keine Volatilität an den Märkten wollen. Es ist einfach zu gefährlich für die wirtschaftliche Erholung Europas, denn die Nervosität der Kapitalmärkte könnte auf die Realwirtschaft überspringen.“ Da Aktien als Anlageklasse weiterhin alternativlos seien, rät er, an schwachen Tagen einzusteigen beziehungsweise nachzukaufen. „Da wird sich nichts ändern“, ist Urban überzeugt.

Bernd Linke hält es ebenfalls für unwahrscheinlich, dass es zu weiteren, nachhaltigen Rückschlägen beim Dax kommt. Die sehr expansive Geldpolitik der Europäischen Notenbank (EZB) werde die Aktienmärkte nachhaltig stützen und auch wieder nach oben treiben. „Insgesamt dürfte der europäische Aktienmarkt hiervon stärker profitieren als der US-Aktienmarkt“, erwartet er.

Kommentare (2)

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Herr Peter Spiegel

03.06.2015, 07:19 Uhr

Man sollten den Mogel-Dax mal in Dollar zeichnen, dann wird man den Index Mogel-Pleite-Dax
nennen.

Herr Oliver Klima

03.06.2015, 11:09 Uhr

Die Börse war in den letzten Jahren überwiegend politisch getrieben. Und wie man in die Hausse reinkommt, so kommt man aus ihr wieder raus. Steigen die Anleihezinsen, fallen die Aktienkurse.

Ausländische Investoren hielten zum Mai 2014 57,1 % des Marktwerts aller börsennotierten deutschen Aktien (Quelle: Bundesbank). Auch vor der Weltwirtschaftskrise haben ausländische Investoren in Sorge um ihr Geld den als so sicher geglaubten Aktienmarkt deutscher Aktien ausgesucht. Und seit 2014 dürften ausländische Investoren noch mehr Geld in den DAX und Konsorten gesteckt haben, denn der Verfall des Euro lässt Investitionen aus anderen Währungen in Deutschland geradezu als ideal erscheinen.

Als in der Weltwirtschaftskrise die Ausländer ihr Kapital benötigten, mussten sie damals deutsche Aktien, Anleihen und Immobilien verkaufen. Und ich schätze mal, dass seit neuerer Zeit horrende Beträge aus Asien in Deutschland parken.

Und auf der Anleiheseite passiert genau dieser Verkauf momentan wieder wie zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise durch ausländische Investoren. Wenn die Asiaten weiter Dollar- und EURO-Anleihen auf den Markt werfen, dann werden die Anleihezinsen zwangsläufig steigen. Damals konnten sich Unternehmen deshalb nur noch mit hohen Zinsen refinanzieren, wenn sie überhaupt noch frisches Kapital bekommen haben.

Ich würde mal sagen, die Staaten haben den Geldmarkt mit ihrer Geldmarktpolitik eskomptiert. Die heute gesparten Zinsen sind m. E. die Zinsen, die später bezahlt werden müssen.

Den Vorteil der Staaten und einiger weniger Investoren, sich über eine hohe Inflation zu entschulden, haben Unternehmen nicht. Und das wird die Börse natürlich quittieren.

Der große Kuchen dieser Börsenhype ist m. E. deshalb gegessen.

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