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18.11.2013

15:09 Uhr

Depot-Contest

„Es wird immer schwieriger“

Konservative Anleger haben es nicht leicht: Sicherheit gibt es nur noch ohne Rendite, Rendite nur noch ohne Sicherheit. Was Vermögensverwalter ihren sicherheitsorientierten Anleger jetzt raten.

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Wer nicht ins Risiko geht, verzweifelt an seiner Geldanlage. ap

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Wer nicht ins Risiko geht, verzweifelt an seiner Geldanlage.

DüsseldorfSparer haben es nicht leicht, vor allem wie sie Wert auf maximale Sicherheit legen. Denn die bieten nun mal nur Spareinlagen, also Tages- und Festgeld, das noch immer sehr beliebte Sparbuch oder die als sicherer Hafen geltende Bundesanleihe. Ansprechende Renditen können Anleger mit keinem dieser Produkte mehr erzielen.

Das Problem ist natürlich nicht neu, aber mit der erneuten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird es noch größer. Für Vermögensverwalter wird ihr Job dadurch nicht einfacher. „Es wird immer schwieriger, dem Anspruch Rendite plus Sicherheit gerecht zu werden“, gibt Thomas Retzlaff von Hallertauer Vermögensmanagement zu.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Denn wer nicht bereit ist, größere Risiken einzugehen, verliert wegen der Inflation garantiert Geld. Peter Schneider appelliert deshalb an Sparer, sich mit der aktuellen Situation auseinander zu setzen. „Die finanzielle Repression wird um eine weitere Stufe erhöht“, sagt der Experte von der Vermögensverwaltung Schneider, Walter & Kollegen. „Wer sich nicht aktiv um seine Geldanlage kümmert, dem wird weiterhin real Geld weggenommen.“ Fakt ist: Bei Minizinsen unter einem Prozent verlieren Sparer nach Inflation, Abgeltungssteuer und Kosten Geld – die sogenannten Realzinsen sind negativ.

Wolfgang Zillich bringt das Problem auf den Punkt: „Der konservative Anleger findet entweder Sicherheit ohne Rendite oder Rendite ohne Sicherheit“, sagt der Experte von Premium Asset Management Wolfgang Zillich. „Der Druck auf die Sparer soll erhöht werden. Er soll konsumieren und damit die Wirtschaft ankurbeln, die immer noch lahmt.“ 

Wer sich dem wiedersetzt und doch lieber Geld zurücklegt, steht unwillkürlich vor dem Niedrigzins-Dilemma. „Bei kurzfristigen Anlage wird es fast unmöglich eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften“, so Zillich. „Es bleibt nur das Ausweichen auf längere Laufzeiten oder der Griff zu Anleihen mit schlechterer Bonität.“

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

18.11.2013, 15:19 Uhr

Die Profis versuchen händeringend Blöde zu finden, die ihre zu teuer gekauften Anlagen übernehmen, damit endlich der Crash stattfinden kann.

Account gelöscht!

18.11.2013, 15:25 Uhr

Bitcoins sind prima, aber schon stark gelaufen dieses Jahr.

Leading

18.11.2013, 16:39 Uhr

Die besten Aktien fürs Depot findet Leading-Invest. In den letzten 75 Tagen +11% mit festen 10 Werten. Das haben mehr als 1500 international anlegende Aktienfonds nicht geschafft.

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