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19.08.2014

13:23 Uhr

Depot-Contest

„Für die nahe Zukunft sehe ich schwarz“

VonJessica Schwarzer

Selbst niedrigste Zinsen führen bei den deutschen Anlegern nicht zu einem Umdenken. Aktien sind noch immer unbeliebt. Dabei liefern Vermögensverwalter schlagende Argumente für Dividendenpapiere.

Die Dax-Tafel an der Frankfurter Börse: Große Schwankungen machen unerfahrenen Anlegern Angst. dpa

Die Dax-Tafel an der Frankfurter Börse: Große Schwankungen machen unerfahrenen Anlegern Angst.

DüsseldorfDie deutsche Aktienkultur ist und bleibt ein Problemfall: Während in Ländern wie den USA oder Schweden die Aktie ein fester Bestandteil der Altersvorsorge ist, meiden viele Deutsche Dividendenpapiere wie der Teufel das Weihwasser.  Gefährlich und  unberechenbar lautet hierzulande oft das Urteil zu den Börseninvestments.  Was  im Wert schwankt – und das tun Aktien bekanntlich –,  gilt als viel zu riskant.

Gute Argumente für Dividendenpapiere wollen die fleißigen Sparer nicht hören. Dabei sind Aktien bewiesenermaßen langfristig die erfolgreichste, sprich ertragreichste Anlageklasse. Trotzdem sind Aktien deutschen Anlegern suspekt – und das nicht erst seit den jüngsten Crashs. „In erster Linie liegt dies an den Währungsreformen, die Deutschland in den vergangenen 100 Jahren erleben musste“, sagt Stephan Albrech, Chef des Kölner Vermögensverwalters Albrech & Cie. „Die deutschen Anleger sind daher, historisch betrachtet, eher risikoscheu und legen ihr Geld auf das alt bewährte Sparbuch oder maximal in festverzinsliche Wertpapiere an.“

Aktienkultur in Deutschland

Aktienbesitz

Menschen mit Aktieninvestments im Jahr 2014: 8,4 Millionen

Vorjahr: 8,9 Millionen

Anteil der Bevölkerung über 14 Jahren im Jahr 2014: 13,1 Prozent

Vorjahr: 13,8 Prozent

Investitionsarten

Wie die deutschen Aktionäre investiert sind:

4,3 Millionen Menschen besitzen nur Aktienfonds.

1,6 Millionen Menschen besitzen Aktien und Aktienfonds.

2,5 Millionen Menschen besitzen nur Aktien.

Langfristige Entwicklung

Seit 2001 haben rund 4,4 Millionen Menschen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Aktionärsanzahl 2001: 12,8 Millionen

Aktionärsanzahl 2014: 8,4 Millionen

Aktienbesitz nach Altersgruppen

Das Interesse an Aktien hat in den vergangenen Jahren besonders bei den Jüngeren stark nachgelassen.

Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer nach Altersgruppen:

20-29 Jährige: 7,2 Prozent (2001: 17,5 Prozent)

30-39 Jährige: 12,1 Prozent (2001: 27,9 Prozent)

40-49 Jährige: 17,2 Prozent (2001: 25,5 Prozent)

50-59 Jährige: 17,1 Prozent (2001: 24,5 Prozent)

60-69 Jährige: 13,6 Prozent (2001: 14,4 Prozent)

Aktienbesitz nach Beruf

Anteil von Aktienbesitzer nach beruflicher Position:

Leitende Angestellte: 28,4 Prozent

Leitende Beamte: 30,1 Prozent

Selbstständige/Freie Berufe: 26,0 Prozent

Sonstige Beamte: 29,5 Prozent

Öffentlicher Dienst: 22,7 Prozent

Sonstige Angestellte: 14,8 Prozent

Rentner/Pensionäre: 12,3 Prozent

Studenten: 4,3 Prozent

Facharbeiter: 8,9 Prozent

Selbstständige Landwirte: 23,5 Prozent

Schüler: 1,9 Prozent

Sonstige Arbeiter: 4,2 Prozent

Auszubildende: 4,6 Prozent

Aktienbesitz nach Einkommen

Menschen mit höherem Einkommen, haben ein höhere Interesse an Aktien.

Anteil von Aktien und Aktienfondsbesitzern nach Nettohaushaltseinkommen:

750-1.250 Euro: 2,5 Prozent

1.250-2.000 Euro: 6,9 Prozent

2.000-3.000 Euro: 24,6 Prozent

3.000-4.000 Euro: 18,5 Prozent

Über 4.000 Euro: 34,3 Prozent

Aktienbesitz nach Bundesländern

Alte Bundesländer: 13,8 Prozent besitzen Aktieninvestments

Neue Bundesländer: 10,3 Prozent besitzen Aktieninvestments

Gesamt: 13,1 Prozent

Winfried Walter von der Schneider, Walter & Kollegen Vermögensverwaltung sieht vor allem zwei Gründe, warum die Deutschen mit Aktien nichts zu tun haben wollen: ihre extreme Risikoaversion verbunden mit einem falschen Verständnis der Aktie als vermeintliches Zockerpapier. „Der Deutsche betont das kurz-  bis mittelfristige Risiko eines Aktieninvestments über“, sagt der Vermögensverwalter.  Wohl auch, weil das Grundwissen der Bundesbürger über die wirtschaftlichen Zusammenhänge äußerst gering ist.

„Aktien werden als Spekulationsobjekte, nicht jedoch als langfristige Investments angesehen“, so Walter. „Die mit Aktien langfristig drei bis vier Prozent höhere Ertragsprämie pro Jahr gegenüber festverzinslichen Investments wird nicht gesehen.“ Eine bundesweite Aufklärung über die Funktionsweise von Aktien als Beteiligung an Unternehmen tue Not. „Mehr als 90 Prozent der deutschen Bevölkerung ist nicht bewusst, dass am Ende der jährliche Nettogewinn eines Unternehmens den Wertzuwachs darstellt, der dem Aktionär zusteht“, sagt der Anlageexperte.

Gerade in Zeiten von Minizinsen sollte man meinen, dass die Deutschen nun endlich die Aktie für sich entdecken. Schließlich schlagen viele Standardwerte mit ihren Dividendenrenditen bonitätsstarke Unternehmensanleihen deutlich. Doch weit gefehlt. Die Deutschen bleiben bei ihrem Motto: Hauptsache sicher! „In der Vergangenheit war die Kapitallebensversicherung wohl die beliebteste Altersvorsorge der Deutschen“, sagt Stephan Albrech. „Da diese jetzt für alle sichtbar deutlich an Attraktivität verloren hat, spielen aktuell Immobilieninvestitionen eine große Rolle, weil man sich hier sicher fühlt.“ Doch diese Sicherheit der Häuslebauer trügt natürlich, denn auch der Wert ihrer Immobilien schwankt. Nur sehen sie das eben nicht jeden Tag, weil niemand den Preis für ihr Haus oder ihre Wohnung ständig neu berechnet.

Kommentare (1)

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Herr Konstantin Lewe

19.08.2014, 13:49 Uhr

Viele Öl- oder Strom-konzerne oder auch Banken bieten gute
Dividenden da kann einem der Kurs relativ egal sein.

Oder auch Rohstoff-Unternehmen wie Minenbetreiber
zahlen gute Dividenden.

Die CommerzBank-Aktie hat zB. noch Einiges an Potenzial
da dieses Investment staatlich abgesichert ist.

Oder auch die Deutsche Bank wird im Laufe der nächsten
Monate noch deutlich zulegen. Zurzeit ging es wegen der
grossen Kapitalerhöhung nach unten.

Die Aktionäre haben billige neue Aktien bekommen die
viele sofort wieder abgestossen haben.

Aber gerade eine Kapitalerhöhung bietet gute Chancen
innerhalb von 1 bis 2 Jahren einen ordentlichen
Kursgewinn zu erziehlen. Da man die Papiere deutlich
billiger erwerben kann. (zB. mit 20-30% Preisnachlass)

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