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28.11.2013

09:59 Uhr

Depot-Contest

Jahresendrally abgesagt?

VonJessica Schwarzer

Die Börsen laufen und laufen. Der Dax hat seit Jahresbeginn fast 20 Prozent zugelegt. Prominente Börsianer wie Dirk Müller warnen aber bereits vor einer Korrektur. Auch bei Vermögensverwaltern wächst die Skepsis.

Weihnachtsgeschenke vor der Dax-Kurve: Fällt die Bescherung an der Börse dieses Jahr aus? Reuters

Weihnachtsgeschenke vor der Dax-Kurve: Fällt die Bescherung an der Börse dieses Jahr aus?

DüsseldorfDie warnenden Worte werden immer lauter: Der an den Börsen viel beachtete US-Starinvestor Carl Icahn warnte jüngst sogar vor einem Börsencrash. Der 77-jährige Milliardär sieht deutliche Anzeichen für eine Blase, die zerplatzen könnte. „Ich will es mal ganz einfach so sagen, viele Zahlen sind eine Fata Morgana“, mahnte Icahn. „Sie beruhen nicht darauf, dass die Firmen gut geführt werden, sondern sie werden von den niedrigen Kreditzinsen befeuert.“  Deutliche Worte, mit denen sich Icahn gegen andere Börsen-Auguren stellt, die Aktien in Zeiten von Niedrigzinsen weiter als lukrativste Anlage ansehen.

Auch hierzulande melden sich die Kritiker zu Wort, allen voran Deutschlands Börsenpromi Nummer eins. Dirk Müller alias Mr. Dax sagt: „Wir brauchen dringend eine Dax-Korrektur.“ Klingt fast so, als sei die Jahresendrally abgesagt.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Skepsis wächst auch bei Vermögensverwaltern wie Stefan Grommer. „Wir sind derzeit sehr besorgt über die mittlerweile zweijährige Ausweitung der Bewertung der Aktienmärkte durch Kursanstiege“, sagt der Experte von Plückthun Asset Management. Insbesondere in Europa seien die Gewinne der Unternehmen sogar rückläufig gewesen, so dass die Bewertungsveränderungen hier noch vergrößert wurden. „Wir sind überzeugt, dass dieser Zustand nicht stabil bleiben kann und sich zukünftig ein Korrekturbedarf ergibt“, so Grommer.

Und die Jahresendrally? Abgesagt?  „Wissen wir nicht“, gibt er offen zu, wird dann aber doch konkreter: „Der Dax hat nur wenig Luft nach oben“, sagt der Plückthun-Experte. „Wir erwarten den Dax zum Jahresende tiefer als heute.“

Auch Michael Dutz vom Vermögensverwalter Adlatus erwartet keine steigenden Kurse, sondern eine Seitwärtstendenz. „Es ist sehr seltsam, dass zwar alle positiv für die Aktienzukunft sind, allerdings aktuell ein Horrorszenario gemalt wird“, sagt er. „Meine Meinung: Da wollen noch ein paar billig einsteigen, bevor die Rally weiter geht.“ Er rechnet damit, dass der Dax zum Jahresende bei 9.200 Punkten steht, also gut 100 Punkte niedriger als jetzt. Für die folgenden Monate ist Dutz deutlich optimistischer: „Bis Mai werden wir die 10.000 Punkte sehen.“   

Kommentare (5)

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Dauerrennen

28.11.2013, 10:35 Uhr

Es ist ein Dauerrennen ohne PIT-Stop! Es sind nicht die guten Nachrichten, die den Markt befeuern, sondern die schlechten und deren positive Auslegung. Schlechte Nachrichten sind gut für den Markt und gute sind dann eben noch besser. Es ist eben einfach alles nur noch gut für den Markt....und das ist eben das schlechte an der Situation. Die Notenbanken haben das zu verantworten, wissen das und können nun doch nicht mehr raus aus der Nummer. Sie müssen weiter zusehen,wie die Kurse inflationär steigen. Nichts tun und laufen lassen, denn der erste Zweifel an dieser Strategie, wäre schon der Anfang vom Ende! Und ich meine das Ende... Natürlich werden die Banken versuceh zu steuern und gegenzusteuern, aber das wird dann nicht mehr in dem Rahmen geschehen, wie wir das gewohnt sind und einzuschätzen glauben. Jeder Tag den wir weiter nach oben laufen, wird den Niedergang eher herbeisteuern und alles was wir jetzt als Gewinne in die Zukunft prognostizieren wird sich nicht nur in das Gegenteil verwandeln sondern wohl noch etwas unberechenbarer daherkommen, als wir glauben und hoffen. Das einzige was ich definitiv nicht weiß ist, wann es so kommt, aber wir werden nicht von Jahren reden...und das weiß jeder, der dabei ist.

Aktionaer

28.11.2013, 11:39 Uhr

Also ich bin da auch gespannt. Denn wenn schlechte Nachrichten die Kurse nach oben treiben, dann wird der Markt verzerrt und man kann nur gespannt sein, wann die Blase pltzt.

Bloß bis da hin sollte man die Welle reiten.

hondacbr

28.11.2013, 11:51 Uhr

Wohin soll die Reise gehen? Sie kennen doch den Spruch: Wer hoch steigt, fällt tief. Diesmal aber sehr tief.Ich bin kein Wahrsager und es steht auch nicht in den Sternen.
Jeder normal denkende sollte es doch auch so sehen.siehe USA, Griechenland, Spanien, Portugal, Italien u.s.w. Nur Deutschland nicht - weil wir so fähige Politiker haben??

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