Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.12.2013

16:59 Uhr

Depot-Contest

Unsere Wette ist aufgegangen

An der Börse konnte man dieses Jahr kräftig den Bullen reiten. Doch nicht jede Branche lief mit. Vermögensverwalter verraten, womit sie gut gefahren sind, ihre Favoriten für 2014 und was sie von Gewinnmitnahmen halten.

Die Logos von BMW und Daimler: Autoaktien liefen 2013 gut. dpa

Die Logos von BMW und Daimler: Autoaktien liefen 2013 gut.

Der deutsche Aktienmarkt eilt von Rekord zu Rekord, doch die Rally wird nicht von allen Branchen getragen. Während sich Handel-, Telekom- und Logistiktitel sehr gut entwickelt haben, hinken Nahrungsmittelhersteller und Versorger deutlich hinterher. Das zeigen die Daten des Börseninformationsdienstes Bloomberg zu den Branchenindizes. Auch Software-Konzerne kamen an der Börse nicht vom Fleck. Gut gelaufen sind dagegen auch Industriegüterkonzerne und Autobauer.

Über diese Entwicklung freut sich Kirk Ewald: „Unsere Favoriten waren Automobile sowie Financial Services – in beiden Fällen ging das Investment auf“, sagt der Anlageexperte von Geneon Vermögen. Für ein Engagement in Finanzwerte sprach die anhaltende Politik des billigen Geldes der Notenbanken: „Im Fall der Financial Services erwarteten wir hohe Umsätze durch die anhaltende Liquiditätsflut der Zentralbanken – und schließlich musste das Geld ja irgendwo angelegt werden“, so Ewald.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Autobauer hatten Aufholpotenzial, waren sie doch im Jahr 2011 mächtig unter die Räder gekommen und auch im Jahr 2012 schlecht gelaufen. Dieses Jahr lief es deutlich besser. Mehr als 40 Prozent haben deutsche Autoaktien, genauer der Dax-Sector Automobile Performance-Index, seit Anfang Januar zugelegt. „Zwischenzeitlich brennen besonders die deutschen Hersteller ein Feuerwerk an neuen Modellen ab  – Sonderschichten inklusive“, so Ewald.

Wie der Vermögensverwalter das Geld seiner Kunden aktuell anlegt, können Interessierte beim Depot-Contest der DAB Bank sehen. Dort tritt er in den Kategorien „Ausgewogen“ und „Sicherheit“ an. Auch Nils Peterson kämpft um den Titel beim jährlichen Vermögensverwalterwettstreit. Er stellt seine Depots in der Kategorie „Sicherheit“ als auch „Chance“ eher nach regionalen Aspekten zusammen. „Aber als Vermögensverwalter und Manager unserer Investmentfonds schauen wir natürlich schon auf die Branchenallokation“ sagt der Experte der Top Vermögensverwaltung.

Für das Jahr 2013 hatte er unter anderem auf die Branchen Chemie, Pharma, Telekommunikation, Automobil aber auch Versorger gesetzt. „Abgesehen von den Versorgern war unsere Branchenauswahl im bisherigen Jahresverlauf erfolgreich“, sagt er. Pharma- und Chemietitel habe er wegen ihres defensiveren Charakters ausgewählt. „Automobil war eine Wette auf weiterhin niedrige Zinsen und eine anziehende Konjunktur“, ergänzt Peterson. Die Wette ging auf.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×