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15.09.2014

13:55 Uhr

Depot-Contest

Was Vermögensverwalter Anlegern jetzt raten

VonSara Zinnecker

Ukraine, Irak, Israel: Die Krisen in der Welt halten an. Doch auch Europa ist nicht über dem Berg. Im Gegenteil: Mario Draghi schwemmt die Märkte mit noch mehr Geld. Was Vermögensverwalter Anlegern empfehlen.

Dax unter Druck: Der Leitindex musste in den vergangenen Monaten einige Rückschläge hinnehmen. dpa

Dax unter Druck: Der Leitindex musste in den vergangenen Monaten einige Rückschläge hinnehmen.

DüsseldorfDie vergangenen Wochen waren nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Fast täglich erreichte die Welt eine neue Nachricht aus den Krisenherden der Erde: Wladimir Putin, der die Gaslieferungen an die Ukraine und Polen kappt, gegenseitige Sanktionen, die stetig verschärft werden.

Barack Obama, der in seiner Rede vor dem 9/11-Gedenktag den Einsatz amerikanischer Streitkräfte im Irak noch verschärfen will, der plötzlich bereit ist, an bestimmte syrische Rebellengruppen Waffen zu liefern, um das „Krebsgeschwür“ IS zu besiegen. Nicht zu vergessen den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, der vor sich hin schwelt und sich immer wieder in neuen Anschlägen kulminiert.

„Wo soll das alles noch enden?“, mögen sich Marktteilnehmer derzeit fragen. Die wenigsten gehen davon aus, dass die „politischen Börsen“ derzeit allzu kurze Beine haben – und agieren dementsprechend defensiv. Dax und Co. in diesen Wochen immer wieder Dämpfer einstecken. Seit seinen Höchstständen im Juli brach der Leitindex zwischenzeitlich um mehr als elf Prozent ein und konnte die Verluste bis heute bei Weitem nicht gut machen.

Grund zur Sorge bereitete Anlegern auch die Lage in Europa selbst. Analysten, Börsianer, prominiente Banker: Fast alle waren sie sich einig, dass die jüngste Liquiditätsoffensive von EZB-Chef Mario Draghi als Zeichen zu deuten sei, dass Europa noch längst nicht über den Berg ist, dass die Finanzkrise die Volkswirtschaften weiterhin fest im Griff hat, dass Reformen zu langsam greifen.

Für die Teilnehmer des Depot-Contest der Münchner DAB-Bank ist klar: Vor allem die Ukraine-Krise wird den europäischen Aktienmärkten weiter zusetzen. „Von den gegenseitigen Sanktionen zwischen Russland und der EU sind europäische und ganz besonders deutsche Unternehmen betroffen“, sagt Kai Lintermann von der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung. Auch die zuletzt trüben Wirtschaftsdaten der Euro-Zone seien Folge des Ukraine-Konflikts. „Die Schwankungen am Aktienmarkt bis zum Jahresende werden hoch bleiben“, ist sich der Anlageexperte sicher.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

„Die europäischen Aktienmärkte bleiben weiter im Einfluss der Ukraine-Krise“, meint auch Frank Zaydowicz von PDB Anlage-Management. Zwar hat er die Hoffnung, dass der Konflikt sich eher beruhigt als ausweitet – und will an seinem Aktienengagement festhalten. Trotzdem sieht er Aktien von US-Werten derzeit gegenüber europäischen Titeln im Vorteil, gerade hat er einen Indexfonds auf den Nasdaq ins Depot aufgenommen: „Die US-Börsen sind weit weg von der Ukraine und waren zuletzt deutlich weniger Schwankungen ausgesetzt“, so Zaydowicz.

Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein. „Aktienanleger sollten sich global orientieren und US-Aktien und Aktien aus den Schwellenländern zulasten europäischer Aktien übergewichten“, rät auch Jan Lintermann von Albrech & Cie.

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