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16.09.2015

09:03 Uhr

Depot-Contest zur Zinswende in den USA

Die Fed muss ein „Zinssignälchen“ geben

VonJessica Schwarzer

Kommt sie oder kommt sie nicht, die Zinswende in den USA? Vermögensverwalter hoffen auf klärende Worte der Notenbanker. Welche Marktentwicklung die Experten erwarten und welche Anlageklasse sie jetzt bevorzugen.

Wann steigen die Zinsen in den USA? dpa

US-Notenbank

Wann steigen die Zinsen in den USA?

DüsseldorfDie Zinswende in den USA ist das marktbeherrschende Thema. Am Donnerstag gibt es endlich Klarheit. Zumindest darüber, ob die amerikanische Notenbank den Leitzins schon jetzt erhöht. Falls das nicht der Fall sein sollte, hoffen Börsianer wenigstens auf ein Signal, ob die Zinswende im Dezember oder vielleicht sogar erst im kommenden Jahr eingeleitet wird.

Auch die Vermögensverwalter, die sich beim Depot-Contest der Münchener DAB Bank messen, schauen gespannt nach Washington. „Die US-Notenbank sollte die Unsicherheit beenden und Worten Taten folgen lassen und die Zinsen im September anheben“, sagt Bert-Ardo Spelter von ICFB Investment Consulting Financial Brokerage.

Schließlich geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Fed. „Immerhin taktiert sie seit Mai 2013 mit dem Gedanken der Zinserhöhung“, ergänzt Winfried Walter von der Vermögensverwaltung Schneider, Walter und Kollegen. „Vor diesem Hintergrund muss die Fed spätestens im Dezember ein ‚Zinssignälchen‘ geben. Wer nimmt das sonst noch ernst? Ich nicht.“

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Mit einer Zinserhöhung im Dezember rechnet auch Gottfried Urban von der Bayerischen Vermögen. Noch sei zu viel Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung im Markt. Daher würde die Fed wahrscheinlich noch abwarten.

Die Experten rechnen mit nur sehr geringen Reaktionen an den Märkten. Zumal der Zinsschritt der Fed auch eher homöopathisch ausfallen dürfte. „Die Zinserhöhung von nahezu Null auf ein halbes Prozent und einer klare Verhältnisse schaffende Aussage der Fed, dass es das war es für eine längere Zeit, wird die Märkte beruhigen“, glaubt Spelter.

Auch Ingo Schweitzer von der Vermögensberatung Anceka erwartet wenn überhaupt nur einen moderaten Anstieg. „Die Märkte haben schon lange eine Phase von moderaten Zinserhöhungen eingepreist“, ist er überzeugt. Auch Walter erwartet keine stärkeren Ausschläge. „Trotzdem möchte ich aber feststellen, dass mir der Markt technisch nicht sehr stabil erscheint“, sagt er. „Auch fundamental sollte man keine großen Zuwachsraten auf der Ertragsseite der Unternehmen erwarten.“

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