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02.10.2015

14:28 Uhr

Depotbank-Vergleich

So werden Sie Aktionär

VonKatharina Schneider

Wer Aktien kaufen will, muss sich nicht auf den Weg zur nächsten Börse machen. Ein Depot lässt sich bequem über den heimischen Computer eröffnen. Das Tool der Woche zeigt, wie sich die Preise dafür unterscheiden.

Viele Direktbanken und Online-Broker bieten kostenlose Wertpapierdepots an. Imago

Aktienkauf per Internet

Viele Direktbanken und Online-Broker bieten kostenlose Wertpapierdepots an.

FrankfurtHaben Sie schon mal eine Aktie gekauft? Wer diese Frage in Deutschland stellt, wird wohl häufig so etwas hören wie „Nein – natürlich nicht!“ oder auch „Ja, aber das mache ich nie wieder!“ Die deutsche Abneigung gegenüber den Unternehmensbeteiligungen ist ungefähr so bekannt wie die deutsche Begeisterung für Sauerkraut und Lederhosen.

Einziger Unterschied: Während sich die Folklore überwiegend auf den Süden der Republik konzentriert, scheinen die Aktienmuffel über das ganze Land verteilt zu sein. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vermeldete zuletzt sogar einen weiteren Rückgang der Aktionärszahlen. Hierzulande investieren demnach nur 8,4 Millionen Menschen in Aktien, das entspricht 13,1 Prozent der Bevölkerung in der Altersgruppe über 14 Jahren.

Einen zwischenzeitlichen Höhepunkt hatte die Zahl der Aktienbesitzer im Jahr 2001 erreicht, immerhin 12,9 Millionen waren es damals. Dann platzte die der sogenannten Dotcom-Blase: Dutzende junger Technologieunternehmen waren über den Neuen Markt an die Börse gekommen, doch die Erwartungen an ihre Gewinne waren maßlos übertrieben – die Aktienkurse wurden hochgejubelt und stürzten schließlich jäh ab. Eines der prominentesten Beispiele: die Telekom-Aktie. Einst wurde sie zum Kurs von mehr als 100 Euro gehandelt, heute kostet sie nur noch etwa 15 Euro.

Zugegeben, in den zurückliegenden 15 Jahren gab es insgesamt sogar drei Abschwungphasen: Auf die geplatzte Internetblase folgte 2008 die Immobilienkrise und 2011 die Staatsschuldenkrise in Europa. „Trotzdem sind Aktien mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von real – also inflationsbereinigt – sechs bis sieben Prozent die langfristig ertragreichste Anlageklasse“, erklärt der Münchener Vermögensverwalter Gottfried Heller, der auf mehr als 40 Jahre Erfahrung an der Börse zurückblickt.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Stellt sich nur die Frage, wo gibt es überhaupt diese Aktien? Gehandelt werden sie an der Börse. Doch das ist nicht der Ort, den ein angehender Aktionär aufsuchen muss. In den Anfängen waren auf dem Börsenparkett viele Händler tätig, sie brachten Personen, die ihre Aktien verkaufen und diejenigen, die sie kaufen wollten, zusammen. Heute läuft das überwiegend über Computersysteme. Doch noch immer gilt: Man kann eine Aktie nur dann kaufen, wenn zugleich jemand anderes zum Verkauf bereit ist, schließlich geben Unternehmen eine feste Zahl von Aktien aus. Wenn die Nachfrage groß ist, steigt der Preis, genauer: der Aktienkurs. Ist das Interesse gering, fällt der Kurs.

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