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16.10.2014

09:46 Uhr

Der Anlagestratege

Abschwung ante portas?

VonChristoph Bruns

Schwache Wirtschaftsprognosen bestimmen die Schlagzeilen. Doch milliardenschwere Investitionsprogramme nebst hoher Verschuldung sind nicht die Lösung – wohl aber die Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Prinzipien.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Auf die Wachstumseuphorie des Frühjahres folgte jüngst ein Reigen an  Herunterstufungen, obwohl bereits das zweite Quartal eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaftsleistung gezeigt hatte. Noch vor Monaten hatte der milde beziehungsweise nichtexistente vergangene Winter die deutschen Forschungsinstitute und die Bundesregierung euphorisiert und bewogen, ihre Wachstumserwartungen für das deutsche Bruttosozialprodukt deutlich anzuheben.

Zur Begründung der nunmehr deutlich ausfallenden Herunterstufungen wird angegeben, die angesichts der Ukraine-Krise verhängten gegenseitigen Sanktionen zwischen Russland und der EU sowie die Kriege im alten osmanischen Reich führten in ihrer Konsequenz zu dämpfenden Effekten auf die Konjunktur. Somit bewährt sich einmal mehr das alte Bonmot von Laurence Peter, demgemäß Volkswirte solche Wirtschaftsexperten sind, die morgen genau wissen, warum ihre gestrigen  Prognosen heute nicht eingetreten sind.

Von weiterführender Bedeutung ist indes der Hinweis des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, Deutschland leide unter zu geringen Investitionen der Privatwirtschaft. Wer jedoch die Diskussion in den Medien zu der Wirtschaftseintrübung verfolgt, der kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob der Staat sich angesprochen fühlen sollte, um mehr zu investieren. Mittlerweile scheint es in der gesamten Euro-Zone zum Reflex zu werden, stets nach mehr Investitionen des Staates zu rufen. Unlängst hatte es ja aus dem Umkreis des neuen EU-Kommissionspräsidenten Jean Claude Juncker geheißen, dieser wolle ein 300 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm auf den Weg bringen.

Tatsächlich stellt sich die Lage aber so dar, dass zunächst die nationalen Haushalte saniert werden müssen, bevor die Staaten wieder das schuldenfinanzierte Füllhorn ausschütten. Wir sollten darüber hinaus nicht vergessen, dass es die überbordenden Schulden waren und sind, die zur großen Finanzkrise und dem seitherigen Siechtum in der Euro-Zone geführt haben. Auch wären wir klug beraten, die japanischen Erfahrungen mit Investitions- und Konjunkturprogrammen gut zu studieren; sie sind einigermaßen niederschmetternd.

Stattdessen ist die Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Prinzipien dringend angeraten. Wie in dem Sachverständigengutachten ausgeführt, bedarf es einer Stärkung der privaten Investitionstätigkeit in Deutschland. Dringend muss sich die Große Koalition in Berlin mit der Frage beschäftigen, wie es kommt, dass die Nettokapitalexporte der deutschen Wirtschaft so hoch sind? Konkret: Warum fließt so viel Kapital in die Vereinigten Staaten ab und warum investieren ausländische Unternehmen nicht in gleichem Umfang in Deutschland?

Kommentare (5)

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Herr Peter Spiegel

16.10.2014, 10:20 Uhr

"Ob Freihandelsabkommen, Erdgasförderung, der Bau von Hauptbahnhöfen oder Stromtrassen."

Jetzt erwarte ich aber einen Artikel, der mir erklärt,
warum ich dafür sein sollte.

Herr Thomas Albers

16.10.2014, 10:51 Uhr

"Hauptgrund für die Investitionsschwäche in Deutschland sind die unattraktiven Bedingungen, die Investoren hierzulande vorfinden. Strukturell ist Deutschland eine mittelgroße stagnierende Volkswirtschaft mit schrumpfender heimatverbundener Bevölkerung, verkümmertem Eigenkapitalmarkt, hohen Steuern und Abgaben, hohen Energiepreisen und wirtschaftsfeindlichen Gesinnungen in weiten Bevölkerungsteilen. Ob Freihandelsabkommen, Erdgasförderung, der Bau von Hauptbahnhöfen oder Stromtrassen; Deutschland gilt international als Land des Stillstands und der Sattheit auf freilich hohem Niveau.

Mehr noch: In den Augen von Investoren machen alle im Bundestag vertretenen politischen Parteien einen sozialdemokratischen Eindruck, indem Themen wie Frauenquoten, Mietpreisbremsen, Ausländermaut und Finanztransaktionssteuern priorisiert und vorangetrieben werden."

Sehr gut ausgedrückt - das ist ein Hauptproblem Deutschlands. Man kann angesichts der hier angesprochenen Wirtschaftsfeindlichkeit eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Wenn sich ganze Ortschaften per Volksentscheid gegen die Ansiedlung von Unternehmen wehren, läuft etwas grundlegendes schief:

Aus der Sueddeutschen Zeitung vom Oktober 2012:

Gilching- Der Aldi-Konzern muss einen anderen Standort für sein geplantes Auslieferungslager suchen. Auf Gilchinger Flur ist er jedenfalls unerwünscht. Das hat der Bürgerentscheid am Sonntag sehr deutlich ergeben, bei dem bei hoher Wahlbeteiligung fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit gegen ein Logistikzentrum nahe dem Gewerbegebiet an der Lindauer Autobahn gestimmt hat. Die Bürger stützen damit eine frühere Entscheidung des Gemeinderats, der einen Neubau auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche abgelehnt hat. Aldi nimmt nun Gespräche mit Gautinger Gemeinderäten auf.

Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/gilching-gilchinger-stimmen-gegen-aldi-lager-1.1495999

Frau Ute Umlauf

16.10.2014, 10:53 Uhr

Hört doch endlich mit dieser Panikmache auf!
Der MaschBau erwartet 2015 einen Zuwachs von 3%. Diese Journalisten u. Ökonomen, die so etwas verbreiten sind doch selber Lebensversager.

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