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04.09.2014

16:00 Uhr

Der Anlagestratege

AfD bereichert die Parteienlandschaft

VonChristoph Bruns

Die jüngste Wahl in Sachsen ist bundesrepublikanisches Signal. Welche Lücke die AfD tatsächlich schließen kann, bleibt abzuwarten. Aber immerhin: Mehr Wettbewerb belebt das politische Geschäft.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Man lässt der Landtagswahl in Sachsen keine Überbewertung angedeihen, wenn man sie als klares bundesrepublikanisches Signal deutet. Allen sächsischen Besonderheiten zum Trotz haben die Wähler im Freistaat interessante politische Impulse gesetzt. Besonders auffällig ist offenbar der katapultartige Einzug der AfD in den sächsischen Landtag. Damit dürfte den etablierten Parteien klar werden, dass die ungewöhnlich lebhafte deutsche Demokratie abermals eine neue relevante Partei hervorgebracht hat.

Allein schon aus demokratiephilosophischen Gründen ist dieser Umstand begrüßenswert, denn neue Parteien haben ein Gespür dafür, jene Fragen zu stellen, die vielen im Volk auf der Seele brennen, aber vom politischen Establishment gemieden werden. Klar ist: Auch das politische Geschäft wird durch Wettbewerb belebt, wenngleich er – ähnlich der Wirtschaft - von den historischen Marktführern nicht geschätzt wird.

Ungewöhnlich ist nun aber der Umstand, dass eine Partei zunächst mit einem Wirtschaftsthema, namentlich dem Euro, ihren Weg in die Parlamente findet. Bei den Grünen und der Piratenpartei, die augenscheinlich eine Eintagsfliege war, standen gesellschaftliche Themen im Vordergrund ihrer Parteiengeschichte.

Die Erfolgschancen der AfD, für längere Zeit eine Rolle im Berliner Politikbetrieb spielen zu können, sind derzeit deshalb so hoch, weil Angela Merkel mit ihrer korporativistischen Wirtschaftspolitik eine offene Flanke bietet. Es ist weithin bekannt, dass die Stärken der Kanzlerin nicht auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik zu suchen sind. Ihre kommunistische Sozialisation in der DDR hat gewiss dazu beigetragen, Deutschland zu jenem semimarktwirtschaftlichen Gouvernantenstaat fortzuentwickeln, der uns bereits seine ubiquitäre Überwachungsfratze entgegenhält.

Ferner wird die ohnehin bereits hohe Steuer- und Abgabenlast der Bundesrepublik trotz üppig sprudelnder Steuerquellen und einer ungeahnten Entlastung der Zinshaushalte durch die Europäische Zentralbank ständig durch neue konfiskatorische Ideen wie etwa die Feinstaubplakette, eine Finanztransaktionssteuer oder die Straßen-Maut angereichert. Zugleich sieht sich die Wirtschaft mit einem immer dichter werdenden Netz aus Regeln und Bestimmungen konfrontiert. In der Energiepolitik, die zuvorderst Wirtschaftspolitik ist, kann man diesen Umstand exemplarisch am besten beobachten. Nun darf man aber nicht glauben, dass das starke staatliche Regulierungsnetz in anderen Sektoren weniger engmaschig wäre. Aus dem Finanzdienstleistungsbereich, in dem ich selber mit der LOYS AG tätig bin, könnte ich wahre Gruselgeschichten behördlicher Überregulierung erzählen.

Kommentare (4)

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Herr Horst Hamacher

04.09.2014, 15:13 Uhr

AfD bereichert die Parteienlandschaft
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Schön, dass sich diese Erkenntnis bei unserer schreibenden (oft auch abschreibenden) Zunft langsam aber sicher durchsetzt!

Herr Hanns Maiser

04.09.2014, 17:42 Uhr

Großartige Beitrag, vielen Dank!

Das hier trifft 1:1 meine eigene Stimmungslage die AfD betreffend und die aktuelle politische Situation. Solange diese neue Partei wirtschaftliberal argumentiert, ist sie für mich wählbar. Muttis Handpuppen aus der Union sind ja nun in die "Neue SED" zusammen mit den anderen Sozen eingetreten und die FDP ist Geschichte. Deshalb wähle ich bis auf weiteres die AfD.

Herr C. Falk

04.09.2014, 17:48 Uhr

Der Blick aus Chikago auf die deutsche Parteienlandschaft ist doch wohl etwas weitwinkliger und vorurteilsfreier als das eingeschränkte Gesichtsfeld bundesdeutscher Journalisten
und Zeitbeobachter, die zudem auch nicht ganz frei sind und zumindest eine interessegeleitete Schere im Kopf haben.

Das HB ist hier von allen Presseorganen wohl noch eine löbliche Ausnahme und noch nicht ganz so deformiert wie etwa FAZ, Welt, Süddeutsche oder Spiegel.

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