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05.12.2013

13:46 Uhr

Der Anlagestratege

Aktienquote statt Frauenquote

VonChristoph Bruns

Statt mit der Frauenquote sollte sich die Große Koalition besser mit der Aktienquote der Bürger beschäftigen. Hier gibt es enormen Handlungsbedarf, denn das geringe Investment führt zu einer Wohlstandsverschwendung.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die Große Koalition wird eine Frauenquote für Aufsichtsräte großer Aktiengesellschaften einführen. Das wird die betreffenden großen Unternehmen nicht in den Ruin treiben, zumal gar manche dieser Gremien reine Abnickerclubs sind. Mit der Frauenquote erweist die Große Koalition dem Gender-Zeitgeist ihre Reverenz, wie an dem selbstgefälligen gegenseitiger Schulterklopfen in Berlin sichtbar geworden ist.

Immerhin lässt es aufhorchen, wie stark sich die Großkoalitionäre mit Quoten beschäftigen. Leider war dem Koalitionsvertrag nichts Substanzielles zu entnehmen, was auf eine höhere Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft hinausläuft. Sollte man sich in der Hauptstadt nicht einmal mit der Aktienquote der Bundesbürger beschäftigen?

Auf diesem Feld gibt es fürwahr enormen Handlungsbedarf, denn der volkswirtschaftliche Schaden, der unserem Land dadurch entsteht, dass diese Quote seit Jahrzehnten unangemessen gering ausfällt, summiert sich im Verlauf der Jahre auf etliche hundert Milliarden Euro. Damit ist das Thema ökonomisch viel relevanter als PKW-Maut, Transaktionssteuer, Mindestlohn und Frauenquote zusammen.

Indem die deutsche Bevölkerung in viel zu geringem Umfang Eigentümer der deutschen Wirtschaft ist und das Instrument Aktie auch mit staatlicher Hilfe verteufelt wird kommt es seit Jahrzehnten zu gewaltigen Wohlstandsverlusten, die jetzt in der Niedrigzinsphase immer weniger geleugnet werden können.

Deutschlands Altersvorsorge, Pflege- und Gesundheitssysteme sind aber überhaupt nicht in der großzügigen Lage, sich eine derartige Wohlstandsverschwendung leisten zu können. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels gilt dies noch viel mehr. Auch den Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden steht es nicht gut an, sehenden Auges und wider besseren Wissens auf die finanziellen Vorteile der Aktienanlage zu verzichten.

Man irrt gewaltig, wenn man auf diesem Gebiet nicht auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit berührt sieht. Gerade jene Bürger, die mit Aktiensparen langfristigen Vermögensaufbau betreiben, fallen der Gemeinschaft später weniger zur Last. Sie sind es aber, die die Defizite der anderen werden über Steuern und andere Abgaben ausgleichen müssen. Diese Umverteilung von den verantwortungsvoll Anlegenden zu den falsch oder gar nicht Anlegenden wird sich Deutschland nicht dauerhaft leisten können. Obendrein widerspricht sie jedwedem Verantwortungs- und Leistungsprinzip.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

05.12.2013, 14:30 Uhr

Nun ja Herr Bruns, das sind schon ziemlich gewagte Thesen die Sie hier bringen! Eine staatlich verordnete Aktienquote, auch wenn Quoten jedweder Art momentan ja ziemlich im Trend sind ist der Gedanke doch reichlich absurd. Auch erschließt sich mir nicht ganz warum durch die geringe Aktienquote Wohlstand vernichtet wird? Wenn dann verzichtet der Großteil halt auf zusätzlichen Wohlstand durch die Aktienanlage. Im Kern haben Sie ja recht, die Abneigung der Deutschen gegenüber der Aktie ist schon etwas kurzsichtig. Ich sehe es ja in meinem Umfeld, da traut sich niemand ran "Ist das nicht riskant?" In Anbetracht Ihres beruflichen Hintergrundes ist die Forderung nach einer Aktienquote dann aber auch verständlich... das hat schon ein "Geschmäckle" Zumal ich mir vorstellen könnte, dass sie eher liberale Positionen vertreten und Ihnen im Normalfall jegliche Quote ein Graus ist.

muunoy

05.12.2013, 14:47 Uhr

Herr Bruns, eine Aktienquote vorzuschreiben ist vielleicht etwas überzogen. Aber dass z. B. Lebensversicherungen Staatsanleihen (also zinsloses Risiko) präferieren müssen, ist heutzutage eigentlich ein Skandal. Nur, die Politiker in Europa haben kein Interesse daran, dass die Anleger ihr Geld in Aktien anstatt in Staatsanleihen stecken.
Auch habe ich nicht den Eindruck, dass insbes. Politiker in Deutschland ein Interesse daran haben, dass die Bürger ökonomisch besser gebildet sind und ihr Wissen dann dazu nutzen, mehr Wohlstand für sich selbst zu generieren. Vielleicht wäre es ausreichend, die Bürger einfach über dieses Faktum zu informieren.

Maikel

05.12.2013, 16:14 Uhr

Andere Länder, nicht nur Norwegen, zeigen, wie man es auch machen kann: Es muß ja nicht jeder Bürger persönlich zum Aktionär werden, aber ein Pensionsfonds, Staatsfonds o.ä. könnte die Altersvorsorge der Bürger gebündelt in Aktien anlegen (natürlich nur einen Teil davon).

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