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14.08.2014

15:50 Uhr

Der Anlagestratege

An Aktien führt kein Weg vorbei

VonChristoph Bruns

Früher hieß es an der Börse, wer gut schlafen wolle, der müsse Anleihen und wer gut essen wolle, der müsse Aktien kaufen. Vieles spricht heute dafür, dass auch derjenige Aktien kaufen muss, der gut schlafen will.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die europäischen Aktienmärkte erfahren bislang eine milde Korrektur, nachdem sie jahrelang im Windschatten der Wall Street kräftig angestiegen waren.  Abgesehen von dem auffällig schwachen deutschen Aktienmarkt dominieren jedoch auch in diesem Jahr die Pluszeichen an den internationalen Börsen.  Man sieht dies unschwer am Weltaktienindex MSCI, der seit Jahresbeginn in Euro um knapp circa sieben Prozent zulegen konnte. Freilich haben dazu auch die freundlichen Fremdwährungen beigetragen, wie zum Beispiel das britische Pfund, der japanische Yen und der US-Dollar. 

Das bestimmende Merkmale unserer Zeit sind keineswegs auftretende politische oder militärische Krisen – sie gehören zum beklagenswerten Lauf der Weltgeschichte und führen an den Börsen mitunter zu kurzfristigem stärkeren Unbehagen - sondern vielmehr die andauernde Nullzinspolitik der internationalen Notenbanken.

Die Zinsmärkte verschaffen den Weltbörsen mittlerweile seit Jahrzehnten die schönste Hintergrundmusik. Dementsprechend stieg der Bund Future in den letzten Tagen Woche auf ein Allzeithoch. Wenn man einmal die deutsche Börsen-Brille zur Seite legt und sich die sinnvolle Frage stellt, wie man Geld mit Blick auf die nächsten fünf bis zehn Jahre klug anlegen sollte, dann wird man aller derzeitigen Nervosität zum Trotz um Aktien nicht herumkommen.  

Die mit Abstand größte Gefahr für Dividendentitel kommt aktuell also nicht aus dem Gaza Streifen, dem Irak oder Russland, sondern – wie in der Historie so oft - aus der Federal Reserve Bank in Washington. Einstweilen sieht es jedoch nicht danach aus, als ob wir kurz bis mittelfristig vor stark ansteigenden Zinsen stehen würden. Dafür fehlt der politische Wille.

Mehr als gelegen kommen die niedrigen Zinsen zum Beispiel dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, dessen Unfähigkeit Haushaltskürzungen durchzusetzen durch das rasch fallende Zinsbudget im Bundeshaushalt völlig kaschiert wird. Warum sparen, wenn doch die Notenbank diesen Vorgang viel geräuschloser für uns ins Werk setzen kann. Die desolaten langfristigen Konsequenzen für die Altersvorsorgesysteme durch die staatliche Nullzinspolitik werden dabei geflissentlich unter den Teppich gekehrt.

Im Übrigen bleibt für den weiteren Börsenverlauf allentscheidend, welchen  Kurs die Weltleitbörse in New York einschlägt. Dort aber ist man einstweilen nicht gesonnen, sich von den europäischen Problemen anstecken oder gar ins Bockshorn jagen zu lassen. Eine seit Monaten anhaltende fulminante Übernahmewelle tut ihr Übriges. Der Wall Street gegenüber spielt das deutsche Börsen-Gezappel eine völlig vernachlässigbare Rolle. Immerhin könnte die aktuelle Börsenkorrektur uns das Wort des Jahres beschert haben. Es lautet nach Auskunft eines tüchtigen Kollegen aus dem Loys Fondsmanagement, der sein  Ohr nah am Markt hat,   „geopolitische Risiken“.

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