Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2015

16:51 Uhr

Der Anlagestratege

Börsen trotzen dem Terrorchaos

Erstaunlich gelassen haben die Börsen auf die Terroranschläge reagiert. Diese Gelassenheit steht im Kontrast zum politischen Aktivismus, der, so muss man befürchten, eine zunehmende Eigendynamik entfalten wird.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Dabei gibt Frankreich alles in allem ein eher beklagenswertes Bild ab. Die beabsichtigten Verfassungsveränderungen lassen Befürchtungen wahr werden, Paris habe aus den amerikanischen Fehlern nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nichts gelernt und schränke nun ebenfalls die schwer in Revolutionen errungenen bürgerlichen Freiheiten des Landes ein.

Der Sozialist und Präsident Hollande, der in seiner bisherigen Amtszeit nicht weiter durch Kompetenz und Leistung aufgefallen ist, sondern eher durch seine nächtlichen Mopedfahrten zu seiner jüngsten Mätresse für Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist nun auf einmal wie von einem Rachegott besessen. Er verfügt den monatelangen landesweiten Ausnahmezustand und ruft den Krieg gegen den Islamischen Staat aus.

Damit spiegelt Hollande in bedenklicher Weise die aktivistischen Torheiten des George Bush nach den Anschlägen in Amerika im Jahr 2001. Es entbehrt nicht einer großen Ironie, dass die fehlgeleiteten Versuche der Amerikaner, Demokratie und Freiheit in den Irak zu tragen, zur Gründung und Stärkung des IS beigetragen haben. Überdies waren die Attentäter von Paris ganz überwiegend Franzosen, was auf ein erhebliches innenpolitisches Problem schließen lässt.

Was die Pariser Notstandspolitik für Frankreichs Haushaltsdefizit und damit auch für unsere Währung Euro bedeutet, kann man sich leicht ausmalen. Mit dem Thema Haushaltskonsolidierung, welches in Frankreich bisher trotz vielfacher Ermahnungen noch nicht stattgefunden hat, ist es nunmehr vollends vorbei. Der erwachte nationale Kriegseifer wird hurtig dafür sorgen, dass alle lauthals verkündeten Haushaltkonsolidierungsabsichten rasch Makulatur werden. Man braucht kein Prophet zu sein, um den zustimmenden Segen der europäischen Partner für die nächste Runde der gallischen Schuldenorgie vorherzusagen. Aus Brüssel hieß es bereits vorauseilend servil: „Der Stabilitätspakt ist flexibel“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×