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12.12.2013

14:13 Uhr

Der Anlagestratege

Das Dilemma der Autohersteller

VonChristoph Bruns

Die Bedeutung der Automobilindustrie dürfte im Inland schrumpfen. Für den Staat und die Arbeitnehmer sind das keine guten Perspektiven. Zusätzliche Steuereinnahmen und neue Arbeitsplätze werden eher im Ausland entstehen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Verband der Automobilindustrie hat vor Wochenfrist seine Sicht auf die weltweiten Automärkte kundgetan. Ihr zufolge werden im kommenden Jahr in den deutschen Werken der Autohersteller knapp 5,5 Millionen Fahrzeuge hergestellt werden, was einem minimalen Zuwachs von 20.000 Einheiten entspricht. Im Jahr 2012 waren es noch 5,9 Millionen Autos. Angesichts von etwa drei Millionen Neuzulassungen in Deutschland gehen also viele Fahrzeuge in den Export.

Derweil dürften in den ausländischen Werken deutscher Hersteller im Jahr 2014 rund 9,2 Millionen Autos gebaut werden, was einer deutlichen Zunahme um 500.000 Stück gegenüber 2013 entspricht. Insgesamt wollen die deutschen Hersteller 14,7 Millionen Fahrzeuge bauen.

Anhand dieser wenigen Zahlen wird ein kommendes wirtschaftliches Dilemma sichtbar. Angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung, gesättigter heimischer Märkte und strukturell schwachem Wirtschaftswachstum in Deutschland und Europa sucht die Automobilindustrie ihr Heil zunehmend in der überseeischen Fremde. Sie muss dies tun, wenn sie nicht durch ausländische Wettbewerber marginalisiert werden will. Diese Entwicklung ist im Kern der Globalisierung geschuldet und einstweilen irreversibel.

In vielen Ländern der Welt gibt es Bevölkerungs-, Kaufkraft- und Wohlstandswachstum. An diesem Trend teilzuhaben, ist die vorrangige strategische Stoßrichtung der deutschen Automobilhersteller und der hinter ihr stehenden großen Zulieferindustrie. Im Zuge einer solchen Entwicklung wird es zunehmend unwichtiger sein, ob die Eigentümer der Unternehmen Deutsche sind oder ob die historischen Wurzeln der in Rede stehenden Gesellschaften deutsch sind.

Bei etlichen Weltunternehmen ist ja bereits heute nebensächlich, wo sich der aktuelle Firmensitz befindet. Mehr noch: Es ist in diesem Zuge vorstellbar, dass die in den Unternehmen gesprochene Geschäftssprache Englisch sein wird. Mancherorts ist das bereits heute der Fall.

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