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02.05.2014

09:56 Uhr

Der Anlagestratege

Das ist eine Unverschämtheit!

VonChristoph Bruns

Die Europäische Union führt eine Finanztransaktionssteuer auf Aktien ein. Damit werden Aktien gegenüber Zinspapieren diskriminiert. Der Grund ist zynisch: Die Staaten möchten ihre eigenen Anleihen an dem Mann bringen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Man reibt sich die Augen. Wie zu vernehmen ist haben sich elf Länder aus der EU darauf geeinigt, eine Finanztransaktionssteuer auf Aktien und Derivate einzuführen. Nun sollten wir uns daran erinnern, dass die amerikanische Subprime-Krise ebenso wie die europäische Schuldenkrise ihre Ursache in zu hoher Verschuldung und in zu geringem Eigenkapital hatte. Die Konsequenz sollte folglich sein, den Eigenkapitalaufbau zu fördern und die Verschuldungsquote abzubauen.

Nach den nun vorliegenden und soeben richterlich abgesegneten Plänen sollen nunmehr Aktien und nicht Schuldtitel mit einer Finanztransaktionssteuer belegt werden. Damit offenbaren die Staaten, wes Geistes Kind sie sind. Die Staaten wollen nämlich ihre Schuldenwirtschaft munter fortsetzen. Eine Abkehr von der Droge ´Schulden´ war nie geplant. Vielmehr haben ihre Helfershelfer in den Notenbanken dafür gesorgt, dass die Schuldenorgie ungeniert weiter gehen kann. In allen betroffenen Ländern haben die ausstehenden Staatsschulden ungeachtet vorgeblicher Konsolidierungsbemühungen einen neuen Höchststand erreicht. Deutschland macht dabei keine Ausnahme.

Mit der neuen Finanztransaktionssteuer sollen Aktien gegenüber Zinspapieren stärker als bisher diskriminiert werden. Denn die natürlichen langfristigen Vorteile der Aktie gegenüber der Staatsanleihe überwiegen angesichts der Dauerniedrigzinsen und trotz steuerlicher und regulatorischer Benachteiligung inzwischen derartig stark, dass der Staat hier einzuschreiten sich aufgerufen fühlt.

Jene, die meinten, der Staat würde angesichts der drängenden Altersvorsorgeproblematik verstärkt eine Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft durch die Förderung des Aktienbesitzes unterstützen sehen sich nun völlig desillusioniert. Der Staat denkt überhaupt gar nicht daran, die Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft zu fördern. Im Gegenteil, er torpediert sie!

Vielmehr will der Staat seine eigenen Anleihen über Banken und Lebensversicherungen an den Mann bringen und dabei ist ihm eine hoch entwickelte Aktienkultur ein Dorn im Auge. Es sei daran erinnert, dass bereits heute mehr als die Hälfte der Dax Aktien in den Händen ausländischer Investoren liegen und das Geldvermögen der Deutschen ganz überwiegend zinsgebunden und damit nahezu renditelos angelegt ist. Die Bundesbank hat diesen traurigen Befund in dieser Woche durch die neuesten Zahlen zum Geldvermögen in Deutschland erhärtet.

Kommentare (7)

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02.05.2014, 10:20 Uhr

Tendenzoese Ueberschrift: "Die EU fuehrt..." es ist nicht die EU sondern EU-Mitgliedsstaaten, die diese Steuer wuenschen. Aber mit solchen Titeln kann "Stimmung" gemacht werden gegen "Europa". Wie viele, die gegen etwas sind, machen sich die Muehe, verstehen zu wollen? Es geht nur ums "Dagegensein", aber gegen was, wissen die wenigsten!

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02.05.2014, 10:40 Uhr

Hm? Das ist doch schon immer so. Unser Staat ist ein Verbrecher. Was gilt als risikolos per Gesetz und eignet sich zur Hinterlegung bei der EZB? Natürlich Staatsanleihen. Und als die Griechen Ramschniveau erreichten, führte man einfach eine Ausnahme ein. So waren diese Staatsanleihen weiterhin bei der EZB zu hinterlegen.

Warum fördert der Staat die Lebensversicherer? Weil er ihnen die Anlage-/Kapitalvorschriften per Gesetz macht. Und was steht in diesem Gesetz? Dass lebensversicherer den Großteil des Kapitals in Staatsanleihen stecken muss.

usw.

"Du sollst nicht stehlen - der Staat duldet keine Konkurrenz!"

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02.05.2014, 10:41 Uhr

ein hervorragender Kommentar, der den Nagel auf den Kopf trifft, der Schuldenpatient wurde durch Stereoide (Nullzinzen, Gemeinschaftshaftung der Euro-Länder) ins Leben zurückgeholt! Sein Siechtum wird das nicht beenden, das Ende (weitere Enteignung der Leistungsträger durch Abgaben bzw. Weginflationierung der Schulden) ist unausweichlich!

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