Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.10.2013

12:50 Uhr

Der Anlagestratege

Der Anlegerschutz ist gescheitert

VonChristoph Bruns

Mit Aktien ließe sich derzeit viel Geld verdienen. Den Deutschen ist die Anlageform dennoch suspekt. Die Politik müsste mehr dafür tun, dass Sparer hierzulande ihr Geldvermögen lukrativer anlegen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Es gibt in der Öffentlichkeit kaum einen Zweifel daran, dass der Anlegerschutz in Deutschland gut gemeint ist, wiewohl man auch auf diesem Feld angesichts der gemachten Erfahrungen mit Lobbyisten fragen muss, ob gewisse Produktanbieter besonders durch ihn profitieren und die Gesetzgebung gegebenenfalls beeinflusst haben. Eine ganz andere Frage ist freilich diejenige, ob der deutsche Anlegerschutz zu wünschenswerten Anlageresultaten für den Einzelnen und in der Aggregation für die Allgemeinheit führt.

Schaut man sich die Vermögensberichte der Bundesbank und der europäischen Institutionen zu diesem Thema an, dann kann man einen recht niederschmetternden Eindruck gewinnen. Die Deutschen besitzen im europaweiten Vergleich trotz hoher Sparquote nicht nur unterdurchschnittliche Ersparnisse, sie legen diese auch derartig unklug an, dass auch künftig aus dieser Quelle wenig Zuwachs zu erwarten ist. In meinen Augen spricht daher vieles dafür, dass der zwar gut gemeinte Anlegerschutz völlig kontraproduktiv wirkt und sich in der Praxis als Hemmschuh erweist.

Um sich die Dimension des Problems grob vorstellen zu können, sollte man versuchen, sich überschlägig jenen Geldbetrag vorzustellen, der den Deutschen durch ihren Finanzmarkt Analphabetismus entgeht. Bei einem Geldvermögen in Deutschland von ungefähr 5.000.000.000.000 Euro (fünf Billionen) würde ein Anlageergebnis von einem Prozent schon eine zusätzliche Einnahme von 50.000.000.000 Euro (fünfzig Milliarden) bringen. Davon greift sich der Staat automatisch ein gutes Viertel durch seinen kleptokratischen Steuerzugriff.

Die verunglückte deutsche Energiewende ist also geradezu eine finanzielle Petitesse gegenüber der sehenden Auges betriebenen Falschanlage und Fehlallokation deutscher Anlegergelder.  Nebenbei weise ich darauf hin, dass - historisch gesehen - der Renditevorteil von Aktien gegenüber langlaufenden Staatsanleihen eher bei drei  bis fünf Prozentpunkten pro Jahr liegt. Im heurigen sehr guten Aktienjahr beträgt er stramme 17 Prozent.

Entscheidend ist nun aber, dass man sich von schlechten Regelungen und Maßnahmen trennt und sie entweder ganz wegfallen lässt oder durch bessere ersetzt. Ganz ähnlich ist es ja auch mit dem Ende des deutschen Branntweinmonopols nach einhundert Jahren gekommen. Oder etwa mit dem verfehlten Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, der nun langsam zu einem überfälligen Ende gelangt.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Buergersteig

31.10.2013, 14:00 Uhr

Was mir immer unerklärlich ist:
Wenn wir von einer inflationsbereinigten Rendite von 4% p.a. ausgehen (dies scheint der Artikel anzunehmen, "historisch gesehen"; über den (Un)Sinn von Vorhersagen auf historischen Werten kann man wohl kaum streiten...), dann heißt das doch, dass wenn wir alle so kluK sind und in Aktien investieren, sind wir alle bald reich und müssen nicht mehr arbeiten (nur die dummen und armen).

Republikaner

31.10.2013, 14:13 Uhr

Bei der aktuellen Gesetzeslage und Regulierung wird ein Berater den Teufel tun und Aktien empfehlen - da liegt der Hund begraben

esboern

31.10.2013, 14:32 Uhr

In Deutschland sind Anlagen u. Vorsorge uninteressant, da man nur vom Staat u. den sogenannten Initiatoren abgezockt u. betrogen wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×