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30.10.2014

17:13 Uhr

Der Anlagestratege

Der gläserne Steuerbürger wird Realität

VonChristoph Bruns

Steuerlich werden Erträge aus Aktienanlagen in Deutschland schon lange stark diskriminiert. Statt für Steuergerechtigkeit zu sorgen, geht es dem Staat nur um die eigenen Einnahmen, das zeigt auch ein neues Abkommen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Ein Bankgeheimnis gibt es nicht mehr. Die 50 wirtschaftlich führenden Länder der Welt haben beschlossen, einen umfassenden Finanzdatenaustausch vorzunehmen. Den Behörden ist nunmehr national und international der Blick in die Konten und Steuerdaten aller Bürger eröffnet. Der gläserne Steuerbürger wird Realität.

Sofern diese umfassende Staatsaufsicht zu Steuergerechtigkeit führt, mag man sie begrüßen. Alle Erfahrung deutet aber darauf hin, dass die eigentliche Absicht der geschlossenen Vereinbarungen darin liegt, die Steuereinnahmen zu erhöhen. Jedenfalls ist es kein Zufall, dass der Ausdruck „aufkommensneutral“ in der Diskussion gar nicht auftaucht, obwohl ja zusätzliche Einnahmen von Steuersündern zur Entlastung der Steuerehrlichen verwendet werden könnten.

In Deutschland haben die getroffenen Abkommen zum Datenaustausch die erwartbaren Rituale in den politischen Lagern geweckt. Kaum war die Tinte unter den Datenaustauschverträgen trocken, da wurde bereits die Abschaffung der Abgeltungssteuer und die künftige Besteuerung von Kapitalerträgen nach den persönlichen Einkommensteuersatz gefordert, in der Hoffnung, die seit Jahren sprudelnden Steuerquellen noch üppigere Fontänen werfen zu sehen.

Für Zinsanleger ist diese Entwicklung unerfreulich, denn die Abgeltungssteuer dürfte regelmäßig unterhalb des jeweiligen persönlichen Steuersatzes liegen. Insofern ist das staatliche Scharren mit den Steuerhufen sehr verständlich. Die Obrigkeit weiß allzu genau, dass die Deutschen ihr Erspartes ganz überwiegend zinsgebunden anlegen, wenngleich viele dieser Anlagen steuerprivilegiert sind, wie zum Beispiel bei der klassischen Kapitallebensversicherung. Gedämpft werden die Hoffnungen des Staates jedoch durch die Dauernullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, so dass die Einnahmen aus der Besteuerung von Zinsanlagen zum Ingrimm des Finanzministers für längere Zeit mager ausfallen dürften.

Gänzlich anders liegt der Fall bei der Besteuerung von Kapitalerträgen aus Aktienanlagen. Im Gegensatz zu Zinsanlagen werden Dividendenausschüttungen steuerlich in Deutschland stark diskriminiert, indem Unternehmensgewinne zuerst im Unternehmen und im Falle der Ausschüttung zusätzlich beim Anleger zu versteuern sind. Diese Doppelbesteuerung ist unsystematisch, produziert unverhältnismäßig hohe Steuersätze und ist daher zutiefst ungerecht.

Mehr noch: Sie trägt im Ergebnis dazu bei, dass die Deutschen Aktienanlagen meiden und somit kaum an ihrer Wirtschaft beteiligt sind. Inzwischen ist in den letzten Jahren durch diese zum Teil staatlich gelenkte Fehlentwicklung ein Vermögensschaden von mehreren hundert Milliarden Euro entstanden. Mit Altersarmut wird unsere Gesellschaft langfristig diesen Schaden bezahlen müssen.

Kommentare (6)

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G. Nampf

30.10.2014, 17:27 Uhr

hHerr Bruns,

alles was Sie hier schreiben, ist richtig. Aber es nutzt nichts, sich über Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit Gedanken zu manchen, denn unser Geldsystem ist am Ende und alle Staaten sind hoffnungslos überschuldet.

Daß die Staaten die Bürger wie Zitronen auspressen, ohne auch nur ansatzweise eine Gegenleistung zu liefern, zeigt, wie ernst die LAge ist.

Herr Omarius M.

30.10.2014, 18:18 Uhr

1 was am meisnt besteuert wird in D ist Arbeit...
2 ist as abkommen blendwerk.... USA sowie China, Singapur etc und damit zb Delaware machen garnicht mit
so kann man zusammenfassen das Abkommen unterzeichnen vor allem die Staaten, aus denen die meisten Steuerflüchtigen kommen, aber kaum Länder, in denen sie sich verstecken.

3 Gern stellen sich Deutschlands Reiche als die Lokomotive dar, die den Zug der Staatsfinanzen ganz allein zieht. Weiter kann man die Wahrheit nicht verfehlen. Mehrwertsteuern, Mineralölsteuern und Lohnsteuern werden von der Masse der Gesellschaft aufgebracht. 1960 betrug der Anteil dieser „Massensteuern“ an den Einnahmen des Finanzministers noch etwa 38 Prozent. Die „Gewinnsteuern“, die typischen Steuern der Reichen, hatten damals einen Anteil von 35 Prozent. Bis 2010 hat sich der Anteil der „Massensteuern“ mit 71 Prozent fast verdoppelt, während die „Gewinnsteuern“ unter 20 Prozent abgerutscht sind. Die Oberschicht überlässt die Finanzierung des Staates der arbeitenden Mittelschicht.

Allein durch die Tabaksteuer nimmt der Staat mehr Geld ein als durch Steuern auf Kapitalgewinne. Auch der Beitrag der Steuern auf Unternehmensgewinne liegt noch unter dem, was Raucher in die Staatskasse pusten. Die vermögensbezogenen Steuern auch. Ihr Anteilchen beträgt gerade mal 2,3 Prozent an den Einnahmen des Fiskus. In den USA und in Großbritannien ist der Beitrag der Vermögen fünfmal größer. Deutschland ist eine Steueroase für Vermögen.“

"Wenn das Vermögen der Reichen Erträge abwirft, werden vom Profit pauschal 25 Prozent Kapitalertragsteuer abgezogen. Vom Einkommen aus Arbeit nimmt sich das Finanzamt jedoch bis zu 45 Prozent. Bei BMW bedeutet das: Vorstände und Beschäftigte, die ein Rekordergebnis erarbeitet haben, müssen die hohe Einkommensteuer zahlen. Bei der Familie Quandt, deren Leistung sich im Gewinnabschöpfen erschöpft, begnügt der Staat sich mit 25 Prozent. Die Steuerpolitik bevorzugt das leistungslose Einkommen und bestraft den Lohn

Herr Helmut Metz

30.10.2014, 19:53 Uhr

Absolut richtig - und es freut mich auch sehr, hier im HB einmal einen kritischen Artikel zum Steuerdiebstahl an den Bürgern zu lesen.
Der Austrian Murray N. Rothbard kam sogar zu folgendem Urteil: "Der Staat ist eine Institution des Diebstahls."
WARUM das so ist, weshalb Leviathan sich zwangsläufig zu einer unersättlichen Staatskrake entwickeln muss, wird jedoch in den Medien kaum thematisiert - schon gar nicht in denen, die vom Staat selbst abhängig sind.
Die Kurzerklärung finden Sie z.B. hier:
http://forum.finanzen.net/forum/Staatsbankrott_und_Konkursverschleppung-t250965
Und wenn man dann noch die unheilvolle Allianz von Banken und Staat mitberücksichtigt:
http://www.youtube.com/watch?v=iFDe5kUUyT0
Wird wohl nicht allzu lange dauern, bis die Links gelöscht werden, obwohl das Thema die Masse sowieso nicht interessiert. Für die zählt vor allem der Neidfaktor: "Der Andere besitzt mehr als ich, also soll er auch mehr Steuern bezahlen! Das ist doch nur gerecht!" ;-)

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